Kolumne

Was Konzerne und Katzenhalter gemeinsam haben

Der flauschige Kater Keks von Fiona Wiedemeier.

Der flauschige Kater Keks von Fiona Wiedemeier.

Fiona Wiedemeier, Geschäftsführerin der glp Kanton Zürich, schreibt in ihrer Kolumne über die Konzernverantwortungsinitiative und Katzenhalter.

Jede Kolumnistin sollte mindestens einmal im Leben eine Kolumne über ihre Katze schreiben – habe ich mir sagen lassen. Heute ist es soweit, ich schreibe über zwei Herzensthemen: Mein flauschiger Kater Keks* (Name aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert) und die Konzernverantwortungsinitiative (KVI), über die wir in gut zwei Wochen abstimmen und welche den Kern meiner politischen Einstellung betrifft– wie wir Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit vereinen.

Die KVI fordert, dass Schweizer Konzerne auch im Ausland Menschenrechte und internationale Umweltstandards respektieren, und tun sie das nicht, müssen sie dafür geradestehen.

Konzerne bestehen aus Mutter- und Tochterunternehmen, genau wie mein Haushalt aus Katzenhalterin und Kater. Als Katzenfrauchen weiss ich, dass diese Berufung nicht ohne Risiken für die Umwelt auskommt. Katzen miauen – Lärmbelästigung –, Katzen jagen – Biodiversitätsverlust –, Katzen verrichten ihr Geschäft mit Vorliebe im Nachbargarten– Littering – und Katzen kratzen – Sachbeschädigung.

Nicht jede Katzenrasse ist ein gleich grosses Risiko

Konzernen geht es oft genau wie mir; ihre Tochterfirmen haben, wie mein Kater, ihren eigenen Kopf. In ihrer Geschäftstätigkeit können genauso Schäden für Mensch und Umwelt entstehen – in der Regel sind diese jedoch etwas gravierender. Vergiftete Flüsse, ätzende Luft, Vertreibungen und Kinderarbeit sind nur einige Beispiele.

Dagegen will die KVI vorgehen. Mit einer präventiven Sorgfaltspflicht in der gesamten Lieferkette sollen Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden verhindert werden, bevor sie überhaupt entstehen. Eine solche Sorgfaltspflicht kenne ich auch als Katzenhalterin. Ich muss, wie der Konzern, Risiken identifizieren – zerkratzte Fensterrahmen – und entsprechende Massnahmen ergreifen. So ist mein Kater stolzer Besitzer eines Bananenblätter-Kratzbaums – es gibt tatsächlich solche, die nicht die gesamte Wohnung verschandeln –, und für den Fall der Fälle liegt eine Spritzflasche immer griffbereit.

Nicht jede Katzenrasse ist ein gleich grosses Risiko für die Mietwohnung. So besitzen Halter von Bengalkatzen – Jaguare im Miniaturformat – entsprechend ihrem erhöhten Kratzrisiko auch rund dreimal so viele Kratzbäume wie ich mit meinem Schmusekater.

Die Konzerne haften nicht für die gesamte Zulieferkette

Die Bengalkatzenhalter unter den Schweizer Konzernen sind die Rohstoffkonzerne. Ihre Geschäftstätigkeit beinhaltet deutlich mehr menschenrechtliche Risiken als die anderer Unternehmen. Das berücksichtigt die KVI, indem sie den Umfang der Sorgfaltspflicht abhängig von genau diesen Risiken und von der Grösse der Unternehmen macht. Damit sind die allermeisten KMU nicht betroffen.

Die Konzerne haften mit der KVI nur für Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden, welche von durch sie kontrollierten Unternehmen verursacht wurden, nicht aber für die gesamte Zulieferkette – und das auch nur, wenn es ihnen nicht gelingt, den Sorgfaltsbeweis zu erbringen. Kontrollierte Unternehmen und Zulieferer finden ihr tierisches Pendant in der Hauskatze und dem Freigänger.

Wo Kontrolle besteht, muss diese eingesetzt werden

Während ich kontrollieren kann, dass mein Hauskater die Fensterrahmen der Mietwohnung nicht zerstört, wäre es illusorisch zu verhindern, dass der Freigänger im Nachbargarten die eine oder andere Eidechse meuchelt. Für Konzerne wie Katzenhalter gilt: Wo Kontrolle besteht, muss diese eingesetzt werden, um einen Schaden zu verhindern. Tut man das nicht, haftet man.

Anders als meine zerkratzten Fensterrahmen können die verlorenen Leben und die zerstörte Umwelt nicht einfach repariert werden. Darum unterstütze ich die KVI.

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