Schöftland

Wasserwirbel-Kraftwerk: Kommen Fische sicher am Rotor vorbei?

Können Fische unversehrt an Wasserwirbel-Kraftwerken vorbeischwimmen? An einem Rotor, der ins Wasser eingelassen ist und sich dank dieser Kraft unablässig dreht und Strom erzeugt?

Man weiss es nicht. Das zumindest sagt Thomas Stucki, Leiter der Sektion Jagd und Fischerei beim Kanton Aargau. Er habe noch nie eine Studie gesehen, die effektiv beweise, dass diese Kraftwerke ungefährlich seien, wurde Stucki gestern im Regionaljournal Aargau-Solothurn von SRF zitiert. Aus diesem Grund hat der Kanton bereits im April des letzten Jahres eine Studie in Auftrag gegeben. Er will prüfen lassen, ob Wasserwirbel-Kraftwerke für Fische gefährlich sind.

Überzeugt, dass die Fische einen Rotor problemlos passieren können, ist indessen Daniel Styger, Präsident der Genossenschaft Wasserwirbel-Kraftwerke (GWWK) Schweiz. Die Genossenschaft betreibt das erste und bislang einzige Wasserwirbelkraftwerk in der Schweiz. Es befindet sich in der Suhre in Schöftland. Die Fische können wählen: Unter dem Rotor hindurchschwimmen, eine Schleuse passieren oder sich im naturnahen Umgehungsgewässer treiben lassen.

Styger verweist auf insgesamt sechs unabhängige Studien, welche die Fischdurchgängigkeit von Wasserwirbel-Kraftwerken bestätigten. Er sagt aber auch, dass in keiner dieser erwähnten Studien die Methode, welche der Kanton nun benütze, angewandt worden sei: «Selbstverständlich führt die Methode des Kantons zu präziseren Daten, - der Kanton will ja auch wissen, wie die Fische in der Suhre wandern.»

Wasserwirbelkraftwerk Schöftland

Wasserwirbelkraftwerk Schöftland

Fische mit Sendern ausgestattet

In seiner aktuellen Studie untersucht der Kanton Aargau die Bewegungen von über 700 Fischen im Umfeld des Kraftwerks. Er hat dafür grosse Fische, kleine Fische, Fische unterschiedlicher Arten mit speziellen Sendern ausgestattet. Die wandernden Fische senden Signale aus, die von Antennen und Registrierstellen oberhalb und unterhalb der Wasserwirbel-Kraftanlage empfangen werden. Sie werden laufend weiter geleitet und können dann ausgewertet werden. «Man muss zeigen können, ob eine Fischpassage funktioniert, ob unterschiedliche Fische am Kraftwerk sowohl stromaufwärts, als auch stromabwärts vorbeischwimmen können», sagt Thomas Stucki. Diese Funktionskontrolle entspreche dem heutigen Standard. Bisher sei sie noch nicht gemacht worden.

Die aktuelle Studie des Kantons prüft gleichzeitig die Fischpassage bei einem anderen Kleinwasserkraftwerk weiter unten in der Suhre. Es handelt sich dabei um eine Archimedes- oder Wasserschnecke. Gemäss Thomas Stucki ist die Studie schon bald abgeschlossen.

Ergebnisse sehnlichst erwartet

Daniel Styger dürfte die Ergebnisse aus dieser jüngsten Studie mit Ungeduld erwarten. Verschiedene Kantone hatten nämlich im Zuge von Renaturierungen bei der Genossenschaft ihr Interesse für Wasserwirbel-Kraftwerke angemeldet. Bevor sie aber Baubewilligungen erteilen, wollen sie abwarten, was die Studie des Kantons Aargau an Resultaten zutage fördert.

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