Palliative Care
Wenn der Tod bevorsteht, wird Spiritualität wichtiger

Spiritualität hat Aufschwung. Insbesondere bei schwer kranken und sterbenden Menschen ändern die Prioritäten, und Spiritualität gewinnt an Bedeutung. Dies stellt der kantonale Palliative Care Begleitdienst fest

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Die freiwilligen Palliative-Care-Begleitpersonen unterstützen Familien, die ihre sterbenden Angehörige zu Hause pflegen.

Die freiwilligen Palliative-Care-Begleitpersonen unterstützen Familien, die ihre sterbenden Angehörige zu Hause pflegen.

Keystone

Dies erlebte auch Frau G. und ihr kranker Mann in der Region Lenzburg. Die Stimme der Ehefrau klang kraftlos, als sie sagte: «Ich kann nicht mehr!» Schon so lange hatte sie ihren kranken Mann gepflegt, nebenbei den Haushalt geführt, die betagte Mutter betreut und war ihrer Arbeit nachgegangen. Und doch wollte sie ihrem Mann das Sterben zu Hause ermöglichen.

Sie spannte ein Betreuungsnetz aus Nachbarn, Freunden, Spitex und Onkospitex auf. Eine lückenlose Betreuung war vor allem an den Arbeitstagen von Frau G. wichtig. Dabei kamen die freiwilligen Palliative-Care-Begleitpersonen zum Einsatz. Sie übernahmen auch Nachtwachen, damit die erschöpfte Frau schlafen konnte.

Bei den ersten Besuchen waren noch Gespräche mit Herrn G. möglich. Mithilfe des Rollstuhls konnte er am Küchentisch seine Zigaretten rauchen und dazu einen Kaffee trinken. Mit der Zeit blieb er im Bett. Die Kraft reichte nicht mehr. Auch Gespräche wurden kürzer. Nach Absprache mit dem Kranken wurde am Bett gebetet und gesungen.

«Sind Sie fromm?», fragte der Sterbende eine Begleiterin. «Ich weiss nicht, aber ich bete und singe gerne.» Ein Strahlen erhellte das Gesicht des Mannes und seine Hand berührte die singende Frau. Dann verstummte die Stimme des Mannes, der Atem ging oberflächlich.

Die Begleiterin nahm durch eine sanfte Berührung Kontakt zum Sterbenden auf. Sie blieb am Bett sitzen, betete und sang, dann spielt sie Mundharmonika: «Grosser Gott wir loben Dich» und «Amazing Grace». Bei diesen Klängen schlief Herr G. ruhig ein.

Diese Erfahrung schildert Claire Huwyler, Pflegefachfrau und Leiterin des Begleitdienstes Palliative Care der Reformierten Landeskirche Aargau. Von diesem Begleitdienst werden im Kanton Schwerkranke und Sterbende jährlich während total über 4000 Stunden betreut. Seit 2010 wurden 100 Fachpersonen und 160 Freiwillige ausgebildet.

Im Rahmen der Aktionstage für psychische Gesundheit des Kantons findet heute eine Tagung im Kultur- und Kongresshaus statt, organisiert von der Reformierten Landeskirche Aargau.(az/kus)

«Spiritualität und Quellen der Kraft» heute Donnerstag von 14 bis 20 Uhr im Kultur- und Kongresshaus Aarau. Der Eintritt ist frei.

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