Stüsslingen

Wellness oder Cäsar Marc Aurelius – Was kann das Dorf retten?

Gemeindepräsident, Vizepräsident und Archäologe (vorne, von links) begutachten die gefundene Vase. sibylle Haltiner

Gemeindepräsident, Vizepräsident und Archäologe (vorne, von links) begutachten die gefundene Vase. sibylle Haltiner

Die Theatergruppe führt einen Dreiakter auf, in welchem ein Cäsarengrab und eine Beautyfarm für Verwechslungen und Missverständnisse sorgen. Die Laienschauspieler zeigen dabei eine ordentliche Leistung.

«Esch das ruhig!», beschwert sich der Totengräber Kurt Keller (Stephan Wymann), der auf der Bezeichnung «Bestatter» besteht. Er sitzt in der Gaststube im kleinen Provinznest Mühlendorf. Nur der Kuckuck aus der Uhr meldet sich zu Wort, sonst herrscht tote Hose – sowohl in der Beiz wie im Dorf.

Das gibt auch dem Gemeindepräsidenten (Heinz von Arx) und seinem Vize (Franz Kunz), die sich zum Bestatter an den Stammtisch setzen, zu denken. Der Wirt Anton Lussi (Toni Bucher) beschwert sich, dass sich sein Gasthaus nur noch bei Leichenmahlen fülle.

Provinznest als Touristenmagnet

Da kommt das Geheimnis, das der Archäologe Pierre Vincent (Guido Nussbaumer) nach ein paar Gläschen Kräuter ausplaudert, gerade richtig: Er ist auf der Suche nach dem Grab des römischen Cäsaren Marc Aurelius.

Welche Sensation! Mühlendorf wird zum Touristenmagnet, der Gemeindepräsident baut im Geist bereits Carparkplätze. Doch etwas könnte den Aufstieg des Dorfes verhindern.

Der Sohn des Wirtes (Daniel Heer), möchte die Beiz in eine Beautyfarm umwandeln. Die Stammtischler sind allerdings überzeugt, dass es sich dabei um ein anrüchiges Etablissement handle.

Sechsmal wird die Theatergruppe Stüsslingen den Dreiakter «Cäsar und die Beautyfarm» von Andreas Holzmann aufführen. «Das Stück widerspiegelt eine Situation, die auch im richtigen Leben oft vorkommt», erklärte die Regisseurin Brigitte Wyss.

«Wenn nämlich alle einander zuhören würden, wäre es nach den ersten Sätzen bereits fertig.» Da die Figuren aber aneinander vorbeireden, nimmt das Verwirrspiel seinen Lauf, besonders nachdem mondäne Damen aus Zürich im Wirtshaus aufgetaucht sind.

Alltägliche Szenen sind schwierig

Die Regisseurin legt viel Wert darauf, dass die Schauspieler die Szenen auf der Bühne mit Situationen aus dem Leben verbinden. «Sie sollen nicht aufgesetzt spielen, sondern lebhaft und natürlich sein», erklärt sie.

Eine Herausforderung sei beispielsweise die Stammtischszene. «Was man täglich macht oder gut kennt, ist auf der Bühne besonders schwierig zu spielen.» Wichtig ist für Brigitte Wyss, dass die Gefühle weitergelebt werden, auch wenn die Figur gerade nicht spricht.

«Spannend ist auch immer, wie sich die Charaktere entwickeln», meint Wyss. «Sie müssen Tiefe bekommen und können sich im Laufe der Zeit verändern.» So zum Beispiel der Bestatter.

Stephan Wymann, der den Totengräber mit Berufsstolz spielt, beschreibt seine Figur als bodenständig und hemdsärmlig, ein Mann, der sich über die Dorfpolitiker lustig macht.

«Am Anfang haben wir ihn als in sich gekehrt dargestellt, das hat aber im Zusammenspiel mit den anderen Figuren nicht funktioniert.» Wymann findet, der Bestatter sei ein «Knorrli». «Aber ich spiele ihn gerne und es ist ja der Reiz des Theaters, in eine andere Rolle zu schlüpfen.»

Sandra Wyss musste sich in die Rolle der Journalistin Angela Hofstetter einleben. «Sie ist direkt, wissbegierig und geht allem auf den Grund», erzählte die Laiendarstellerin, die sich auf der Bühne gut in ihre Figur einfühlen kann.

Alles kommt anders

Die Proben in der letzten Woche vor der ersten Aufführung werden in Kostümen und mit Maske abgehalten. Die Regisseurin Brigitte Wyss ist sehr zufrieden mit den Leistungen der Laienschauspieler.

«Das Timing ist gut und sie halten den Spannungsbogen aufrecht», lobt sie nach dem ersten Akt. Und worauf können sich die Besucher freuen? «Verbale Schlagabtausche, Verwirrungen und Missverständnisse» verspricht der «Totengräber» Stephan Wymann. Und die Regisseurin verrät: «Es kommt am Schluss völlig anders heraus, als man es am Anfang erwartet.»

Aufführungsdaten: Freitag, 9. Oktober, Samstag, 10. Oktober (je 20 Uhr), Sonntag, 11. Oktober (14 Uhr), Mittwoch, 14. Oktober, Freitag, 16. Oktober, Samstag, 17. Oktober (je 20 Uhr),

Infos und Vorverkauf:

www.theaterstuesslingen.ch

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