Energieversorger

Weil Eniwa schlecht geschäftete, entgehen Aarau Millionen – das sind die Gründe

© SEVERIN BIGLER

Der Energieversorger Eniwa musste Gewinneinbruch auf nur noch 3,9 Mio. Fr. hinnehmen. CEO Hans-Kaspar Scherrer erklärt die Gründe.

Das ist bitter für die 346 Mitarbeitenden (327 Vollzeitstellen) der Eniwa: Obwohl sie grossmehrheitlich gut gearbeitet haben, ist der Gewinn ihres Arbeitgebers eingebrochen. Das ist bitter für die Zehntausenden von Stromkunden in 22 Gemeinden: Obwohl sie für die Elektrizität die weitherum höchsten Tarife zahlen, ist ihr Lieferant nur noch mässig profitabel. Und das ist bitter für alle Aarauer: Weil die Eniwa massiv weniger verdiente, muss sie die Dividende um 64 Prozent kürzen.

Die Stadt bekommt statt 5,7 Millionen nur noch 2,1 Millionen Franken. Das Minus von 3,6 Millionen entspricht fast sechs Steuerprozenten. Und die Stadt wird es beim aktuellen Formstand der Eniwa kaum schaffen, durch den im Herbst 2017 angestossenen Verkauf von 15 Prozent der Aktien (sie hat 95,4%) 50 Millionen Franken einzunehmen.

«Nicht zufrieden»

Die Eniwa erwirtschaftete letztes Jahr nur noch einen Gruppengewinn von 3,9 Millionen Franken. Im Vorjahr waren es 12,8 Millionen Franken – also ein Einbruch um 70 Prozent. Zur Erinnerung: 2014 waren es noch 20 Millionen Gewinn.

Die 802 Eniwa-Aktionäre erhielten gestern keinen dicken Geschäftsbericht mehr, sondern ein Büchlein «Eniwa 2018 kompakt». Darin hat es ein Interview mit CEO Hans-Kaspar Scherrer. Er sagt: «Mit dem Betriebsergebnis können wir nicht zufrieden sein.» In diesem Gespräch und in der gestern publizierten Medienmitteilung werden verschiedene Gründe für den Gewinneinbruch angegeben:

  • Die rekordverdächtige Trockenheit im Sommer habe zu einer geringeren Stromproduktion im eigenen Wasserkraftwerk geführt, heisst es in der Medienmitteilung. «Die Produktionsmenge lag unter dem langjährigen Mittel, jedoch aufgrund der starken ersten Monate 7,4 Prozent über dem Vorjahreswert.»
  • «Der warme Herbst führte zu einem Rückgang der Heizgradtage und somit zum verminderten Strom- und Gasverbrauch der Wärmekunden», heisst es weiter. Der Stromabsatz sank übers Jahr gesehen um 3,7 Prozent, der Gasabsatz reduzierte sich um 6,1 Prozent. «Tiefere Vertriebs- und Verwaltungskosten ermöglichten jedoch ein höheres Ergebnis gegenüber dem Vorjahr», so die Eniwa.
  • Im Geschäftsjahr 2018 stieg der Wärme-/ Kälteabsatz um 11,4 Prozent – was angesichts des stetigen Ausbaus logisch ist.
  • «Im Bereich erneuerbare Energien musste ein negatives Ergebnis hingenommen werden», steht in der Medienmitteilung. Durch die im Juli angekündigte Fusion der Holinger Solar AG mit der Eniwa AG und die per Ende 2018 erfolgte Schliessung des Standorts in Bubendorf BL könnten Kompetenzen gebündelt und Strukturkosten nachhaltig reduziert werden.
  • Von der Konkurrenz immer besonders beachtet wird der Geschäftsgang im Bereich Elektroinstallationen. «Nach mehreren sehr positiven Jahren schloss er 2018 mit einem Umsatzrückgang und einem negativen Ergebnis ab», so die Eniwa. Die Rede ist von verschärftem Margendruck. «Zudem musste im Segment Gewerbebau ein Grossauftrag mit Verlust abgeschlossen werden. Für einen laufenden Auftrag sah sich Eniwa zu einer Verlustrückstellung veranlasst.»
  • Die Eniwa hat 357 Millionen Franken Eigenkapital (Eigenkapitalquote 57,4%, Vorjahr 61,1%). Sie ist also trotz des Rückgangs sehr solide finanziert.
  • In der Vergangenheit hat der Eniwa häufig das Finanzergebnis geholfen. Doch im letzten Quartal 2018 stürzte die Börse ab. Statt eines Plus von 2,8 (im Vorjahr) gabs ein Minus von 3,3 Millionen Franken. Die Börse hat sich zwischenzeitlich erfreulicherweise wieder etwas erholt.
  • Im Interview erklärt CEO Scherer, der Neubau und die noch leerstehenden Mietflächen hätten das Ergebnis belastet. In der konsolidierten Erfolgsrechnung fällt ein «Betriebsfremdes Ergebnis» von minus 422 00 Franken auf. Auf Nachfrage schreibt dazu Verwaltungsratspräsident Beat Huber: «Hierbei handelt es sich um das Ergebnis aus den betriebsfremden Liegenschaften, insbesondere die Liegenschaften an der Erlinsbacherstrasse sowie der ehemalige Hauptsitz an der Oberen Vorstadt.» Das bedeutet: Wegen der Leerstände in den Gebäuden, aus denen die Eniwa ausgezogen ist, gingen mehrere hunderttausend Franken verloren.
  • Huber äussert sich auch noch einmal zu den Steuerverlusten, die die Hauptaktionärin, die Stadt, wegen der Verlegung des Hauptsitzes nach Buchs hinnehmen musste: «Für die Steuerbelastung wendet die Steuerverwaltung einen Verteilschlüssel an, welcher sich grösstenteils nach dem Umsatz und dem Anlagenwert pro Versorgungsgemeinde richtet. Nur ein kleiner Vorabanteil der Steuerlast verschiebt sich zugunsten der Gemeinde Buchs – im tiefen fünfstelligen Bereich.»

Verwandtes Thema:

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

Meistgesehen

Artboard 1