Die IBAarau Wärme AG will in der Telli, unmittelbar neben der Abwasserreinigungsanlage (ARA), ein Fernwärme- beziehungsweise Fernkältenetz realisieren. Die dafür vorgesehene Parzelle an der Neumattstrasse befindet sich im Besitz der Stadt. Der Stadtrat hat sich grundsätzlich bereit erklärt, der IBAarau darauf ein Baurecht für 99 Jahre einzuräumen. Da der Landwert jedoch mehr als 2 Millionen Franken beträgt, muss der Baurechtsvertrag noch vom Einwohnerrat abgesegnet werden. In der Sitzung vom 19. Juni hat der Einwohnerrat über die entsprechende Vorlage zu befinden.

Das Baugesuch für die Energiezentrale Wärme-/Kälteverbund Telli lag vom 20. Januar bis zum 20. Februar öffentlich auf. Einwendungen gingen keine ein. Die IBAarau will in der Telli Grundwasser oder Abwasser aus der ARA mithilfe von Wärmepumpen auf eine zum Heizen nutzbare Temperatur bringen. Das in der ARA produzierte Klärgas soll zu Erdgasqualität aufbereitet und ins Erdgasnetz eingespeist werden. In einem Blockheizkraftwerk könnte es auch in Strom und Wärme umgewandelt werden.

Auf dem Grundstück an der Neumattstrasse kann allerdings nicht beliebig gebaut werden: Es muss Rücksicht genommen werden auf den Gönhardkanal und auf die Kanalisationsleitung (GräSuBu-Ro-Kanal). Und schliesslich ist über das Baurechtsareal auch ein Vernetzungsstreifen für Kleinlebewesen einzurichten.

Quadratmeter zu 380 Franken

Die eingeschränkte Überbaubarkeit der 6584 Quadratmeter grossen Parzelle hat den Stadtrat bewogen, der IBAarau beim Baurechtszins entgegenzukommen. Von einem aktuellen Verkehrswert von 600 Franken pro Quadratmeter ausgehend, gewährt er einen Abschlag um 30 Prozent. Damit senkt der Stadtrat den Landwert von 3,95 Mio. auf 2,77 Mio. Franken. Im Rahmen des Projekts «Energiestadt Aarau» geht er noch einen Schritt weiter und reduziert den Quadratmeterpreis um zusätzliche 40 Franken auf 380 Franken. Zur Erinnerung: Im März hat der Einwohnerrat 2,13 Mio. Franken für die Umsetzung der städtischen Energie und Klimaziele bis zum Jahr 2022 gesprochen. Aus diesem Topf können Projekte im Energiebereich unterstützt werden. Mit den Vergünstigungen ergibt sich ein Landpreis von gut 2,5 Mio. Franken. Der Baurechtszins ist alle zehn Jahre an den Marktwert anzupassen. Er hängt ab vom Zinsfuss der Aargauischen Kantonalbank für Hypothekardarlehen bei Wohnbauten im ersten Rang (aktuell 2,75 Prozent). Zurzeit ergibt sich so ein Baurechtszins von rund 68 800 Franken pro Jahr.

Der Stadtrat beantragt dem Einwohnerrat, er möge den Dienstbarkeitsvertrag zwischen der Einwohnergemeinde Aarau und der IBAarau und einen Bruttokredit von 100 000 Franken genehmigen. Letzteren deshalb, weil bei Sanierungsmassnahmen die Stadt als Grundeigentümerin zum Handkuss kommt. Hintergrund des Ganzen: Im April 1999 wurden auf dem Grundstück 12 000 Kubikmeter Aushubmaterial von der Ostumfahrung deponiert. Das Material gilt als schwach bis wenig belastet: Es enthält Fremdbestandteile wie Ziegelbruchstücke und Holz. Zu prüfen bliebe, wie der Stadtrat in der Vorlage schreibt, ob die Kosten für die Sanierungsmassnahmen auf den Kanton als Urheber der Terrainaufschüttung abgewälzt werden können.