Bei der Rückkehr an die Uferpromenade wird deutlich, wie empfindlich das eigene Gehör nach der neunzig Minuten langen Fahrt auf dem Weidling geworden ist.

Die laute Musik, die aus einem Lautsprecher dröhnt, um den sich eine Gruppe Jugendlicher gesammelt hat, ist im ersten Moment nur schwer zu ertragen.

Zu wuchtig, zu dicht und zu mechanisch mutet die moderne Popmusik an im Vergleich zu dem von der Natur inspirierten Klang- und Gesangserlebnis, das man während der Bootsfahrt geniessen durfte.

Vorgestern Abend um halb neun Uhr konnte das Publikum von flussaufwärts, einem ungewöhnlichen, äusserst spannenden Kunstprojekt von Anna Byland und Jeannine Hangartner, die vier Weidlinge des Wassersportvereins Aarau besteigen. Mit an Bord begab sich die Sängerin und Autorin Isa Wiss.

Flussfahrten mit eigenem Reiz

Für Organisatorin Anna Byland haben die Flussfahrten ihren ganz eigenen Reiz. «Jeder Abend gestaltet sich anders, aber jeder Abend ist in seiner Weise sehr berührend.»

Bis jetzt habe diese spezielle Kombination aus Tönen, Klängen und Stimmen, die in Bezug gesetzt werden zum Geschehen auf dem Wasser, immer gut funktioniert. «Wir haben schon viele tolle Abende erlebt mit Künstlern, die viel ausprobiert und experimentiert haben», sagt Anna Byland.

Experimentierfreudig zeigte sich auch Isa Wiss. Nahtlos ging die Stimmung der Flussfahrt in einer ersten Phase in ihren Gesang ein, wobei sogleich mit jeglichen Erwartungen und Konventionen gebrochen wurde.

Knarr- und Knatterlaute folgten auf eine Art melodiöses Gefluche in einer Fantasiesprache. Kaum mehr hörbares Geflüster wurde von lauten Rufen abgelöst.

Atmosphärisches Rauschen schien die grösser werdende Distanz zur Stadt zu vermitteln.

Gerade weil sich der Gesang nach keinen musikalischen Parametern richtete, wurden unzählige Assoziationsräume eröffnet.

Die Stimme von Isa Wiss ist in ihrer Unberechenbarkeit mit einem ekstatisch eruptierenden Vulkan zu vergleichen, mit einem spuckenden Schlund.

Es schwingen Untertöne mit

In der Stimme schwingen nicht die Obertöne mit, viel mehr sind es Untertöne. Töne mit einer Verbindung zum Unterbewussten, zu etwas nicht Gewusstem.

Als wären hinter der Stimme viele kleine Geheimnisse versteckt, deren fragende Schatten das Blickfeld irritieren.

Die Mitwirkung beim Projekt flussaufwärts stellte auch für Isa Wiss eine besondere Herausforderung dar. «Ich habe so etwas noch nie gemacht, aber es war eine super Erfahrung», sagte Wiss, nachdem die Weidlinge wieder bei der Uferpromenade angelegt hatten. «Meine Darbietungen sind schon sehr speziell. Man muss sich darauf einlassen.»

Information: www.flussaufwaerts.ch. – Isa Wiss tritt am 24. August wieder in Aarau auf, zur Premiere des Theaterstücks BlackMagicBullet in der alten Reithalle.