Eröffnung
Wegen bevorstehenden Schliessungen: Apotheke Gränichen investiert in Arztpraxis

Ab Juli eröffnen Lukas Korner und Roland Borer die «Praxis bim Chorn-Huus», damit das Dorf nach Pensionierungen ärztlich versorgt bleibt.

Daniel Vizentini
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Lukas Korner führt mit Ehefrau Sara die Apotheke.

Lukas Korner führt mit Ehefrau Sara die Apotheke.

Bild: Britta Gut

Erst gerade Anfang Jahr machte die Apotheke Gränichen – die einzige in der über 8250 Einwohner grossen Gemeinde – ihre Expansionsabsichten publik. Nun investiert Miteigentümer Lukas Korner-Wyss in die neue «Praxis bim Chorn-Huus AG» mit. Am Hinterhagweg 2, gleich gegenüber der Mehrzweckhalle, entsteht eine Tochterfiliale des Ärztezentrums Praxamed, die landesweit vierte. Sie wird am 5. Juli in der 1. Etage des Mehrfamilienhauses eröffnet und rollstuhlgängig sein.

Hintergrund ist laut Lukas Korner die bevorstehende Schliessung zweier Praxen in Gränichen: Beim Ärzteehepaar Birgit und Peter Hoessly-Zimmerli sowie bei Arzt Bruno Löpfe kommt es zu altersbedingten Wechseln. «Dabei kam es zu einer Besprechung mit Praxamed. Roland Borer fragte meine Frau und mich, ob wir Interesse an einem Austausch hätten», sagt Lukas Korner. Roland Borer wird Präsident des Verwaltungsrats der neuen Praxis und Lukas Korner dessen Mitglied.

Zu Beginn eine Ärztin plus Personal der Praxis Hoessly

Bei der Eröffnung wird vorläufig eine Ärztin in der neuen Praxis arbeiten: Dr. med. Tsvetomira Rashkova, die heute im Arzthaus Aarau wirkt. «Eventuell werden noch weitere Ärzte folgen», sagt Lukas Korner. Die medizinischen Praxisassistentinnen werden von der Praxis Hoessly-Zimmerli übernommen. Das Ziel ist, ein kleines medizinisches Versorgungszentrum für Gränichen und die Region zu schaffen und so «zu einer guten Grundversorgung in unserem Dorf beitragen».

Auf mögliche Zusammenarbeiten zwischen der bald vergrösserten Apotheke Gränichen und der neuen «Praxis bim Chorn-Huus» angesprochen, sagt Lukas Korner: «Bereits heute haben wir als Apotheke einen guten Draht zu den Hausärzten in unserem Einzugsgebiet.» Mit diesem Projekt betreten beide Parteien aber Neuland. «Wichtig aus unserer Sicht ist das Patientenwohl.» Es gelte, wichtige Schnittstellen zu definieren und anzupacken, «damit sich die ­Patienten gut aufgehoben fühlen und eine gute Therapie erzielt werden kann», sagt er.

Warum mehr Ärztezentren und Kettenapotheken?

Mit der schrittweisen Pensionierung der Babyboomer-Generation werden aktuell auffallend viele klassische Hausarztpraxen im Kanton geschlossen. Um die Lücken zu füllen, entstehen seit Jahren vermehrt kleine Ärztezentren, oft als Ableger einer grösseren Kette. Woran könnte das liegen? «Ich kann nur mutmassen», sagt Lukas Korner und versucht, Parallelen zu den Apotheken zu ziehen. Das Interesse an einer Selbstständigkeit sei einerseits kleiner, da diese mit viel Verantwortung, Risiko und einer enormen Arbeitsbelastung einhergehe. Statt 12-Stunden-Arbeitstage sei eher der Wunsch nach Teilzeitarbeit da, was in einer Gemeinschaftspraxis eher möglich ist.

«In ausserordentlichen Zeiten kann die Last auf verschiedene Schultern verteilt werden»,

sagt er. «Mitarbeiter in Kettenapotheken haben zudem den Vorteil, dass gewisse Arbeiten von der Zentrale übernommen werden und man sich auf das Tagesgeschäft kon- zentrieren kann.» Dazu sei der Know-how-Transfer in einem Verbund grösser, was die Arbeit interessanter machen könnte.