Aarau
Wegen Torfeld Nord: Der Bau der lang ersehnten Velobrücke verzögert sich

Das Projekt wird vielleicht endlich im Herbst präsentiert werden können. Aufgrund eines neuen Gestaltungsplans für das Torfeld Nord gestaltet sich die Realisierung der Velobrücke schwierig.

Sabine Kuster
Merken
Drucken
Teilen
Der Kreuzplatz und im Hintergrund die Unterführung der Buchserstrasse, über welche die Velobrücke der Bahn entlang führen wird. Kel

Der Kreuzplatz und im Hintergrund die Unterführung der Buchserstrasse, über welche die Velobrücke der Bahn entlang führen wird. Kel

Schon in den 90er-Jahren wollte die Stadt Aarau den Velofahrern den Kreuzplatz ersparen. Realisiert ist die Velobrücke vom Bahnhofgelände entlang der Eisenbahnbrücke ins Torfeld Nord noch immer nicht.

Laut Stadtrat Werner Schib kann das Projekt nun «im Idealfall» noch diesen Herbst öffentlich aufgelegt und 2015 gebaut werden. «Aufgrund der Nähe zu den SBB-Gleisen laufen derzeit noch Abklärungen bezüglich der Sicherheit bei den SBB», sagte Schib an der letzten Einwohnerratssitzung. Die Einwohnerräte Therese Dietiker und Markus Hutmacher hatten vom Stadtrat wissen wollen, warum sich das Projekt immer weiter verzögert.

Anschluss an Veloweg ist unklar

Die Brücke selbst ist dabei nicht das Problem, sondern die Anschlussroute im Torfeld Nord zwischen Bahngeleise und Rohrerstrasse. Für dieses liegt ein neuer Gestaltungsplan vor, der Veloweg muss sich darin einfügen. «Aufgrund der betrieblichen Abläufe im Areal kann der Fuss- und Radweg auf einer Parzelle nicht problemlos umgesetzt werden», sagt Stadtrat Schib.

Zudem sei dort die Querung des SBB-Anschlussgeleises für Güterzüge noch nicht abschliessend geregelt. Ein Grundstückbesitzer hatte zudem schon vor drei Jahren verlangt, dass der Veloweg nicht über sein Grundstück geführt wird, weswegen die Radfahrer einen kleinen Umweg fahren müssen. Die Velobrücke wird also wohl bald gebaut werden können, die Erstellung des Anschlusses bleibt ungewiss.

Kreuzplatz ist das Problem

Gefordert wird die Route wegen des Kreuzplatzes. Die jetzige Veloverbindung nach Rohr führt über diesen Verkehrsknoten, den 17 000 bis 30 000 Autos täglich passieren. «Zu den Spitzenstunden ist der Knoten an seiner Kapazitätsgrenze», sagt Schib, deshalb habe der motorisierte Verkehr Priorität. «Für den Fuss- und Radverkehr ist der Kreuzplatz jedoch nicht zwangsläufig unsicher, sondern vor allem unkomfortabel.» Je nach Ziel erfolgt die Querung in bis zu fünf Etappen. Zwar werden Velofahrer von der Rohrerstrasse her kommend via Lichtsignale rasch zum Bahnhofgebiet durchgeschaltet, doch das Einspuren auf die erste Verkehrsinsel ist im konstanten Verkehrsfluss ein Wagnis.

Einwohnerrätin Therese Dietiker gibt zu bedenken, dass nicht alle mutige und geübte Velofahrer seien: «Als wir früher den Kreuzplatz noch mit den Kindern überqueren mussten, war das Horror», sagt Dietiker. Auch ungeübte Erwachsene bekämen dort Angst und machten dadurch Fahrfehler.

Schib sagt dazu: «Kurzfristig lässt sich die Situation am Kreuzplatz für den Fuss- und Radverkehr kaum wesentlich verbessern. Die Stadtpolizei hat aber der städtisch-kantonalen Arbeitsgruppe Kantonsstrassen bereits verschiedene Verbesserungsvorschläge zur Prüfung unterbreitet.» Für eine wesentliche Verbesserung wäre eine Umgestaltung notwendig, die kurzfristig oder übergangsmässig jedoch nicht realisierbar sei.

Langfristig sucht das kantonale Departement Bau, Verkehr und Umwelt eine Alternative zur heutigen Knotenform am Kreuzplatz. Einerseits soll die Leistungsfähigkeit optimiert werden, andererseits soll die städtebauliche Einpassung sowie die Führung des Fuss- und Radverkehrs verbessert werden. «Erste Ansätze, unter anderem mit einem Kreisverkehr auf zwei Ebenen, liegen vor», sagt Schib. Wann und ob eine solche Lösung umgesetzt werden kann, sei unter anderem aufgrund der immensen Kosten und der städtebaulichen Wirkung ungewiss.

Trottoirs nicht freigegeben

Die Trottoirs zum Befahren freigeben will der Stadtrat deswegen jedoch nicht. Auf der Nordseite der Rohrerstrasse und in der Laurenzenvorstadt sei der bestehende Gehweg abschnittsweise lediglich 1,50 bis 2 Meter breit. Dies reiche zum Kreuzen des Radverkehrs mit einem Kinderwagen oder einem Rollstuhl nicht aus. Ausserdem würden die nötigen Sichtzonen vielerorts nicht eingehalten. «Konflikte wären vorprogrammiert», so Schib.

Der Stadtrat verweist auf die bestehenden Velostreifen auf der Fahrbahn der Rohrerstrasse und auf den seit 2010 für Velofahrer freigegebenen Balänenweg. Via diesen können der Kreuzplatz und die Rohrerstrasse umfahren werden. Der Weg wird seither gut genutzt – Rohrer, die täglich zum Bahnhof fahren, wünschen sich jedoch eine direktere Verbindung.