Im Rahmen der Aarauer Mendelssohntage luden der deutsche Bass-Bariton Klaus Mertens und der ukrainischen Pianist Volodymyr Lawrynenko zu einem Liederabend, und der war traumhaft schön.

Die beiden Künstler präsentierten einen Spaziergang durch die Entwicklung des Liedes von Johann Sebastian Bach bis zu Felix Mendelssohn, und überraschten das Publikum mit Novitäten.

Unlängst hatte man zwei Bände mit Liedern von Mendelssohn gefunden, die vorher als verschollen galten oder von denen man nicht einmal wusste, dass es sie gab: Trouvaillen erster Güte, wunderbare Musik. Kann man Lieder aus Barock, Klassik und Romantik berührender interpretieren, als es die beiden Musiker getan haben? Kaum.

Martens gestaltete jede Sequenz, liess den Text in der Musik aufleben, erzählte, zeigte Freude und Schmerz. Lawrynenko begleitete sensibel, einfühlsam, nahm jede Regung seines Kollegen auf, schob «Lieder ohne Worte» von Mendelssohn ein und erwies sich auch hier als Meister seines Fachs.

Das Publikum, das den kleinen Saal des KuK Aarau nicht ganz füllte, hörte hingerissen zu, vergass mitunter den Applaus, verzichtete aus Respekt vor Musik und Text manchmal ganz darauf. Zum Schluss gab es stehende Ovationen.

Viele Höhepunkte

Der Liederabend war zweifelsohne einer der Leuchttürme der Mendelssohntage. Aber es gab auch andere Leckerbissen, die man an ungewohnten Orten geniessen konnte. Dazu gehörte Mendelssohns Oktett, im neu eröffneten Stadtmuseum interpretiert vom Leipziger Gewandhaus-Quartett und den Stimmführern der argovia philharmonic.

«Eines meiner Lieblingswerke, und fantastisch gespielt», sagte ein Kenner. Der Solocellist des Aargauer Orchesters hatte es allerdings eilig: «Probe in Bern», erklärte er und machte sich eilenden Schrittes von dannen.

Gitarren tief unter der Erde

Auch der Aufschluss Meyerstollen tief unter dem Bahnhof wurde bespielt, zum Beispiel vom famosen Gitarrentrio der Geschwister Grenacher. Zu einem der Konzerte in den Katakomben hatten es leider nur gerade sieben Zuhörende geschafft.

Dennoch dürfen die Initianten des Festivals, Dieter Wagner und Christian Weidmann, zufrieden sein. Zweieinhalb Tage lang war Aarau eine klingende Stadt, mit abwechslungsreichen Programmen, ganz unterschiedlichen Formationen und breitem Repertoire, in welchem Namensgeber Mendelssohn eine zentrale Rolle spielte.

Orgelwettbewerb

Nicht zu vergessen der Orgelwettbewerb in der Stadtkirche. Die hochkompetente Jury erkürte den Deutschen Nicolas Berndt zum Sieger. Den zweiten Preis erhielt der in Zürich wirkende, 27-jährige Marco Amherd. Ein besonderes Lob verdient auch das sorgsam gestaltete und informative Programmheft.

Es wird sie wieder geben, die Mendelssohntage in Aarau: vom 3. bis 6. November 2016.