Wenn Landammann Urs Hofmann auf seiner „Café-Cantonal-Tournee" durch alle Bezirke reist, ist kein Referat zu erwarten. Der Regierungspräsident setzt sich an die Tische der jeweiligen Beiz, nicht nur dorthin, wo der Gemeinderat sitzt. Die Wirtleute Elisabeth und Peter Stirnemann - sie präsidiert die Gastro-Regio Aarau - lassen sich nicht lumpen. Bis 19 Uhr sind die Getränke gratis, und das Servierpersonal verteilt Pouletspiessli. „Die haben wohl eine ganze Geflügelfarm gemetzget", meint ein Gast und beisst herzhaft zu.

Der Landammann hat sich gut vorbereitet

Er erinnert sich ans Jägerstübchen, das er in einem WK frequentiert hat. „Das war eine Knelle", sagt Ammann Hans Fellmann. Hofmann hat auch den Roman „Die Wahrsagerin" von Rösly von Kaenel gelesen, 1930 erschienen, der einen Gränicher Gerichtsfall mindestens zum Vorbild hat. Seine Grossmutter, 1887 geboren, habe ihm noch erzählt, wie eine Frau namens Lehner in einem vergitterten Wagen durch die Stadt Aarau zum Gericht, das im städtischen Rathaus getagt habe, geführt worden sei, da sie Mann und Söhne vergiftet haben soll. Giftmischerin. War das um die Jahrhundertwende oder im ersten Weltkrieg?

Urs Hofmann hört schon, wo aktuell der Schuh drückt und was die Bevölkerung bewegt. Beispielsweise die Finanzierung der Pflege und Betreuung betagter Personen. Und er hat dank seiner 92-jährigen Mutter selber Erfahrung, weiss Bescheid über die Kosten, und dass verhindert werden soll, dass alte Leute in der Gemeinde noch betteln müssen, ist unbestritten. Dann geht er an einen anderen Tisch. Es soll nicht heissen, der Hofmann sei den ganzen Abend bei den Räten gesessen. Oder ob er am ersten Tisch, an dem er um halb Sechs Platz genommen hatte, mit dem FDP-Präsidenten, einem Banker und einem Anwalt am Ende mit dem Gränicher Schattenkabinett konferiert habe?

Wohl bald Kampfwahlen

Bereits um 18.45 Uhr legt die „Kapelle Vougas" los mit lüpfigen Weisen mit Schwyzerörgeli und Bass. Urs Hofmann ist einen Tisch weiter gegangen, wo man die Köpfe schon fast konspirativ zusammenstecken muss, um einander zu verstehen. Am Stammtisch des Gemeinderats ist derweil zu erfahren, dass es im Herbst um die Nachfolge der beiden Gemeinderäte Hans Fellmann (SVP) und Judith Baumann (FDP) wohl zu Kampfwahlen kommen werde. Denn die SP möchte ihren vor zwei Jahren verlorenen Sitz zurückerobern. Mindestens eine Frau darfs schon wieder sein. Beides wird Urs Hofmann freuen, wenn er später im Zügli aarauwärts den Abend Revue passieren lässt.