Analyse

Wer am 20. Oktober heimlich hofft

Urs Helbling
Mehrere Aargauer Politiker dürften am 20. Oktober den Sprung in den Grossen Rat schaffen – im Windschatten der nationalen Wahlen.

Mehrere Aargauer Politiker dürften am 20. Oktober den Sprung in den Grossen Rat schaffen – im Windschatten der nationalen Wahlen.

Die eidgenössischen Wahlen werden auch für das Kantonsparlament Konsequenzen haben. Es wird neue Grossräte geben.

Wer als Grossrat in den Nationalrat gewählt wird, tritt in der Regel umgehend aus dem Kantonsparlament zurück (der freisinnige Matthias Jauslin war vor vier Jahren die grosse Ausnahme).

Dem 20. Oktober fiebern darum nicht nur Leute entgegen, die gute Chancen haben, den Sprung nach Bern zu schaffen, sondern auch all diejenigen, denen es im Windschatten der Gewählten nach Aarau reichen könnte – weil sie auf den Grossratslisten auf dem Ersatzplatz sind.

Wer jetzt nachrutscht, kann im Herbst 2020 als «Bisheriger» in den Grossrats-Wahlkampf ziehen, was ein grosser Vorteil wäre.

Am einfachsten ist die Ausganglage bei den Sozialdemokraten. Dort hat Grossrätin Gabriela Suter (47, Aarau) gute Chancen, Nationalrätin zu werden – unter anderem, weil die SP gemäss der AZ-Umfrage (Zeitung vom letzten Freitag) ihr drittes Mandat zurückerobern dürfte.

Aktuell ist Silvia Dell’Aquila (43, Aarau) erste Ersatzfrau. Die Soziologin arbeitet als Regionalleiterin der Gewerkschaft VPOD. Sie hatte es mit der Stadt-SP nicht einfach, als sie 2017 nicht als Stadtratskandidatin nominiert worden war und anschliessend wild kandidierte.

Bei den Freisinnigen könnten es die Grossräte Maja Riniker (41, Suhr) oder Lukas Pfisterer (46, Aarau) in den Nationalrat schaffen. Als besonders fleissiger Wahlkämpfer hat sich Yannick Berner (27, Aarau) profiliert.

Sollte ihm die Sensation gelingen, wäre das für die Grossrats-Frage nicht von Bedeutung, weil Berner nicht dem Kantonsparlament angehört. Eine Nationalrats-Wahl von einem der beiden Aarauer FDP-Grossräte würde der Aarauer Stadträtin Suzanne Marclay-Merz (46) das Nachrutschen in den Grossrat ermöglichen (sie kandidiert auch für den Nationalrat, hat dort Aussenseiterchancen).

Dank Suzanne Marclay-Merz wäre der Stadtrat wieder im Kantonsparlament vertreten (Franziska Graf, 48, ist vor einem Jahr zurückgetreten).

Würde bei der FDP Nationalrats- und Regierungsratskandidatin Jeanine Glarner (35, Möriken-Wildegg) eine der beiden Wahlen schaffen, würde sich darüber der Lenzburger Stadtrat Martin Steinmann (63) besonders freuen: Er ist auf der FDP-Liste aktuell 1. Ersatz. Zweiter Ersatz wäre Pascal Johner (49, Rupperswil).

In der AZ-Region Aargau West ist bei der SVP Alois Huber (57, Möriken-Wildegg) in der Poleposition für den Sprung ins eidgenössische Parlament. Dank seiner Wahl könnte Jacqueline Felder (50, Boniswil) nachrutschen.

Auf dem zweiten Ersatzplatz ist Michelle Rütti (34, Meisterschwanden). Intakte Nationalrats-Chancen hat bei der SVP auch Grossrat Clemens Hochreuter (38, Erlinsbach). Ob der 2016 abgewählte Wolfgang Schibler (70, Buchs) nachrutschen würde? Auf dem zweiten Ersatzplatz ist Andreas Wehrli (51, Küttigen), der Zwillingsbruder von Grossrat Daniel Wehrli.

Bei den Grünliberalen würde Chantal Toker (46, Lenzburg) von einer Wahl von Barbara Portmann (44, Lenzburg) profitieren, bei der CVP wäre Oliver Hunziker (54, Lenzburg) erster Ersatz im Falle einer überraschenden Wahl von Sabine Sutter-Suter (55, Lenzburg).

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Urs Helbling

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