Aarau
Wenn Aarau aufsteigt, dann steigt auch der Puls

Wenn die Aarauer Fussballer den gleichen Einsatz zeigen wie die Teilnehmenden der diesjährigen Neujahrsaktion «Aarau steigt auf», dann steigen sie auf. Trotz garstiger Witterung wird das Programm gnadenlos durchgezogen.

Peter Weingartner
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Die Pfader lassen sich die Lagerfeuerromantik nicht nehmen und trotzen auf dem Turm der katholischen Kirche dem nassen Wetter. wpo

Die Pfader lassen sich die Lagerfeuerromantik nicht nehmen und trotzen auf dem Turm der katholischen Kirche dem nassen Wetter. wpo

Oder wie ein Pfader auf dem Turm der katholischen Kirche sagt: «Ein Lagerfeuer kann man schlecht drinnen machen.» Wer da hinaufsteigt – die enge Treppe zwingt zu Wartezeiten, da ein Kreuzen nur schwer möglich ist – wird mit einem Blick auf die Stadt, den Jura und bis Gösgen verwöhnt. Dazu gibts Glühwein vom Lagerfeuer.

Der Puls steigt

Gemeinsam mit den Aarauern, die Treppen steigen, steigt auch deren Pulsfrequenz. Der Apéro auf der Sternwarte will verdient sein. Markus Ryser und Moritz Suter vom As-
troclub Solaris bringen den Interessierten die Astronomie näher. «Sie lehrt einen Geduld», meint Suter, denn es lasse sich nichts erzwingen. Wenn das Wetter nicht stimmt, passiert der Venustransit unbeobachtet. Die Aarauer Sternwarte habe an Bedeutung verloren, seit das Licht der Stadt – und nicht nur vom Brügglifeld, wenn da ein Match stattfindet – die Sicht ins All beeinträchtigt. Da ist die «Filiale» auf der Nütziweid im Ruedertal geeigneter.

Ballone steigen ins Grau

«Zweieinhalb Kilometer Wolle wurden verstrickt», weiss Susanne Ernst. Sie hat, zusammen mit rund 30 anderen Frauen im Alter zwischen 30 und 93 Jahren – auch im Altersheim wurde gestrickt – Plätzchen gemacht, die zusammen einen Mantel ergeben für die erste Säule des KUK. Ein Zeichen für mehr Zusammenarbeit und Fantasie zum Wohle der Stadt. Farbe in den tristen Nachmittag bringen auch die Ballone, die beim Schlossplatz in die Luft entlassen werden. Der Wind aus West treibt sie ostwärts, und schon bald sind sie den Augen entschwunden. Es sei denn, man weigere sich, den Ballon loszulassen.

Vögel fliegen hoch

Der einen Leid, der andern Chance. «Museumswetter», freut sich Naturama-Direktor Peter Jann. In der Tat: Viele Familien tummeln sich auf den drei Stockwerken des Museums auf der Suche nach den Lösungen für das eigens auf diesen Anlass hin kreierte Quiz. Logisch, dass es da um Vögel geht. Man kann auch Aarau und Umgebung aus der Vogelperspektive erleben und im Naturlabor, angeleitet von der Viertklässlerin Zoé Laroche, unter dem Mikroskop Federn untersuchen.

Grosse thematische Breite

«Hier regnet es, oben schneits», sagt ein Witzbold, der eben aus der höchsten Altstadtwohnung auf die Strasse zurückkommt. «Mega eng», meint ein Knabe zur Wohnung des Türmers im zehnten Stock. Und die Dicke der Mauern! Auch hier entschädigt der Blick auf die Altstadt für die körperliche Anstrengung. Da gibts keinen Lift, und auch die Apérogetränke müssen zu Fuss hochgebracht werden.

Das Motto wurde auch künstlerisch, spirituell und biografisch aufgenommen, was dem Programm eine gross thematische Breite gab, es anderseits verunmöglichte, in zweieinhalb Stunden allen 23 Stationen die Referenz zu erweisen.

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