Manchmal hat man als Eltern zu wenig Distanz zum eigenen Kind. Regula Schwab, Mutter aus Küttigen, weiss das. Es passiere auch ihr, sagt sie. «Eltern sein ist etwas Emotionales.» Sie stand am Mittwoch als einzige Vertreterin der Eltern vor rund hundert Schulpflegerinnen und Schulleitern. An der Weiterbildung der Vereinigung aargauischer Schulpflegepräsidentinnen und -präsidenten (VASP) ging es um schwierige Eltern. Beziehungsweise um schwierige Gespräche mit diesen.

Nur wenige Eltern sind mühsam

Eine Herausforderung nicht nur für die Schulpfleger, sondern auch für gestandene Schulleiterinnen wie Denise Widmer aus Suhr. 1250 Kinder gehen an ihre Schule. Das macht 2500 Eltern. Nur sehr wenige, ein Prozent, sei schwierig, sagt sie. Diese aber so sehr, dass sie es als krankhaft einstuft, sagte Widmer und erzählte von Eltern, die einen Anwalt herbeizogen, weil sie das Gipfeli-Essverbot im Kindergarten nicht akzeptieren wollten.

Ein anderer Bagatellfall hätten Eltern bis an den Gerichtshof für Menschenrechte in Strasbourg gezogen. Wie bitte? «Doch», bestätigt Widmer auf Nachfrage, «der Fall ist noch hängig und so heikel, dass ich dazu nichts sagen kann.»

Die Angst kommt einmal pro Jahr

Einmal pro Jahr komme es vor, dass aggressive Eltern sie bis in ihre Träume verfolgten. Dass sie also richtig Angst bekomme, weil sie die nächste Reaktion der Eltern nicht abschätzen könne. Dann holt sie sich Hilfe bei Gerichtspsychiater Josef Sachs von den Psychiatrischen Dienste Aargau.

Den Kopf hat nach solchen Beispielen niemand geschüttelt. Im Gegenteil: Oft wurde genickt. Man kennt solches. Dennoch war in der Aula Gränichen kein Frust zu spüren. Ein Dozent der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), Armin Schmucki, sagte denn auch: «Eltern können drauflos funktionieren. Wir sollten professioneller sein.» Auch wenn man, wenn Eltern mit der Tür ins Haus fallen und «unhaltbare Zustände!» vorwerfen, im ersten Moment am liebsten zurückschlagen möchte. Die Anwesenden lachten leise. Man kennt solches.

Frustration müssen sie aushalten

Was ist die richtige Reaktion? «Es geht darum Zeit zu schinden», sagte Schmucki, «wir müssen wissen, was mit uns passiert.» Und so antworten Schul-Profis dann statt mit der gleichen Heftigkeit («Ihr Kind ist ja auch das Hinterletzte!») gelassen: «Was Sie sagen, überrascht mich.» Und: «Was erwarten Sie von mir?» Denn in den sechs Punkten zur Abfolge eines Elterngesprächs steht im letzten: Frustration aushalten.

Schulleitungen und Schulpflegen haben viel weniger Kontakt mit Eltern als die Lehrer. Aber wenn, dann ist es meist richtig schwierig. Im Podiumsgespräch, das an der VASP-Weiterbildung auf drei Referate folgte, klagte aber auf der Seite der Schulvertreter trotzdem niemand über die Eltern. Es war die Mutter aus Küttigen, die dann sagte: «Ich merke eine höhere Skepsis bei den Eltern gegenüber der Schule. Eltern denken heute oft: ‹Auch wenn er Lehrer ist, hat er doch noch lange keine Ahnung von meinem Kind.›»

Differenzen über «Wohl des Kindes»

Moderator Hans Fahrländer von der Aargauer Zeitung bilanzierte: «Eltern sind pädagogische Laien, aber auf ihr Kind bezogen Experten. Muss man sich als Schulleiter also alles gefallen lassen?» Auf die rhetorische Frage bemerkte Armin Schmucki, er habe auch schon Gespräche abgebrochen, weil die Eltern im Ton total daneben gelegen seien. «Das Verrückte ist», sagte der FHNW-Dozent, «alle sagen, es gehe um das Wohl des Kindes.» Aber über den Weg zum Wohl des Kindes sei man sich eben oft gar nicht einig.