«aarau info»

Wenn Aarau draufsteht, wird’s gekauft

Danièle Turkier und Agnes Henz (rechts) vom Tourismusbüro aarau info in Aarau

Danièle Turkier und Agnes Henz (rechts) vom Tourismusbüro aarau info in Aarau

Die Führungen sind für das Tourismusbüro «aarau info» ein sicherer Wert – gewachsen ist die Nachfrage nach Aarau-Produkten.

Liebe geht durch den Magen. Das gilt anscheinend auch für Städte. Denn was sich essen und trinken lässt und einen Aarau-Schriftzug trägt, verkauft sich ausgesprochen gut. Das hat das Team des Tourismusbüros «aarau info» an der Metzgergasse letztes Jahr deutlich gespürt. Das neu aufgebaute Sortiment mit Aarauer Geschenkartikeln – Honig, Teigwaren, Senf, Bier, Backwaren, Würste, Honigwein – laufe viel besser, als erwartet, sagt Geschäftsführerin Danièle Turkier. «Im Dezember waren wir zeitweise sogar ausverkauft.»

Auf die grosse Nachfrage hat das Tourismusbüro reagiert: Nebst Lebensmitteln gibt es neu auch Stifte mit Aarau-Skyline und ein grosses Postkartenangebot, für die angefressenen Fans gibt es sogar Aarau-Kleber fürs Autoheck.

9800 Personen liessen sich durch Aarau führen

Der erfolgreichste Bereich von «aarau info» sind und bleiben aber die Führungen. Und hier zeigte die Tendenz 2019 nach einem Taucher im Vorjahr wieder nach oben: 780 Führungen wurden durchgeführt, besucht von 9800 Personen (2018 waren es 720 Führungen).

Spitzenreiter mit 476 Führungen war der Klassiker, der Stadtrundgang. «Gleichzeitig spüren wir eine stete Steigerung der Nachfrage bei Themenführungen», sagt Agnes Henz, zuständig für das 14-köpfige Führungsteam. Die mittelalterlichen Führungen mit Stadtwächter und Magd beispielsweise, die Industrieführung oder die Frauenführung. Selbst die «Bestatter»-Führung wird noch oft gebucht, obwohl die TV-Serie nicht mehr läuft.

Die Führungen fordern vom Führungs-Team viel Flexibilität. Nicht nur, weil die Kundschaft immer häufiger eine massgeschneiderte Führung statt einer «von der Stange» wünscht. Sondern auch, weil die Nachfrage von Monat zu Monat schwankt. «Während im normalerweise gut ausgelasteten Juni wegen des Eidgenössischen Turnfestes die Buchungen völlig einbrachen, hatten wir im September 140 Führungen, manchmal bis zu acht pro Tag», sagt Agnes Henz.

Spürbarer Wegfall des ÖV-Ticketverkaufs

Während die Zahl der Führungen stieg, sank die der Beratungen im Büro an der Metzgergasse, von 15000 auf 13500. «Das entspricht einem Rückgang von zehn Prozent, damit mussten wir wegen des Wegfalls des Ticket-Verkaufs für den ÖV rechnen», sagt Danièle Turkier. 2019 erstmals gezählt wurden die telefonischen Beratungen: 6300 Anrufe gingen insgesamt ein.

Dieses Jahr will das Team von «aarau info» weiter an den Zahlen schrauben. «Wir haben bei den Führungen das Potenzial noch nicht ausgeschöpft», sagt Agnes Henz. Bereits sind neue Spezialführungen gesetzt: die Valentinstagführung (bereits ausgebucht), die spezielle und letztes Jahr sehr erfolgreich durchgeführte Frauenführung «über Frauen – heute nur für Frauen» am internationalen Frauentag (am 8. März, dieses Jahr zum Thema Industrialisierung) und eine Brückenführung (am 22.Februar), passend zum Pont-Neuf-Bau. «Das werden wir künftig noch vermehrt tun: Auf aktuelle Anlässe aufspringen und die passenden Führungen dazu anbieten», sagt Agnes Henz. Dazu werden spezifische interne und externe Weiterbildungen für alle Führpersonen organisiert. «Dafür, und um den hohen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden.»

Neu darf man auch ins Säulenhaus

Ganz neu ist die Abmachung mit der Kantonalen Denkmalpflege: Künftig sind Führungen durch das Säulenhaus an der Laurenzenvorstadt möglich. Das Haus, das über Jahrzehnte vom Militär gemietet und unzugänglich war, und seit Dezember 2019 Sitz der Kantonalen Denkmalpflege ist.

Aarau entdecken soll man künftig vermehrt auf eigene Faust und doch geführt: Aktuell wird ein Detektiv-Trail als Freizeitangebot ausgearbeitet, der ab April angeboten wird. Dies als Ergänzung zum Krimi-Trail, der bereits seit Mitte 2019 gebucht werden kann. «Und wir möchten unbedingt mehr Mitglieder für den Verkehrsverein begeistern», sagt Danièle Turkier.

Der Verkehrsverein – er steht hinter «aarau info», wird von Privatmitgliedern, der Stadt Aarau, den umliegenden Gemeinden, Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Gewerbe, Hotellerie und Gastronomie sowie Privatpersonen finanziell und ideell unterstützt.

«Wir haben den Überraschungseffekt»

Keine Freude hatte das Team von «aarau info» Ende Dezember natürlich an der Studie der Uni St.Gallen, wonach Aarau die unbeliebteste Schweizer Stadt sei. Doch statt sich die Wunde zu lecken, sieht Agnes Henz den Vorteil in der vermeintlichen Unbeliebtheit: «Wir haben den Überraschungseffekt auf unserer Seite.»

Viele Auswärtige würden ohne grosse Erwartungen nach Aarau kommen und seien dann positiv überrascht und auch begeistert, erzählt Agnes Henz. «Wir hören auf den Führungen von auswärtigen Besuchern regelmässig, dass Aarau viel schöner sei, als erwartet. Ein schöneres Kompliment kann man Aarau gar nicht machen.»

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