Aarau
Wer im Schachenwald mal muss, muss hinter den Baum

Ein Ausflug ans Aareufer im Schachenwald kann herrlich sein – solange man sich nicht auf die Suche nach einem stillen Örtchen machen muss. Die nächsten Jahre bleibt nichts anderes, als hinter einem Baum zu verschwinden.

Katja Schlegel
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Ein Ausflug an die Aare ist wunderschön. Bis die Blase drückt.

Ein Ausflug an die Aare ist wunderschön. Bis die Blase drückt.

Katja Schlegel

Sand zwischen den Zehen, die träge fliessende Aare in den schönsten Grün- und Blautönen, Vogelgezwitscher. Hier könnte man stundenlang sitzen, baden, lesen, plaudern – aber bloss nichts trinken. Denn wehe, wenn das Flüssige wieder raus muss. Den Aareläufen entlang zwischen Vogelinseli bis hoch nach Schönenwerd gibt es keine einzige Toilette. Wer mal muss, muss sich in die Büsche schlagen.

Was für Männer einfach machbar ist, ist für Frauen meist recht unangenehm. Eine öffentliche Toilette wäre dringend erwünscht, wie sich bei einem Augenschein vor Ort zeigt: Obwohl ein normaler Wochentag, herrscht beim Wehr reger Betrieb; Velofahrer, Skater, Fussgänger kommen vorbei, im und am Wasser tummeln sich viele Badende. «Es wäre super, wenn hier während der Sommermonate ein Toi-Toi-WC aufgestellt würde», sagt eine Mutter, die mit ihrer Tochter beim Wehr am Ufer sitzt. Und eine Spaziergängerin meint: «Als Frau ist es wirklich unangenehm, wenn an einem schönen Ort wie diesem, an dem man gerne seine Freizeit verbringt, keine Toilette zur Verfügung steht.»

Toi-Toi-Anlage undenkbar

Die Wildpinkler im Schachenwald stören den Aarauer Werkmeister Marcel Acklin nicht. Schlimm seien die, die in der Stadt trotz öffentlicher WC-Anlagen in nächster Nähe an die Hausmauern pinkeln. «Wenn jemand am Aareufer hinter den Baum muss, ist das halb so schlimm.» Acklin verweist aber auch auf die öffentlichen sanitären Anlagen und die Restaurant-Toiletten entlang des Ufers, die benutzt werden dürfen: im Telliring, bei der Schwanbar, beim Summertime und beim Kunstrasenplatz bei den Sportanlagen im Schachen.

Besserung langfristig in Sicht

Von der Idee, den Sommer über mobile Toi-Toi-Anlagen aufzustellen, ist Acklin nicht begeistert: «Die müssten wir über kurz oder lang aus der Aare fischen, weil sie jemand aus Blödsinn hineinkippt.» Durchaus vorstellen könnte sich Acklin aber, mit der IBAarau über die Öffnung der Toilettenanlagen in deren Betriebsgebäuden auf dem Vogelinseli und beim Wehr zu verhandeln.

Bei der IBAarau aber winkt man ab – zumindest vorerst. Im Betriebsgebäude beim Wehr gebe es zwar eine sanitäre Anlage; die müsste aber saniert werden, bevor sie öffentlich gemacht werden könnte. Die öffentliche Toilette bei der Voliere auf dem Vogelinseli hingegen habe man um 1990 wegen Vandalen und Drogenabhängigen schliessen müssen, so IBA-Mediensprecher Roland Dätwyler.

Aber Besserung ist in Sicht: Mit der ersten Etappe der Kraftwerkserneuerung bis 2019 soll auch die Attraktivität für Spaziergänger gesteigert werden. «Für die Besucher sollen dann neben einem Restaurant und einem Wasser- und Erlebnisspielplatz auch Sanitärräume zur Verfügung stehen.»

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