Asyl
Wenn Asylbewerber im Keller des Kantonsspitals leben

Der Kanton Aargau hat Mühe alle Asylbewerber unterzubringen. Deshalb greifen die Behörden zu einer brisanten Massnahme: Sie platzieren die Migranten im Kantonsspital Aarau.

Urs Moser
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Die Suche nach zusätzlichen Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber blieb bisher im ganzen Kanton erfolglos. Zusätzliche Plätze wird es aber eher früher als später mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit brauchen. Dafür hält der Kanton ein aufsehenerregendes Notfallszenario bereit: Sind die Aufnahmekapazitäten in den bestehenden Flüchtlingsunterkünften ausgeschöpft, werden neu dem Kanton zugewiesene Asylbewerber zentral im Aarauer Untergrund einquartiert, in der geschützten Operationsstelle des Kantonsspitals.

«Wir sind daran, uns auf eine solche Notfallsituation vorzubereiten, falls zu gegebener Zeit keine Alternativen zur Verfügung stehen», bestätigt Balz Bruder, Kommunikationschef des Departements Gesundheit und Soziales. Wie Tele M1 gestern berichtete, könnte in der unterirdischen Spitalanlage «eine kleine dreistellige Zahl» Asylbewerber untergebracht werden. Dazu gab es auf Anfrage keinen Kommentar. «Wir spekulieren nicht über Zahlen», so Bruder.

Beim Kanton versichert man lediglich, dass die Notunterkunft unter dem Kantonsspital mit Sicherheit so belegt würde, dass sich daraus «keine unverantwortbaren externen Auswirkungen» ergeben. Erklärtes Ziel sei es aber, die geschützte Operationsstelle gar nicht als Asylunterkunft in Betrieb nehmen zu müssen.

Kanton muss nicht um Erlaubnis bitten

Eine fromme Hoffnung. Im Moment sind die rund 50 Asylunterkünfte im ganzen Kanton zu über 90 Prozent belegt. Und bis Ende August hat die Zahl der Flüchtlingszuweisungen an den Aargau bereits 80 Prozent der Zuweisungen des ganzen letzten Jahrs erreicht. Da scheint es so gut wie sicher, dass das Notfallszenario zum Tragen kommen wird. Die Standortwahl bezeichnet man beim Kanton als «ultima ratio». Bis eine neue Asylunterkunft in Betrieb genommen werden kann, brauche es eine Vorlaufzeit von einigen Wochen. Auf das Kantonsspital ist man nicht gekommen, weil man nirgendwo anders angefragt hätte, sondern weil der Kanton hier niemanden um Erlaubnis fragen muss. Wobei: Der Entscheid sei selbstverständlich in Absprache mit der Spitalleitung gefallen, versichert Balz Bruder.

Abgesehen von langwierigen Verfahren in den Gemeinden, die bei einem kurzfristigen Bedarf nicht rechtzeitig abgewickelt werden könnten, erachtet man es beim Kanton nicht als sinnvoll, eine Mehrzahl kleinerer Zivilschutzanlagen für die vorübergehende Unterbringung von Asylbewerbern zu öffnen. Dies auch deshalb, weil die sich oft in unmittelbarer Nähe von Schulen befinden.

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