Aarau

Wer erinnert sich an diese Schlägerei? Opfer und Angeklagter machen dem Richter die Arbeit schwer

Was hat sich genau zugetragen? Die Beteiligten an der Schlägerei von November 2018 in der Region Aarau erzählen vor Gericht unterschiedliche Versionen. (Symbolbild)

Was hat sich genau zugetragen? Die Beteiligten an der Schlägerei von November 2018 in der Region Aarau erzählen vor Gericht unterschiedliche Versionen. (Symbolbild)

Wirre Aussagen vonseiten des Opfers und kaum Einsicht von seiten des Angeklagten: Die Beteiligten an einer Schlägerei von November 2018 in der Region Aarau erzählen vor Gericht unterschiedliche Versionen.

Irgendwas Grobes muss sich zugetragen haben in jener Freitagnacht im November 2018, in einer Gemeinde der Region Aarau. Jedenfalls gab es eine kaputte Taxischeibe, Schäden am Haus, Blutspuren, durch einen Spitalbericht dokumentierte Verletzungen beim Opfer. Aber was war passiert?

Das war Gegenstand einer Gerichtsverhandlung vor Bezirksgericht Aarau. Angeklagt wegen Raufhandels: Besim (alle Namen geändert). Er soll zusammen mit Mittätern, deren Verfahren separat geführt wird, auf das Opfer Farid eingeschlagen haben. So erzählt es jedenfalls Farid.

Doch das Opfer selber soll den Streit angefangen haben, indem er zwei Frauen geschubst und getreten habe. Auch gegen Farid läuft ein Verfahren. Besim jedenfalls hatte den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft, der ihn zu Busse und einer bedingten Geldstrafe verurteilen sollte, angefochten.

Die erste Zeugin, blond und aus dem Osten Europas, zeigte ausgesprochen wenig Lust, sich zu äussern. Sie sei betrunken gewesen und wisse nichts mehr, und überhaupt, das sei ja alles schon lange her. Erinnern mochte sie sich noch, dass das Opfer die Fensterscheibe des Taxis, das sie abholte, mit einer Flasche eingeschlagen habe.

Das Opfer änderte seine Version der Geschichte von der Ersteinvernahme bis zur Gerichtsverhandlung mehrere Male. Dass er verprügelt wurde, ist durch den Spitalbericht und die Spurenlage vor Ort erstellt. Aber von wem? Besim? Der habe ihm Geld angeboten, sagte Farid, wenn er vor Gericht lüge.

Besim, der neben seinem Anwalt auf der Anklagebank sass, betonte via Dolmetscherin, er sei zwar mit den Frauen vor dem Haus gestanden, wo der Angriff passiert sein soll, aber noch vor der offensichtlichen Eskalation sei er weggegangen und erst wiedergekommen, als der alkoholisierte und bereits verprügelte Farid mit der Pfanne auf Besims Geschäftshaus einschlug. Als Gerichtspräsident Andreas Schöb dem Beschuldigten Fotos des Tatorts zeigte und fragte, wie er sich denn das viele Blut erkläre, wurde Besims Gesicht zwar immer roter, er wollte dennoch von nichts gewusst haben.

Auch zum separaten Verfahren durch die Spielbankkommission, das gegen Besim läuft, sagte dieser: «Ich habe nichts falsch gemacht.» Und woher kommt das Geld für die zwei mindestens mittelklassigen Autos, wo Besim doch nach eigenen Angaben nichts verdiene? «Das habe ich mitgebracht, als ich in die Schweiz kam.»

Kurz: Der Angeklagte hat auf alles eine Antwort, das Opfer wechselt seine Geschichte nach Belieben und die Zeugin war entweder tatsächlich zu betrunken oder möchte sich nicht erinnern. Helfen könnte die zweite Zeugin, Nicole. Zumindest verspricht dies das Protokoll der Einvernahme. Aber Nicole ist kürzlich verstorben.

Und das führte schliesslich dazu, dass Gerichtspräsident Schöb den Beschuldigten freisprach. Nicoles Aussagen seien nicht verwertbar, weil sie an der Verhandlung nicht mehr befragt werden könne – die Rechte des Beschuldigten würden damit nicht gewahrt. «Es gab eine Schlägerei», sagte Schöb. «Wer beteiligt war, weiss ich einfach nicht.»

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