Horrorfilm

Was Melanie Winiger beim Horror-Dreh alles erdulden muss

Noch bis zum 18. November wird auf dem Schloss Rued der 3-D-Horrorfilm «One Way Trip» gedreht. Was dieCrew alles erdulden und warum das Essen für den Erfolg des Films zentral ist.

Melanie Winiger, im Film Marlene, die Tochter eines Bauern, hüpft sich hinter dem Güllenloch warm, macht Dehnungsübungen. Ihr Double im identischen Gewande tut desgleichen. Sie bereiten sich vor auf eine Kampfszene vor brennender Scheune samt Traktor. Dann die Ankündigung des 1. Regieassistenten Florian Engelhardt: kurz vor Dreh! Jetzt ist Ruhe geboten, und vor Drehbeginn macht die Rätsche deutlich: Jetzt gilts ernst.

Action auf dem Platz zwischen Schloss Rued und einer eigens aufgebauten Scheunenseite, die nun lichterloh zu brennen scheint. Marlene und ihre Gegenspielerin stürzen sich aufeinander, verkrallen sich ineinander. Dann übernimmt das Double.

Flammen lodern

Qualität duldet keine Halbheiten. Die Verantwortlichen visionieren im Aufnahmewagen die Szene, und stimmt etwas nicht, ruft Engelhardt: Reset! Nochmals von vorne. Im Schnitt werden pro Drehtag/Drehnacht zweieinhalb Minuten des Endprodukts gefilmt. Disziplin ist wichtig, die Konzentration hoch. Drei-, viermal lodern Flammen aus dem Scheunendach, und der Traktor brennt. Zwar geht das Feuer aus, wenn der Brennstoff verbrannt ist, doch etwas Löscharbeit bleibt für die Schlossrueder Feuerwehrleute. Heute am Schlauch sind Kommandant Heinz Haller, seine siebte von elf Nächten, und Emilio Flückiger.

Der Horrorfilm, der erste deutschsprachige dreidimensionale (3-D) Film dieser Gattung, spielt eigentlich im Jura, wo der Spitzkegelige Kahlkopf wächst, ein halluzinogener Pilz. Acht junge Menschen suchen und konsumieren diesen. Als auf abgelegener Strasse ein Autoreifen platzt, kommt ein mürrischer Bauer mit seiner Tochter Marlene und einem toten Hirsch vorbei, und der Horror nimmt seinen letztlich letalen Lauf, dies bei einem Bauernhof, für den die Filmer das Schloss Rued und dessen unmittelbare Umgebung ausgesucht haben.

Besucher staunen

Da wird in der Nacht gedreht, von 18 Uhr abends bis 6 Uhr morgens. Kurz nach 19 Uhr gibts eine Zwischenverpflegung, ein Sandwich. Für alle. Heinz Haller und seine Leute haben freigenommen.

Nach einer solchen Filmnacht kann man nicht zur Arbeit. Es wird immer kühler, doch mit dem Wetter habe man Glück gehabt, sagt Simon Hesse, einer der beiden Produzenten der Hesse Greutert Film AG. Just, als die Dreharbeiten im Jura, in den Freibergen, beendet gewesen seien, habe es geschneit.

Heute Abend sind neben den rund 70 Filmschaffenden, die vorab in der Technik und im Hintergrund agieren, vielleicht 20 Personen da, darunter viele Jugendliche, die hinter dem Abschrankungsband zusehen. Larissa, Corina und Michael, Sekundarschüler aus dem Dorf, hat die Neugier zum Schloss hochgetrieben. «Wir wollen mal sehen, wie ein Film gedreht wird», sagt Larissa. Sie zeigen Ausdauer. Worum es im Film geht, wissen sie nicht, wohl aber, dass sie den Film sicher im Kino sehen werden, so er denn im Herbst 2011 im Cinema 8 in Schöftland gezeigt wird.

Bubenfantasien blühen

Die Idee zum Film hatte der zweite Produzent, Valentin Greutert. Er sei vor 15 Jahren auch mal in den Jura gefahren, in die Freiberge, eine «einzigartige Landschaft, die man in Schweizer Filmen noch nie gesehen» habe. Die Gegend und die Pilze: eine gute Basis für eine Horrorgeschichte. Für ihn ist klar: Es gibt nichts Lustigeres, als einen Horrorfilm zu machen. Bubenfantasien, sagt er, und er plädiert für eine aufgeklärte Haltung gegenüber Horrorfilmen: «Die Komödie spielt mit der Freude, der Horrorfilm mit der Angst.»

Sauerkraut dampft

Die Nacht ist lang. Zwischen 23 und 24 Uhr gibts Mitternachtsessen. Die Crew von «Cucina Paradiso» ist, etwas abseits vom Drehort, dafür zuständig. «Der Erfolg eines Films fällt und steht mit der Küche», sagt Simon Hesse, und er denkt da nicht nur an die Laune seiner Angestellten, sondern auch an mögliche Lebensmittelvergiftungen (das wäre der echte Horror), denn ein Drehtag koste 50 000 Franken. Heute gibts Berner Platte: Kartoffeln, Sauerkraut, Bohnen, Blut- und Leberwurst, zur Vorspeise überbackenen Cicorino und zum Dessert Limoncello-Tiramisu.

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