Dicke Post für 13 Bewohnerinnen und Bewohner des Pflegezentrums Barmelweid: Ihnen wurde mitgeteilt, sie müssten sich ein neues Zuhause suchen. Grund: Die allgemeinen Pflegebetten werden im Verlauf des nächsten halben Jahres aufgehoben. Die Barmelweid will sich künftig im Pflegezentrum auf die Betreuung demenzerkrankter Patienten konzentrieren. In Erlinsbach gibt das zu reden. Aus dem familiären Umfeld einer betroffenen Person hört man etwa den Vorwurf, die Klinik setze eben lieber auf Demenzkranke, weil es hier mehr Geld zu verdienen gebe.

Zur Erinnerung: Im Juni 2011 wurde das neue Pflegezentrum Barmelweid mit Pauken und Trompeten eingeweiht. 49 Betten auf drei Wohnstationen und ein separates Therapiegeschoss umfasste damals das Zentrum, das im Kindertuberkulosehaus des ehemaligen Sanatoriums Barmelweid eingerichtet wurde. Etwas mehr als 20 Mio. Franken hatte der rund zwei Jahre dauernde Umbau gekostet. Dieser machte den Weg frei für den Umzug der Bewohnerinnen und Bewohner des Erlinsbacher Krankenheims Laurenzenbad auf die Barmelweid. Für sie hiess das: Aus dem schattigen Talgrund hinauf in die sonnige Höhe – mit Sicht auf Aaretal und Alpen.

Pflegebetten-Abbau schon 2015

Doch schon 2015 wurde die Bettenzahl der Pflegezentrum Barmelweid AG «an die Nachfrage nach Pflegeheimplätzen auf der Barmelweid angepasst». Das geht aus dem Jahresbericht 2015 hervor. Die Reduktion der Pflegebetten führte zu einem Rückgang bei den Pflegetagen um 23 Prozent. Das Minus konnte im Aufwand nur teilweise kompensiert werden. In der Jahresrechnung resultierte deshalb ein kleiner Verlust von 39 000 Franken.

Nun geht der Abbau im Pflegebettenbereich einen entscheidenden Schritt weiter: Den Angehörigen der Bewohnerinnen und Bewohner des Pflegezentrums flatterte unlängst ein Schreiben ins Haus, in dem Barmelweid-CEO Beat Stierlin und Pflegezentrumsleiterin Hillevi Zimmerli ankünden, «dass die allgemeinen Pflegebetten in den nächsten sechs Monaten sukzessive in Klinikbetten für geriatrische und internistische Patienten umgewandelt» würden. Die betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner würden noch persönlich informiert, heisst es weiter in dem Schreiben. Und: «Selbstverständlich begleiten wir die Bewohnerinnen und Bewohner und Sie als Angehörige oder Beistandsperson auf der Suche nach einem neuen Zuhause.»

Nachfrage schwankend

Hinauskomplimentiert werden die Bewohnerinnen und Bewohner des Pflegezentrums, weil «die Nachfrage nach Pflegebetten im Kanton Aargau aktuell stark schwankend» ist. Das Pflegezentrum Barmelweid habe mit diesen Schwankungen «und leider auch mit den damit verbundenen finanziell negativen Auswirkungen» zu kämpfen, heisst es im Brief. «Nach eingehender Analyse der Situation haben wir uns entschieden, uns künftig ganz auf das Angebot für demenzerkrankte Bewohnerinnen und Bewohner zu konzentrieren.»

Laut Betriebskonzept zulässig

Im Betriebskonzept, auf dessen Basis der Grosse Rat 2009 den Umbaukredit guthiess, steht: «Der zukünftige Heim-Betrieb richtet sich nach den Bedürfnissen des Markts.» Die aktuelle Eingrenzung der Zielgruppen entspricht diesen Bedürfnissen. Die Nachfrageschwankungen bei den «normalen Pflegefällen» erklärt Barmelweid-Finanzchef Andreas Müller auf Anfrage mit dem steigenden Angebot an Langzeitpflegeplätzen im Aargau – und mit der stagnierenden Nachfrage.

«Die ursprünglichen Planzahlen, die aufgrund der demografischen Entwicklung von einem steigenden Bedarf an Langzeitpflegeplätzen ausgingen, werden vom Kanton laufend nach unten korrigiert.» Umgekehrt sei die Nachfrage nach Plätzen für demenzerkrankte Bewohner nachhaltig vorhanden. «Das Angebot an Plätzen mit spezialisierter Demenzpflege ist in unserer Region nicht so gross wie bei Plätzen ohne diese Spezialisierung.»

Stabile hohe Auslastung als Ziel

Dass demenzerkrankte Patienten für das Pflegezentrum finanziell einträglicher seien, verneint Andreas Müller: «Der zusätzliche Ertrag bei einer spezialisierten Demenzpflege wird durch den höheren Stellenschlüsselbedarf und den grösseren Aufwand kompensiert.» Die konstant hohe Nachfrage in diesem Bereich garantiere aber eher eine stabile hohe Auslastung.

Nach Müllers Angaben leben im Pflegezentrum noch 13 Bewohnerinnen und Bewohner, die nun ein anderes Daheim finden müssen. Sie und ihre Angehörigen oder Beistandspersonen würden auf der Suche nach einer Lösung eng begleitet. Drei Personen konnte bereits eine Lösung im Haus offeriert werden. Die übrigen zehn Personen, sagt Müller, seien alle bereits bei andern Institutionen ihrer Wahl angemeldet und hätten Platz auf den jeweiligen Wartelisten gefunden.