Hochhaussprengung

«Wenn alles rund läuft, wird keine Scheibe bersten»

Über 100 Personen werden in der Freitagnacht für einen reibungslosen Verlauf der Rockwell-Sprengung in Aarau verantwortlich sein. Da bereits Sprengladungen angebracht wurden, wird das Gebäude rund um die Uhr mit Hunden bewacht.

Um 2 Uhr in der Nacht von nächsten Donnerstag, 7. auf Freitag, 8. März drückt Sprengmeister Walter Weber den berühmten Knopf.

Damit wird 1500 Zündern gleichzeitig der Befehl erteilt, je eine Ladung Sprenggelatine in einem der rund 1400 Bohrlöcher, eine Nitropenta-Sprengschnur oder eine HMX-Hohlladung zu aktivieren.

Insgesamt werden in den nächsten Sekunden gegen 75 Kilo Sprengstoff gezündet.

Die Detonationen sind exakt terminiert. Zuerst werden die Stahlstützen im Unter- und Erdgeschoss sowie im 6. Obergeschoss brechen.

So wird die Statik des 12-stöckigen, 50 Meter hohen Sprecherhauses zerstört und der Hauptbau fällt senkrecht nach unten in sich zusammen.

Wenige Sekunden nach der Sprengung des Hauptbaus werden weitere Ladungen im 2. und 6. Obergeschoss gezündet.

Jetzt kippt auch der Treppenturm in sich zusammen und auf den Schuttberg des Hauptgebäudes.

Zünftiger Chlapf und viel Staub

Ein zünftiger Chlapf ist garantiert. Er wird laut Sprengmeister Walter Weber aber nicht so stark sein, dass man den Knall im halben Kanton Aargau hören kann.

Auch die Druckwelle wird sich nach seinen Berechnungen in Grenzen halten: «Wenn alles läuft wie geplant, werden auch im näheren Umkreis keine Scheiben bersten», sagt Weber.

Und fügt dann an: «Unsere Berechnungen sind sehr exakt, aber es kann immer etwas passieren. Für Notfälle ist ein Glaser anvisiert.»

Die erwarteten Erschütterungen im Einzugsbereich der Sprengung liegen laut Weber deutlich unter den gesetzlich zulässigen Werten. Ausserhalb der Sperrzone würden sie kaum mehr wahrgenommen werden können, sagt er.

Mit der Sprengung fallen rund 5000 Tonnen Masse in sich zusammen.

Der Schuttkegel wird auf einer Fläche von etwa 30 x 30 Metern gegen 15 Meter hoch werden. «Das wird ganz ordentlich stauben», sagt der Sprengmeister.

Auch gegen die unvermeidliche Staubwolke ist vorgesorgt. Sie wird von Geniesoldaten mit mehreren Wasserwerfern bekämpft.

Damit in der Stadt Aarau deswegen nicht das Trinkwasser knapp wird, stehen für den Sprengeinsatz vier Löschwasserbecken mit je 50 Kubikmetern Inhalt bereit.

Über 100 Leute im Einsatz

Damit in der Nacht von Donnerstag auf Freitag mit der Sprengung auch alles klappt, sich keine Unbefugten in den Gefahrenbereich verirren, die Leute in der Gefahrenzone in ihren Häusern bleiben, der Verkehr umgeleitet und die erwartete grosse Zuschauermenge in Zaum gehalten werden kann, stehen über 100 Leute im Einsatz.

50 Soldaten vom Lehrverband Genie und Rettung, 10 Feuerwehrleute, 40 Personen für Absperrung und Sicherheitsdienst, 15 für das Notfallmanagement und 9 Leute von der Sprengequipe.

Weil bereits am Montag mit dem Anbringen der Sprengladungen begonnen worden ist, wird das Gebäude seither rund um die Uhr mit Hunden bewacht. «Ausser uns kommt da bestimmt niemand mehr in die Nähe», ist Walter Weber überzeugt.

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