Aarau

Wegen der Hitze: Besucher verschmähen den beliebten Wildpark

Im Wildpark Roggenhausen hat es wegen der hohen Temperaturen zurzeit kaum Besucher. Wie ein Augenschein zeigt, haben es mehrere Familien trotzdem nich bereut, dass sie hergekommen sind.

Auf dem Parkplatz vor dem Aarauer Wildpark Roggenhausen stehen nur ein paar Autos: 17 sind es. Sie kommen aus dem Aargau, den Kantonen Jura, Luzern, Solothurn und Zürich. Zwei sind in Süddeutschland angemeldet. Es ist deshalb leicht, einen Platz im Schatten der Bäume zu finden.

Der Weg zum Wildpark ist menschenleer. In der Ferne hört man, dass am neuen Trassee der Bahnstrecke zwischen Olten und Aarau gebaut wird. Züge fahren vorbei, Autos auch. Das Ganze wird begleitet von Vogelgezwitscher. Sonst nichts. Kirchenglocken vermelden, dass es elf Uhr ist. Ob es sich um die Glocken der Stadtkirche Aarau oder den Kirchen von Erlinsbach oder Schönenwerd handelt, ist nicht auszumachen. Weiter hinten sind Bau-, Bahn und Strassenlärm nicht mehr zu hören.

Ein deutsches Volkslied würde hier gut passen: «Waldeslust! Waldeslust! Oh wie einsam schlägt die Brust! Ihr lieben Vögelein, stimmt eure Lieder ein. Und singt aus voller Brust. Die Waldeslust!» Die Bewohner des schönen Parks, Rehe, Hirsche, Wildschweine ruhen an einem Schattenplatz. Es ist heiss. Das Thermometer übersteigt die 30-Grad-Grenze.

Von Stress keine Spur

Auf dem Spielplatz neben dem Restaurant tummeln sich drei Kinder, beobachtet von den Eltern. Linus fährt Auto,
Selina schaukelt, Julian beobachtet das Geschehen mit eher skeptischem Blick. Die Eltern schauen auf die Uhr: Zeit zum Mittagessen. Sie sammeln die Kinder ein, steigen zur Terrasse des beliebten Ausflugsziels. Die Tische sind leer, zwei sind reserviert. Ein weiteres Paar mit Kind setzt sich an einen Tisch. Bald wird diese Familie zu viert sein. «Können wir das Essen bestellen?» «Bald», sagt Delia Steiner, «ab halb zwölf ist die Küche offen.»

Sie bringt Getränke. Selina quengelt, beruhigt sich aber bald wieder. Endlich stossen weitere Gäste dazu, drei Frauen, ein Teenager und zwei Kleinkinder. Delia Steiner bringt die Speisekarte. Xenia, die etwa Zwölfjährige, studiert sie mit grosser Aufmerksamkeit. «Ich habe etwas gefunden, aber das können nur unter Zehnjährige bestellen», bedauert sie. «Macht nichts, die verlangen sicher keinen Ausweis», beschwichtigt die Mutter. Zwei der drei Familien bestellen das Familienmenü: eine Platte mit 18 Chicken-Nuggets und Pommes frites, dazu eine Schüssel Salat und einen Krug Sirup.

«Die Speisen werden an den Tisch gebracht, die Teller müssen von den Gästen selber angerichtet werden.» So steht es auf der Familienkarte. «Heute sind nicht viele Leute da. Drinnen sitzt noch eine Geburtstagsgesellschaft, und für heute Abend sind ein paar Reservationen reingekommen. Aber die Abendgäste werden eher spät kommen, es ist zu heiss», meint eine Mitarbeiterin. «Möchten Sie noch etwas bestellen?», fragt Delia Steiner. Wenig später bringt sie ein leckeres Hohrückenfilet mit verschiedenen Salaten. Sie lächelt. Von Stress keine Spur. Den kann es zwar geben, aber nicht, wenn nur wenige Gäste da sind. Die hohen Temperaturen scheinen sie nicht zu stören.

Die Eltern am Nebentisch suchen Selina. «Ich zähle bis drei, wenn Du dann nicht das bist, gibt es keine Glace», ruft die Mutter. Bei zwei taucht das kleine Mädchen auf. Glace gerettet. Die reservierten Tische auf der Terrasse sind immer noch verwaist. Auf dem Rückweg zum Parkplatz ist es ruhig wie am Vormittag. Zwei Wanderer sind unterwegs Richtung Restaurant.

Sollte man ihnen empfehlen, sich an einen der hübsch dekorierten Tische zu setzen? Das freundliche und kompetente Roggenhausen-Team hätte mehr Gäste verdient. Aber die werden wieder kommen, es bleibt ja nicht ewig 33 Grad heiss.

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