Aarau

Wenn 30-Jährige sich neu erfinden – Aarauer Band meldet sich zurück

«The Vibes» im Aarauer Butcher’s Pub (v.l.): Matthias Flückiger, Michael Hediger und Daniel «Mojo» Flückiger.Bild: Roman Gaigg/zVg

«The Vibes» im Aarauer Butcher’s Pub (v.l.): Matthias Flückiger, Michael Hediger und Daniel «Mojo» Flückiger.Bild: Roman Gaigg/zVg

Nach längerer Funkstille ist die Aarauer Band «The Vibes» zurück. Mit der Reife wurde auch ihre Musik besser.

Sie waren lange so etwas wie Aaraus angesagteste Rockgruppe: Vor 17 Jahren begann die Saga der lokalen Band «The Vibes». Sie spielten unzählige Konzerte, überall wo sie nur konnten. Man kann sagen, dass sie vor rund zehn Jahren «voll in» waren unter den Jugendlichen der Region. Dann aber klangen die lauten Gitarrenklänge eine Zeit lang ab. Die Musiker sind – wie ihre Fans – älter geworden. Ein neues Rezept musste her, auf die Gefahr hin, dass man sonst altbacken wirkt.

Ganz neu erfinden musste sich die Band zwar nicht – für das sind die beiden Bandleader, die Brüder Daniel «Mojo» und Matthias «Mat» Flückiger mit ihren erst 36 respektive 34 Jahren noch weit vom Altrocker-Status entfernt. Die Musikstücke auf dem neuen Album, das sie diese Woche nach fast fünf Jahren Funkstille veröffentlich haben, zeigen eine gewisse Frische – ohne aber dass man das Gefühl bekommt, die Musiker hätten verzweifelt versucht, besonders neu oder experimentell zu klingen. Genau dies sei denn auch der Vorteil, denn das Alter und die damit einhergehende Reife mit sich bringe. «Wir sind heute grundsätzlich gelassener und abgeklärter. Mit 30 weisst du besser, wer du bist und was du willst», sagt Mat bei einem Treffen im Aarauer Butcher’s Pub, dem zweiten Zuhause der Band, wo auch eine alte Platte von ihnen hängt. Fürs neue Album hätten sie «die Wildheit von früher» hervorgekramt und diese mit ihrer heutigen Reife gepaart. Das Ergebnis: «Das beste Album, das wir je herausgebracht haben», schwärmt Mojo. Dies habe er zwar bei jeder neuen Veröffentlichung gesagt, gibt er humorvoll zu. Doch es treffe nun zu wie noch nie.

«Wenn uns keiner mehr hören will, spielen wir für uns weiter»

Die meisten Bands nehmen ihre Musik stückchenweise auf: zuerst das Schlagzeug, darüber dann weitere Instrumente, zuletzt die Stimme. «The Vibes» aber spielen ihre Lieder grösstenteils in einem Zug live im Studio ein. Sie treffen dann vielleicht nicht immer alle Noten perfekt, die Aufnahmen kommen so aber authentischer oder gar rauer daher – wie sich das zu Rockmusik wohl auch gehört. Dass sie finanziell sowieso nicht von ihrer Musik leben können, habe denn auch etwas Befreiendes. «Wir können kompromissloser unsere Leidenschaft ausleben», sagt Mojo, der beruflich Gibson-Gitarren im Aussendienst vertreibt. «Du musst dir selber treu bleiben, egal ob es anderen nicht gefällt. Wenn uns dann halt keiner mehr hören will, spielen wir einfach in unserem Proberaum weiter.»

Sein Bruder Mat hat einen Doktortitel der ETH und arbeitet als Software Entwickler. Neu in der Band ist der erfahrene Schlagzeuger und Produzent Michael «Hede» Hediger. «The Vibes» spielen Rockmusik in quasi klassischer Formation mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Hammond-Orgel. Beide Brüder singen und schreiben die Stücke. Und auch da wieder gäbe es Unterschiede zu früher: «Mit 30 sah ich Liedtexte nur als Mittel zum Zweck. Jetzt sind sie für mich sehr wichtig», sagt Mojo, worauf Mat ergänzt: «Du singst völlig anders, wenn der Text eine Bedeutung hat.» Das Stück «Outta Time» etwa ist eine Kritik an die Konsumgesellschaft, und der Titelsong des Albums, «The World Is Yours», handelt davon, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen. Alle Texte sind auf Englisch und alle werden immer von einem Muttersprachler gegenlesen.

Analog zu den Toten Hosen: Wir würden nie zum FC Muhen gehen?

Was ist für sie sonst noch so neu mit 30? «Mit 20 willst du die Welt erobern, was ich auch wichtig finde», sagt Mojo. «Mit 30 willst du aber nicht mehr um jeden Preis an jedem Ort spielen. Früher wollte ich das», wobei Konzerte spielen nach wie vor für ihn «das Geilste» sei. Den nächsten Auftritt von «The Vibes» gibt es Morgen Samstag im KiFF – zum 17. Mal in 17 Jahren. Es dürfte die Band sein, die am meisten dort aufgetreten ist. Heute Freitag gibt Mojo noch ein Solo-Konzert im «Böröm Pöm Pöm» in Oberentfelden. Einmal würden die gebürtigen Schöftler Geschwister aber gerne im lokalen «Härdöpfuchäuer» spielen, sagen sie. «Für dort sind wir aber wahrscheinlich zu laut», so Mojo. Und betreffend Schöftland – hier die inoffizielle Geschichte, wie ihre Band begann: Beide Brüder spielten Fussball im SC Schöftland. Als der Verein aber Mojo zum Erzfeind FC Muhen ablösen wollte, habe er empört mit dem Fussballspielen aufgehört. «Dann begann ich halt Bier zu trinken und Rockmusik zu machen», sagt er humorvoll. Und so nahm alles seinen Lauf.

Konzert

The Vibes, No Mute und Lucy Four, Samstag 23.11., 20 Uhr, KIFF Aarau

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