Das ging rasch: Vor einem halben Jahr haben in Aarau Einwohnerratsmitglieder von SP, Grünen, CVP, Pro Aarau und EVP das Postulat «Übertragung von Aufgaben an die Kreisschule Aarau-Buchs» eingereicht. In Buchs wurde ein ganz ähnliches Begehren von Marius Fedeli (SP) an den Gemeinderat herangetragen. Die Kernanliegen: Man möge doch die Tagesstruktur-Angebote, die heute in jeder Gemeinde individuell organisiert sind, in die Kreisschule Aarau-Buchs (KSAB) integrieren. Und danach solle die Kreisschule prüfen, ob eine öffentliche Tagesschule – also Unterricht plus ganztägige Betreuung – eingeführt werden soll.

Der Stadtrat Aarau, der Gemeinderat Buchs und die Kreisschulpflege sind bereits zusammengesessen und haben die Sache besprochen. Und man ist sich weitgehend einig, dass die Übertragung der Tagesstruktur-Organisation an die Kreisschule eine erstrebenswerte Sache ist.

Tagesschule oder Hort?

Was das Thema «Tagesschule» betrifft, übt sich zumindest der Stadtrat Aarau in seiner Botschaft in Zurückhaltung: «Der Stadtrat sieht in der Einführung einer Tagesschule eine mögliche Organisationsform für die schulergänzende Kinderbetreuung. Er erachtet es aber aufgrund der möglichen Auswirkungen einer Neuorganisation als unabdingbar, ergebnisoffener ins Projekt zu steigen.» Mit anderen Worten: Zuerst sollen die Bedürfnisse aller Anspruchsgruppen abgeklärt werden, erst danach wird entschieden, wie die schulergänzende Kinderbetreuung künftig aussehen soll. Die zuständige Stadträtin Franziska Graf sagt auf Anfrage der AZ, dass es sicher nicht nur Tagesschule geben werde. «Der Besuch einer Tagesschule wäre freiwillig.» Ansonsten bräuchte es eine kantonale Gesetzesänderung.

Der Stadtrat Aarau und der Gemeinderat Buchs beantragen nun bei den jeweiligen Einwohnerräten, die Postulate zu überweisen. Und sie stellen diesen auch gleich einen Kreditantrag zur Seite, was eher ungewöhnlich ist: 250 000 Franken sollen die Abklärungen für das «gemeinsame Projekt zur Neuorganisation» der Tagesstrukturen kosten. Davon soll Aarau 176 400 Franken zahlen, Buchs 73 600 Franken. Für Buchs ist das immerhin ein halbes Steuerprozent – nicht auszuschliessen, das dies in der Einwohnerratssitzung (3. April) noch zu reden geben wird.

«Der Verpflichtungskredit fällt aufgrund der einberechneten schulinternen Ressourcen vergleichsweise hoch aus», schreibt denn auch der Aarauer Stadtrat. Die Ressourcen der Kreisschule und der Stadtverwaltung seien aber bereits ausgelastet, die Sektion Organisation und Strategie, welche die Projektleitung übernehmen soll, könne dies «nicht im Rahmen der bestehenden Ressourcen» tun. Alleine für diese Projektleitung (30 Stellenprozente für 30 Monate) sind 120 000 Franken vorgesehen.

Die Abklärungen sind aufwendig: «In der ersten Phase werden die Bedürfnisse im Rahmen von Grossgruppenworkshops abgeholt und thematisiert», heisst es in der Aarauer Botschaft. «Zur Unterstützung der Projektleitung soll eine entsprechende Begleitgruppe mit verschiedenen Wissensträgerinnen und Wissensträgern eingesetzt werden.» In einem zweiten Projektschritt sollen Fachgruppen die verschiedenen Themenbereichen prüfen und ausarbeiten. «Im dritten und letzten Schritt soll wiederum eine Begleitgruppe zur Vorbereitung der Umsetzung eingesetzt werden.» Die Abklärungsphase soll noch in die laufende Legislatur fallen, die allfällige Umsetzung in die nächste (2022–2025).

Nur, wenn beide Einwohnerräte Ja sagen, kann die Neuorganisation der Tagesstrukturen – unter Federführung der Gemeinden, aber zusammen mit der Kreisschule – angegangen werden. Am Ende braucht es wieder einen Einwohnerrats- sowie einen Kreisschulratsbeschluss, damit die Zuständigkeit für die Tagesstrukturen in die Kreisschule übergehen könnte. Wie es danach weitergeht und ob das Volk an irgendeiner Stelle noch an die Urne muss, ist im Moment noch nicht absehbar, weil dies von den auszuarbeitenden Szenarien und insbesondere deren Kosten abhängt.

Heute gibt es in Aarau Mittagstisch-Angebote. Essen einige Kinder künftig in der Tagesschule?

Heute gibt es in Aarau Mittagstisch-Angebote. Essen einige Kinder künftig in der Tagesschule?

Tagesschul-Diskussionen im Osten

Die Befürworter einer öffentlichen Tagesschule in Aarau oder Buchs können also grundsätzlich einen ersten Erfolg verbuchen. Während die Notwendigkeit respektive die Nachfrage vor einigen Jahren vom Stadtrat noch negiert wurde («Die klassische Tagesschule ist ein starres und nicht mehr zeitgemässes Modell», hiess es 2006), wird sie nun wenigstens nicht mehr ausgeschlossen.

Übrigens auch andernorts: In Wettingen haben Schulpflege und Gemeinderat den Aufbau einer Tagesschule in Angriff genommen. Und in Baden, wo im Schulhaus Ländli schon in den 1990er-Jahren die erste öffentliche Tagesschule im Kanton implementiert wurde, spricht man über eine zweite im Quartier Rütihof.