Aarau
Wer in Afrika dick ist, gilt als reich – Migranten sollen nun umdenken

Wer in Afrika dick ist, gilt als reich. Migranten leben dieses Verhaltensmuster meist auch in der Schweiz. Ein Verein afrikanischer Migranten will nun Gegensteuer geben und die Gesundheit der Einwanderer verbessern.Eine Broschüre ist geplant.

Sibylle Haltiner
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Konferenz zur Gesundheitsförderung bei Migranten. Referent Olivier Ndayishimiye (links) und Jimmy Mpezo, Präsident des CJCE (3. v.l.).

Konferenz zur Gesundheitsförderung bei Migranten. Referent Olivier Ndayishimiye (links) und Jimmy Mpezo, Präsident des CJCE (3. v.l.).

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Wer in Afrika dick ist, gilt als reich. Dass Übergewicht wie auch Tabak- und übermässiger Alkoholkonsum zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen können, möchte der Rat der jungen Kongolesinnen und Kongolesen im Ausland (Conseil des Jeunes Congolais de l’Étranger, CJCE) allen Migranten, jedoch besonders jenen aus Afrika, bewusst machen.

Deshalb hat der Verein das Projekt «Gesundheitsförderung in der Diaspora» (GFD) ins Leben gerufen. Am Samstag fand in den Räumen der Caritas in Aarau ein Informationsabend statt. Unterstützung bekommt der CJCE dabei von der Universität Genf.

Soziale und kulturelle Angebote

Der CJCE besteht seit 2008 und stellt allen Ausländern im Aargau, vor allem aber den Migranten aus Afrika, ein soziale und kulturelle Netzwerk zur Verfügung. Mit Sportveranstaltungen und vor allem dem FC Integration Aarau sollen Fairplay und das Zusammenspiel zwischen Schweizern und Ausländern gefördert werden. Auch Theater- und Musikaufführungen werden organisiert. «Women in Progress» setzt sich für die Emanzipation von Frauen ein und Aargau Record Event engagiert sich für Junge und Musik. Neu kommt beim CJCE also die Gesundheitsförderung hinzu. «In Zusammenarbeit mit dem aargauischen Departement für Gesundheit und Soziales ist die Herausgabe einer Broschüre über gesunde Lebensführung geplant», erklärte Jimmy Mpezo. Er ist Präsident und Koordinator des CJCE, stammt aus der Demokratischen Republik Kongo und lebt seit neun Jahren in der Schweiz.

Konkrete Schritte für Gesundheit

Am Samstag stellte Olivier Ndayishimiye, der aus Burundi geflüchtet ist und an der Universität Genf seinen Master in öffentlicher Gesundheitswissenschaft macht, das Projekt «African Migrants Lifestle Intervention 2013–2014» vor. Studien hätten ergeben, dass Migranten häufiger übergewichtig sind, weniger Früchte und Gemüse essen, dafür aber mehr rauchen und mehr Alkohol konsumieren als Schweizer.

Auch lassen sie weniger Vorsorgeuntersuchungen durchführen, Verständigungsschwierigkeiten beim Arzt kommen hinzu. Aufgrund dieser Untersuchungen will der CJCE während 24 Monaten versuchen, die Gesundheit der afrikanischen Migranten zu fördern. Die Broschüre wäre der erste Schritt. Auch weiter Kommunikationswege wie ein Newsletter oder eine SMS-Benachrichtigung sollen genützt werden, um Migranten bei einer gesünderen Lebensführung zu unterstützen und zu beraten. In zwei Jahren werden die Ergebnisse ausgewertet. War das Projekt erfolgreich, soll es weitergeführt werden.