Aarau
Wegen Parkraumkonzept: Rappenspalter parken die Firmenareale zu

Seit in Aarau im September 2010 das neue Parkraumkonzept eingeführt worden ist, weichen Pendler auf Privatgrundstücke aus. Die Polizei kann aber nur dort eingreifen, wo ein richterliches Verbot besteht.

Toni Widmer
Merken
Drucken
Teilen
Parkplatz vor dem AZ Mediencenter an der Neumattstrasse.

Parkplatz vor dem AZ Mediencenter an der Neumattstrasse.

Toni Widmer

Es gibt ein paar wenige Autofahrerinnen und Autofahrer, die sich sogar ein bisschen schämen, wenn sie beim unberechtigten Parkieren auf einem Privatareal erwischt werden. Sie versuchen sich mit hochrotem Kopf irgendwie heraus zu reden: Es hätte halt pressiert oder sie hätten wirklich nicht gesehen, dass es sich hier um einen Firmenparkplatz handle. Die meisten Falschparkierer hingegen lässt es kalt, wenn man sie ertappt: «Hier hat es doch genug freie Plätze, in der Stadt muss ich überall bezahlen oder kann nur eine beschränkte Zeit gratis parkieren», sagen sie. Wenn sie überhaupt etwas sagen. Meist zucken sie lediglich mit den Schultern, steigen ins Auto und fahren davon.

Seit das neue Parkraumkonzept gilt, weichen Pendler in Aarau zum Parkieren offenbar vermehrt auf Privatareale aus. Etwa auf den grossen Parkplatz vor dem AZ Mediencenter an der Neumattstrasse. Dieser ist zwar deutlich als Firmenparkplatz zu erkennen, aber noch nicht mit einem privatrechtlichen Verbot belegt. Regelmässig stellen dort Leute am Morgen ihr Auto hin und holen es am Abend wieder ab.

Rappenspalter, die sich die Gebühren in den Parkhäusern oder auf den Parkfeldern oben in der Stadt sparen wollen, schrecken jedoch auch vor offiziellen Verboten nicht zurück. «Wir beobachten regelmässig Leute, die ihr Auto vor unserem Geschäft abstellen, wenn sie in der Gegend zu tun haben. Manchmal parkieren auch Schüler der benachbarten Berufsschulen bei uns», heisst es im Gartencenter Wyss, das ebenfalls an der Neumattstrasse beheimatet ist. Der Parkplatz ist mit einem richterlichen Parkverbot belegt.

Noch keine vermehrten Anzeigen

Anzeigen wegen unberechtigtem Parkieren werden bei der Stadtpolizei allerdings bisher nicht in vermehrtem Masse registriert: «Wir können eh nur dort eingreifen, wo ein richterliches Verbot besteht. Sonst müssen sich die Grundbesitzer selber helfen», sagt Stadtpolizeichef Daniel Ringier. Bisher seien noch keine entsprechenden Klagen von Privaten bis zu ihm vor gedrungen. Er könne sich aber gut vorstellen, dass Pendler wegen dem neuen Parkraumkonzept nach alternativen Gratis-Lösungen suchen würden: «Das Konzept funktioniert bereits nach wenigen Monaten überraschend gut. Ich persönlich habe mit einer etwas längeren Umsetzungsdauer gerechnet.»

Vor allem aus den Quartieren, sagt Ringier, hätte es dabei einige positive Reaktionen gegeben: «Die Leute finden wieder einen Parkplatz, wenn sie da oder dort rasch etwas erledigen wollen. Früher waren die verfügbaren Plätze meist ganztags von Pendlern belegt.» Wo diese Pendler jetzt ihre Autos abstellen, weiss die Stadtpolizei nicht. Ringier geht davon aus, dass eine rechte Anzahl auf den öffentlichen Verkehr umgestiegen ist und andere sich einen kostenpflichtigen Parkplatz gesucht haben. Auch die Parkhäuser in der Stadt seien gut ausgelastet. Er findet es höchst unsportlich, wenn nun vereinzelt auch auf private Areale ausgewichen wird: «Ich als Stadtpolizeichef bezahle den Parkplatz für mein Privatauto hier in Aarau schon seit Jahren aus dem eigenen Sack.»

Nicht nur Privatareale betroffen

Von den Spar-Parkierern sind offenbar nicht nur Privatareale im Raum Telli betroffen. Das lässt sich zumindest aus den vermehrten Nachfragen nach dem Verfahren für die Anordnung von richterlichen Verboten schliessen, die bei der Stadtpolizei verzeichnet werden. Beim Bezirksgericht Aarau ist davon allerdings noch nichts zu spüren: «Die Anträge bewegen sich im bisherigen Rahmen, Allenfalls kommen diese Anträge noch», sagt Gerichtspräsident Thomas Müller.

Das Verfahren zum richterlichen Parkierungsverbot, erklärt er, sei mit der neuen Strafprozessordnung allerdings deutlich komplizierter und aufwändiger geworden. Unter anderem beträgt die Auflagefrist für eine Verbotsverfügung neu 30 statt wie bisher 20 Tage. Zudem kann nach dem aktuellen Recht auch dann noch Einsprache erhoben werden, wenn die Auflagefrist ungenutzt verstrichen und deshalb bereits eine Verbotstafel aufgestellt worden ist.