Aarau
Wer in der Stadt eine günstige Wohnung finden will, braucht Geduld

In der Stadt stehen fast 200 Wohnungen und Häuser leer. Doch bezahlbare Objekte sind rar. Woran liegt das?

David Egger
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In Aarau gibt es so viele leerstehende Wohnungen wie nie zuvor (Archiv).

In Aarau gibt es so viele leerstehende Wohnungen wie nie zuvor (Archiv).

Keystone

Wer in Aarau wohnen will, muss lange suchen. Vor allem, wenn keine topmoderne Traumwohnung drinliegt. Denn Dreizimmerwohnungen für unter 1300 Franken lassen sich an einer Hand abzählen. Gleichzeitig standen per 1. Juni 195 Wohnungen leer, wie die neuste Leerwohnungszählung zeigt. Das sind mehr unbewohnte Wohnungen als je zuvor. Allein seit 2012 hat sich die Zahl ungenutzter Wohnungen verdoppelt.

Den Löwenanteil dieser Entwicklung tragen die leeren Mietwohnungen (siehe Grafik). Die Anzahl leerer Eigentumswohnungen ist seit Jahren stabil, beziehungsweise schwankt im Bereich von 20 bis 30 leeren Wohnungen.

Leerwohnungen Aarau

Leerwohnungen Aarau

Stadt Aarau

Für die Besitzer garantieren insbesondere die Mietwohnungen Renditen in einer Höhe, die sonst nur mit risikoreichen Anlagen zu haben ist. Das lockt Investoren in den Immobilienmarkt, gerade in zentral liegende Orte wie Aarau. Diese weisen ein kleineres Risiko für leere Wohnungen auf, wie eine Studie der Credit Suisse zum Immobilienmarkt zeigt. Und auch sonst ist Aarau mit den vielen Arbeitsplätzen und Freizeitangeboten attraktiv. Umso mehr lassen die hohen Leerwohnungszahlen aufhorchen. Zumal schon der Markt für Gewerbeflächen in Aarau ein zu grosses Angebot und eine rückläufige Nachfrage aufweist.

Zur Region Aarau kommt aus der Studie hervor, dass die Nachfrage zwar nicht abnehme, das Angebot aber zu stark wachse. Will heissen: bald noch mehr leere Wohnungen in der Region Aarau. Jedoch gehört zur Region nicht nur die Stadt, sondern zum Beispiel auch das Wynental. Dieses erlebt gerade einen Bauboom: So ist der Bau von über 1000 neuen Wohnungen bewilligt, Leerstände sind vorprogrammiertn Auch die Stadt Aarau boomt. Sie ist laut der diesjährigen Schweizer Städtestatistik die Aargauer Stadt mit den meisten Neubauten.

Wohnungspreise sinken nicht

Der Stadtentwickler von Aarau, Kurt Schneider, mag noch nicht von einem zu grossen Überangebot sprechen: Zirka 1,8 Prozent aller Wohnungen seien leer. Unter Experten gilt eine Leerwohnungsziffer zwischen 1,5 und 2,0 Prozent als optimal. «Zudem gehen die Wohnungspreise nicht zurück. Das spricht dafür, dass wir noch keinen alarmierenden Überhang an Wohnungen haben», so Schneider. Für Wohnungssuchende sei ein Überangebot von Vorteil: «Sie können quasi auswählen, ob sie lieber in der Aarenau oder im Torfeld Süd leben möchten.»

Das gilt aber nur für Wohnungssuchende mit dem nötigen Kleingeld. Alle anderen warten, bis eine alte Wohnung frei wird, zum Beispiel in der Telli. Denn neue Wohnungen sind teuer. «Der massiv gestiegene Preis des Baulandes hat darauf den grössten Einfluss. In der Schweiz ist Boden knapp, gerade in Ballungszentren», sagt Christine Hug, Pressesprecherin der Mobimo, der viertgrössten Immobiliengesellschaft der Schweiz.

Laut Hug lassen sich theoretisch zwar neue Dreizimmerwohnungen für 1300 Franken bauen. «Wer aber eine Neubauwohnung sucht, würde kaum darin leben wollen, die Wohnfläche wäre minimal und die Ausstattung spartanisch. In der Schweiz hat man hohe Erwartungen an den Wohnraum.»

In Zürich, wo sich auf eine günstige Wohnung oft hundert Menschen bewerben, ist es laut Kurt Schneider nun der neuste Trend, kleinere und günstigere Wohnungen zu bauen. «In Aarau ist die Situation noch nicht so drastisch, wir haben dank alten Immobilien genug günstige Wohnungen. Aber es ist schon so: Man braucht oft Beziehungen oder Geduld, um an diese Objekte zu kommen», sagt Schneider.

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