Herr Hilfiker, können Sie verstehen, dass die Leute gerne wüssten, wer schuld ist am Keba-Debakel?

Hanspeter Hilfiker: Ich verstehe, dass die Leute erfahren wollen, wie es dazu kommen konnte – und welche Lehren man daraus für die Zukunft zieht.

Politisch müssen Sie als zuständiger Stadtrat der Keba-Bauherrin Stadt Aarau die Verantwortung übernehmen. Oder?

Grundsätzlich verantwortet der Stadtrat alle Geschäfte als Kollegialbehörde. Aber selbstverständlich stehe ich als Verantwortlicher für das Ressort Sport im Vordergrund.

Das Bauamt der Stadt Aarau, der Totalunternehmer Priora, der damals zuständige Stadtrat Carlo Mettauer und die Baubehörden von Suhr – sie alle haben den Irrtum mit denn Öffnungszeiten nicht bemerkt. Wann hat Sie der Kanton auf den Fehler aufmerksam gemacht?

Nach Beizug der Betreiber, das heisst der damaligen Keba-Genossenschaft, wurde der Fehler erkannt und auch der Verwaltung bewusst. Es wurde Ende 2012 sogar versucht, revidierte Betriebszeiten bewilligt zu erhalten; dies war aber nicht mehr möglich. Der Kanton hat aber in der Folge alle Gutachten auf Basis der «richtigen» Betriebszeiten geprüft, und uns darauf aufmerksam gemacht, dass wir diese Zeiten nachzureichen haben.

Weshalb haben Sie nicht sofort ein zweites Baugesuch mit den Öffnungs- und Betriebszeiten – wie sie ursprünglich geplant waren – eingereicht?

Die Baudelegation hat 2013 entschieden, nicht sofort ein neues Baugesuch zu stellen. Dies, weil sie ein neuerliches aufwendiges Einspracheverfahren erwartet hat, was natürlich immer auch viele Ressourcen bindet. 2014 wurde dann erkannt, dass der Bau mehr als 3 Millionen Franken mehr kostet. Vor einem Baugesuch musste die Finanzierung dieser 3 Millionen sichergestellt werden, was mit der Volksabstimmung im September 2014 gelang. Hätte das Volk Nein gesagt, wäre keine Sanierung erfolgt, eine Baueingabe wäre nicht nötig gewesen. Ab Herbst 2014 wurde mit Hochdruck an der baulichen Realisierung der Keba gearbeitet, mit der Perspektive, dafür drei Jahre Zeit zu haben. Bis Ende 2015 wollte man das entsprechende Baugesuch einreichen. Auf diesen Zeitplan hatten wir schliesslich etwa drei Monate Verzögerung; parallel dazu haben die positiven baulichen Abklärungen – beispielsweise Erdbebenprüfung – sowie die guten Baufortschritte dazu geführt, dass der Bau bereits ein Jahr früher als geplant, eben im vergangenen November, eröffnet werden konnte. Diese Verkürzung der Bauzeit hat uns Einigungszeit bei den Einsprachen gekostet.

«Eine Katastrophe – vor allem für die Jungen»

«Eine Katastrophe – vor allem für die Jungen»

An einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz am Donnerstagnachmittag verkündeten die Verantwortlichen das Keba-Lichterlöschen. Im Beitrag von «Tele M1» sagen auch Einsprecher, worum es ihnen geht. (16.2.2017)

War Ihnen schon damals klar, dass es mit der zweiten Baubewilligung schwer werden würde?

Wir haben mit Einsprachen gerechnet; haben aber gleichzeitig darauf gehofft, dass die Realisierungsfortschritte der neuen Keba mithelfen, die Akzeptanz des Baus zu erhöhen und dessen Vorteile, beispielsweise die Schallisolation und die Erschliessung, zu erkennen.

Wer hat den Entscheid gefällt, mit dem Bau zu beginnen? Der gesamte Stadtrat?

Der Bau wurde entsprechend der Baubewilligung, vor Jahresende 2014 in Angriff genommen.

War es im Stadtrat jemals ein Thema, den Baustart zu verschieben, bis die zweite Baubewilligung vorliegt?

Es war nicht explizit Thema im Stadtrat, wir haben die Abstimmung zu den ergänzenden 3 Millionen Franken aber bewusst so gesetzt, dass die Baubewilligung noch eingehalten werden konnte.

Keba Aarau: Behördenschlamperei?

Keba Aarau: Behördenschlamperei? (15. Februar 2017)

Seit November ist die neu sanierte Kunsteisbahn Aarau in Betrieb. Wegen einem Planungsfehler drohen der Anlage nun eingeschränkte Öffnungszeiten.

Verhandlungen über eine Kompromisslösung scheinen schwierig zu sein, weil die Einsprecher das Vertrauen verloren haben und seitens der Keba die Bereitschaft zu Zugeständnissen klein ist. Haben Sie daran gedacht, einen Mediator beizuziehen?

Wir haben in den nächsten Tagen zu einer Aussprache mit den Anwohnern eingeladen und wollen eine Einigung finden.

Das Keba-Debakel kostet viel Geld. Wer wird das schlussendlich zahlen müssen? Die Keba AG – und damit schlussendlich die Steuerzahler?

Die Kosten sind gegenwärtig unklar. Die Saison lief bisher aber sehr gut. Trotzdem wird es Folgekosten geben. Deren Regelung ist noch offen.

Haben Sie persönlich je damit gerechnet, dass Ihnen die Keba so viele Sorgen bereiten könnte?

Das Keba-Projekt war seit meinem Einstieg 2014 ein schwieriges Projekt. Aufgrund der erkannten Fehler im Baugesuch und bei den Kostenschätzungen mussten wir von Beginn an situativ entscheiden, was zu tun ist und wo Prioritäten zu setzen sind.

Was könnte die Situation jetzt retten?

Wie gesagt suchen wir in den nächsten Tagen im Gespräch mit den Anwohnern eine Einigung. Ziel ist, dass der erstinstanzliche Entscheid, den wir im März erwarten, ohne Beschwerde bleibt und rechtskräftig werden kann.

Egoistische Einsprecher?

Egoistische Einsprecher? (18. Februar 2017)

Einzelne Personen können ganze Grossprojekte wie die KEBA blockieren. Aber wieso sind es oft genau Sportanlagen, die es nicht einfach haben?