Aarau

Weniger Verkehr im Gönhard, längere Staus an den Knoten

Auch der Aargauerknoten beim Regierungsgebäude ist zu den Spitzenzeiten bereits heute überlastet.

Auch der Aargauerknoten beim Regierungsgebäude ist zu den Spitzenzeiten bereits heute überlastet.

Vor einem Teilfahrverbot im Quartier Gönhard-Goldern sind flankierende Massnahmen nötig, unter anderem eine Lichtsignalanlage beim Kreisel Gais. Dies teilte Frank Rüede, Verkehrsplaner beim Kanton, den Aarauern an einer Orientierungsversammlung mit.

2016 können die Quartierbewohner im Gönhard und Goldern aufatmen. Sobald die Verbindungsspange Buchs Nord (VSBN) in Betrieb genommen und flankierende Massnahmen umgesetzt sind, wird das Teilfahrverbot in den Quartieren zwischen Tramstrasse und Entfelderstrasse eingeführt. Voraussetzung ist aber, dass keine Beschwerden das Verfahren verzögern. Dies gaben die Verkehrsplaner der Stadt und des Kantons, Daniel Rudin und Frank Rüede, am Dienstagabend im Kultur- und Kongresshaus bekannt, als sie rund 60 interessierten Aarauerinnen und Aarauern die komplexen Verkehrsbeziehungen erklärten.

Verkehrsprojekte entsprechen immer unterschiedlichen Ansprüchen und Erwartungen, sagte Stadtpräsidentin Jolanda Urech: «Sie sind immer nur mehr oder weniger gut und nie perfekt.» Wenn die Quartiere Gönhard und Goldern durch ein Teilfahrverbot vom Durchgangsverkehr befreit werden, hat das Auswirkungen auf die Hintere Bahnhofstrasse, auf die Knoten Gais und Rosengarten sowie auf die übergeordneten Kantonsstrassen Tramstrasse und Entfelderstrasse.

Der Anteil des Durchgangsverkehrs im Gönhard wird auf 30 Prozent geschätzt. Die Befürchtung der Quartierbewohner, dass mit den Überbauungen im Torfeld Süd und dem Stadion die Belastungen noch grösser würden, sei verständlich und gerechtfertigt, räumte Stadtrat Werner Schib ein.

Im Jahr 2008 wurde mit dem Quartierverein eine Vereinbarung abgeschlossen, mit der der Stadtrat Massnahmen gegen den Durchgangsverkehr versprach. Im Sommer 2010 verlangte das Bundesgericht vom Stadtrat zu prüfen, ob und wie im lärmgeplagten Gönhard der Schleichverkehr gestoppt werden kann.

Fahrverbot nur grossräumig

Die Stadt ermittelte mit Verkehrsstudien die Auswirkungen eines Teilfahrverbots im Gönhard. Es zeigte sich, dass nur ein grossräumiges Fahrverbot in Frage kommt, wie Werner Schib ausführte. Bei einem kleinräumigen Verbot müssten die Quartierbewohner ausserhalb der Fahrverbotszone grössere Umwege fahren. Auch die Tramstrasse und die Entfelderstrasse würden zusätzlich belastet.

«Dass aber bei einem kleinräumigen Fahrverbot die Zunahme auf den Kantonsstrassen ganze 57 Prozent ausmachen würde, hat uns doch sehr überrascht», sagte Daniel Rudin, Projektleiter Verkehr bei der Stadt. Auch der Verkehr auf der Hinteren Bahnhofstrasse würde sich verdoppeln, Rückstaus bei den Knoten Rosengarten und Gais wären die Folge. Bei einem das ganze Gebiet Gönhard-Goldern umfassenden Fahrverbot wird die zusätzliche Belastung der übergeordneten Strassen auf 8 bis 16 Prozent geschätzt.

Die neuralgischen Punkte sind die Knoten, nebst den erwähnten Rosengarten und Gais auch die Knoten Kreuzplatz und Aargauerplatz. «Sie sind zu den Spitzenzeiten morgens und abends bereits heute überlastet», sagte der Verkehrsplaner des Kantons, Frank Rüede. Mit der Verbindungsspange Buchs Nord, die Ende 2016 in Betrieb gehen soll, wird der Kreisel Gais an seine Grenzen kommen.

«Bevor das Teilfahrverbot in Kraft gesetzt werden kann, braucht es deshalb flankierende Massnahmen», sagte Rüede. «So paradox das tönt, beim Kreisel Gais wird zur Steuerung des Verkehrs eine Lichtsignalanlage installiert.» Ebenso beim Knoten Bavaria, der zu einem Kreisel umgebaut wird. Die Lichtsignalanlage soll auch nach dem Umbau zum Kreisel aufrechterhalten bleiben. Zudem wird, laut Rüede, in der Tramstrasse stadteinwärts bis Knoten Bavaria, vorerst provisorisch, eine Busspur eingerichtet.

Die Staus werden länger

Der Verkehr nimmt zu, die Staus werden an den Eingangstoren der Stadt länger. Dafür sorgt allein die ungebremste Zunahme des Autoverkehrs und der Bevölkerung. «Auch mit einem guten Verkehrsmanagement ist eine staufreie Verkehrsabwicklung nicht möglich», sagte Rüede. Dieses trage aber immerhin dazu bei, den Verkehrsfluss ins besondere für den öffentlichen Busverkehr zu optimieren.

Die städtische Verkehrspolitik verfolge vier Ziele, sagte Rudin: Attraktive und sichere Fussweg- und Veloverbindungen, attraktives und leistungsfähiges öV-Netz, funktionsfähiges und stadtverträgliches System für den motorisierten Individualverkehr und ein optimales Umfeld. Alles unter einen Hut zu bringen, ist, wie das Beispiel Gönhard-Goldern beweist, nicht einfach.

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