Nach den Kantonsratswahlen von Zürich wird intensiv darüber spekuliert, wie stark sich der Klimawandel und die Frauenfrage auf den Ausgang der National- und Ständeratswahlen auswirken werden. Zeit, eine Standortbestimmung für den AZ-Raum Aargau West vorzunehmen. Wer hat Chancen, den Sprung nach Bern zu schaffen? Gelingt dem Raum Aarau das lang ersehnte Comeback auf der eidgenössischen Bühne?

Die Ausgangslage: Der Aargau hat 16 Nationalräte. Davon stammen drei aus der AZ-Region Aargau West: Corina Eichenberger (FDP, Kölliken), Sylvia Flückiger (SVP, Schöftland) und Beat Flach (GLP, Auenstein). Dazu kommen Ulrich Giezendanner (SVP, Rothrist) und Thomas Burgherr (SVP, Wiliberg) aus dem Bezirk Zofingen. Ständerat aus der AZ-Region Aargau West ist Philipp Müller (FDP, Meisterschwanden). Eichenberger, Flückiger, Giezendanner und Müller treten nicht mehr an.

Alois Huber mit Top-Chancen

Die entscheidende Frage bei der SVP wird sein, ob es der Partei gelingt, den Besitzstand zu verteidigen. Beobachter erwarten, dass sie von den sieben Mandaten eines bis zwei verlieren wird. Angesichts des breiten Kandidatenfeldes (etwa die Grossräte Martina BircherBenjamin Giezendanner) dürfte die Partei ihre zwei Sitze im Bezirk Zofingen verteidigen. Das Mandat im Bezirk Kulm geht nach der Absage von Karin Bertschi sicher verloren: Es wäre schon ein Erfolg, wenn sich der über die Region hinaus wenig bekannte Reinacher Grossrat und Vizeammann Bruno Rudolf über seinen aktuell letzten Listenplatz hinaus verbessern könnte. Keine solchen Probleme hat Grossrat Alois Huber (Wildegg). Der Präsident des Aargauischen Bauernverbandes schaffte es bei den Nationalratswahlen 2015 auf den zweiten Ersatzplatz. Er kann sich schon mal die Zugverbindungen nach Bern herausschreiben. Vierter Ersatz wurde 2015 Grossrat Clemens Hochreuter (Erlinsbach). Seine Wahl ist nicht ausgeschlossen, wäre aber eher eine Überraschung.

Sabina Freiermuth im Aufwind

Die FDP hat aktuell drei Nationalratssitze und hofft auf einen vierten. Weil Thierry Burkart die Wahl in den Ständerat mit grosser Wahrscheinlichkeit schaffen dürfte, sind mindestens zwei Mandate neu zu vergeben. In einer aussichtsreichen Position befindet sich Grossrätin Maja Riniker (Suhr). Erstens, weil sie es 2015 auf den zweiten Ersatzplatz geschafft hatte (der erste Ersatz-Mann tritt jetzt nicht mehr an), und zweitens, weil sie eine Frau ist. In den letzten Wochen hat sich in der Diskussion um Regierungsrätin Roth die Präsidentin der FDP-Grossratsfraktion, Sabina Freiermuth (Zofingen), profiliert. Chancen kann sich auch Grossrat und FDP-Kantonalpräsident Lukas Pfisterer (Aarau) ausrechnen. Eine grosse Überraschung wäre die Wahl von Grossrätin Jeanine Glarner (Möriken-Wildegg) oder von Yannick Berner (Aarau), dem Kandidaten der Jungfreisinnigen.

Gabriela Suter wird gefördert

Bei der SP treten die beiden bisherigen Nationalräte wieder an. Ein Wechsel von Cédric Wermuth (Zofingen) in den Ständerat gilt als wenig wahrscheinlich. Aber die SP könnte – insbesondere, wenn sie eine Listenverbindung mit den aktuell auf einer Erfolgswelle schwimmenden Grünen eingeht – ein drittes Mandat dazugewinnen. Beste Chancen hätte dann Grossrätin und SP-Kantonalpräsidentin Gabriela Suter (Aarau), die von der Partei gezielt auf den ihrer Ansicht nach aussichtsreichen dritten Listenplatz gesetzt worden ist (2015 wurde sie auf Anhieb 4. Ersatz). Sie hat sich in der Vergangenheit als gute Wahlkämpferin erwiesen, die neben dem persönlichen Engagement auch in der Lage ist, erhebliche finanzielle Mittel bereitzustellen. Auf der SP-Liste sind weiter Grossrätin Lelia Hunziker (Aarau), Leona Klopfenstein (Aarau) und Alime Köseciogullari (Lenzburg). Von diesen drei Frauen wird Lelia Hunziker am ehesten noch ein vorderer Ersatzplatz zugetraut.

Bei den Grünen tritt Irène Kälin (ex Lenzburg) wieder an. Weitere Kandidaten für den Fall eines zweiten Sitzes: Mirjam Kosch (Aarau), Grossrat Severin Lüscher (Schöftland), Maurus Kaufmann (Seon), Daniel Ballmer (Aarau).

Drei Lenzburger bei der CVP

Die CVP hofft auf ein zweites Mandat. In der Region Aargau West hat sie traditionell einen schweren Stand. Dennoch sind auf ihrer Liste drei Kandidaten aus dem Bezirk Lenzburg: Grossrätin Sabine Sutter-Suter (Lenzburg), Christina Bachmann-Roth (Lenzburg) und Oliver Hunziker (Lenzburg). Zudem aus dem Bezirk Kulm Isabell Landolfo (Beinwil am See). Aus dem Bezirk Aarau präsentiert die CVP keinen Kandidaten.

Zweiter Sitz für Grünliberale?

Bei den Grünliberalen dürfte alles davon abhängen, ob sie neben Beat Flach (Auenstein) dank des aktuellen Rückenwindes und allenfalls einer guten Listenverbindung einen zweiten Sitz machen werden: In aussichtsreicher Position wäre Grossrätin Barbara Portmann (Lenzburg). Sie schaffte es 2015 auf den zweiten Ersatzplatz. Und Matthias Betsche (Möriken-Wildegg), Präsident von Pro Natura. Weitere Kandidaten aus der Region: Grossrat Adrian Bircher (Aarau), Philippe Kühni (Aarau), Chantal Toker (Lenzburg).

Und die BDP? Sollte sie ihren Sitz verteidigen können, bestünde die Chance, dass Bernhard Guhl während der Legislatur zurücktritt und Maya Bally Frehner (Hendschiken) nachrutscht.