Aarau
Wenn der «Heimetvogel» in der Fremde singt

Der Aarauer Vibrafonist Erich Fischer feierte CD-Taufe mit dem Trio «Hermelin». Die Musiker schöpfen aus dem reichhaltigen Fundus dem schweizerischen und norwegischen Volksliedgut. Sängerin Gry Knudsen ist Norwegerin.

Hubert Keller
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Das Trio Hermelin mit Erich Fischer, Gry Knudsen und Thomas Blättler (v.l.). Kel

Das Trio Hermelin mit Erich Fischer, Gry Knudsen und Thomas Blättler (v.l.). Kel

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CD-Taufe, das Wort passe ihm nicht so recht. Viel lieber sei ihm «CD Release Party», sagt der Aarauer Musiker Erich Fischer. Und eine solche, wenn auch nicht im überschwänglichen Rahmen, wie es das Wort «Party» erwarten liesse, feierte der Vibrafonist am Donnerstagabend im KiFF-Foyer zusammen mit Sängerin Gry Knudsen und Bassist Thomas Blättler.

Das Trio gibt es seit 2004. Im Jahr darauf kam die erste CD heraus, «Anneli». «Heimetvogel», so heisst die neue, ist erst die zweite CD, denn in der Zwischenzeit machte die norwegische Sängerin Babypause und neu stiess Thomas Blättler mit dem Kontrabass zum Trio. Vor anderthalb Jahren setzte eine intensive Arbeit ein, die nun, auf einer silbernen Scheibe gespeichert, «released», erlöst, freigegeben wurde.

Es war ein kleines Publikum, dem das Trio in einem schon fast privaten Rahmen einen wunderschönen Abend bescherte. Das Trio «Hermelin» – «mit dem Tier hat unsere Musik nichts zu tun, aber der Name klingt einfach schön», sagt Fischer – das Trio «Hermelin» schöpft aus dem reichhaltigen Fundus des norwegischen und Schweizer Volksliedgutes. Es bedient sich bei der Volkslieder-Sammlung «Im Röseligarte» von Otto von Greyerz. Dessen Werk, ab 1908 erschienen, prägt die Volksmusikszene bis heute. Auch Stephan Eicher oder Rumpelstilz nahmen Lieder daraus in ihr Repertoire auf.

«Bin i d’Frömdi gange»

«Bin derno i d’Frömdi gange, wo en andere Vogel singt, hani glost, öb us de Heimat mir kein Wind es Liedli singt», heisst es im Lied, das der CD den Namen gab. Die Lieder, seien es schweizerische oder norwegische, erzählen von Liebe, Sehnsucht, Heimat und Heimweh. Gry Knudsen interpretiert sie mit ihrer schönen Stimme ausdrucksstark, ungezuckert klar. Die norwegischen Lieder singen von Fahrenden, die sich nach ihren Liebsten sehnen, genauso wie die Bauernsöhne Helvetiens, die in den Krieg, in die Fremde zogen. Die Lieder sind seelenverwandt. Überraschenderweise sind aber die Schweizer Volkslieder allesamt in Dur, was der meist melancholischen, fast schwermütigen Stimmung nichts abträgt, während die norwegischen in dunklem, weichem Moll erklingen.

Der Aarauer Erich Fischer, Perkussionist, Vibrafonist und virtuoser Jazzer, mischt zusammen mit Bassist Blättler aus Buchs, der vor allem in der Jazzszene musiziert, moderne Spieltechniken und jazzige Improvisationen in die Vorträge. «S’esch mir alles ei Ding» hat Erich Fischer zum Vergnügen des Publikums vom ursprünglichen 2/3-Takt in einen viertaktigen Reggae umgeschrieben.

Gry Knudsen kommt vom klassischen Gesang. Sie hat an der Musikakademie in Oslo und an der Schola Cantorum» in Basel Barockgesang studiert. Sie lebt in Basel und unterrichtet in Rheinfelden.

Die CD ist im Zytglogge Verlag erschienen und in Aarau im Musikgeschäft «Dezibelle» erhältlich. Infos unter www.hermelin-musik.ch

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