Mit ausgedrückten Schweizer Schweinsbratwürsten gefüllte Tomaten («So wie sie schon Grossmutter und Urgrossmutter zubereiteten»), syrische Frikadellen auf Tomaten, türkischer Hirtensalat: Ohne Tomaten ging am Samstagabend nichts. Und die Gerichte, die sieben Köchinnen zum ersten Anlass mit Dorfschreiberin Gabi Kopp in die Suhrer Badi mitgebracht hatten, sahen so verlockend aus, dass die Leute von der organisierenden Kulturkommission die Gourmets zuerst einmal zurückbinden mussten: «Nein, degustiert wird erst nachher. Vorher wollen wir die Speisen kurz vorstellen!» So wurde gefachsimpelt – über die Rezepte und ihre Variationen, aber auch über den Anbau von Tomaten. Als Fachmann auf diesem Gebiet hatte Velohändler Josef Reichmuth ein paar Exemplare aus seinem Garten zum Degustieren mitgebracht. Seine grosse Liebe: Die Ananas-Tomate, die roh verzehrt gehört. «Eine solche Tomate zu kochen», so Reichmuth, «wäre ein Verbrechen.»

Als Kochbuchautorin recherchiert Gabi Kopp bei Köchinnen und Köchen, die die Küche ihrer Region pflegen. Sie porträtiert die Menschen, kocht und testet so die gesammelten Rezepte und illustriert ihre Kochbücher selber. Schliesslich ist die 60-jährige Luzernerin seit vielen Jahren hauptberuflich als Illustratorin und Cartoonistin tätig. Ihre drei bisher erschienenen Kochbücher zeugen von ihrem grossen Interesse für die orientalische Küche. 2010 erschien «Das Istanbul-Kochbuch», 2013 «Das persische Kochbuch» und 2017 «Meze ohne Grenzen». Meze sind «die kleinen frischen Gerichte des östlichen Mittelmeerraums und des Nahen Ostens». Rezepte sammelt Gabi Kopp nun aber auch in der Region, genauer in Suhr – und das als aktuelle Suhrer «Dorfschreiberin».

Eli Wilhelms Idee

Wie ist sie zu diesem Amt gekommen? Für ihr letztes Buchprojekt, verrät Gabi Kopp, habe sie ein Reisestipendium der Kulturstiftung von Landis & Gyr erhalten. An einem Anlass einer Kollegin, die ebenfalls in den Genuss eines Stipendiums gekommen war, traf sie im Museum der Kulturen Basel auf Eli Wilhelm von der Suhrer Kulturkommission. «Da ich Menschen und ihre Rezepte porträtiere und auch Kochanlässe durchführe», sagt Kopp, «ist Eli Wilhelm auf die Idee gekommen mich als Dorfschreiberin anzufragen.» Sie habe sich dann verschiedene Konzepte überlegt und ihren Vorschlag mit Vertreterinnen der Kulturkommission besprochen.

Herausgekommen ist ein Konzept, das vom bunten Nationalitätenmix der Suhrer Bevölkerung leben soll: Pro Jahreszeit wird ein Produkt, das in Suhr wächst oder hier produziert wird, ins Zentrum gestellt. Das Sommerprodukt, das am Samstagabend in der Suhrer Badi gefeiert wurde, war nun eben die Tomate. Interessant ist für Gabi Kopp, wie unterschiedlich der Umgang mit dem gleichen Produkt in der Küche beispielsweise Sri Lankas, Irans, der Türkei oder der Schweiz sein kann. Oder umgekehrt: Welche Gemeinsamkeiten es gibt. Ein spannendes Experiment, das auf einen Ort wie Suhr, wo Menschen so vieler Nationalitäten zusammenleben, zugeschnitten ist.

Im Herbst sind die Jäger dabei

Bei den weiteren Veranstaltungen werden auch ortsansässige Vereine miteinbezogen. Im Herbst zum Beispiel – mit dem naheliegenden Thema «Wild» – sind die Jäger involviert. Am 20. Oktober trifft man sich um 16 Uhr beim Waldhaus Berg. Auch «Pilzler» hätte Gabi Kopp gerne mit dabei, doch hier ist man noch nicht fündig geworden. Die Winterveranstaltung findet im Januar im «Local» statt und gilt dem Thema «Wintergemüse». Im Frühling, genauer im Mai, kommt dann der Ziegenkäse und -ziger vom Galeggenhof zu Dorfschreiber-Ehren.

Illustrierte Rezepte

Wie auf ihren Orient-Reisen lässt sich Gabi Kopp auch in Suhr die Rezepte und die Geschichten, die sich dahinter verbergen, erzählen. Veröffentlicht werden sie, mit Illustrationen aus Kopps Feder versehen, auf der Suhrer Dorfschreiber-Website (https://dorfschreiber.ch) und im «Suhr plus». Eine Publikation in Papierform, antwortet Kopp auf eine entsprechende Frage, ist mangels Budget nicht geplant. «Aber vielleicht findet sich ja im Verlauf des Jahres ein Sponsor.»

Und wohin führen sie ihre eigenen Kochbuchprojekte? Geht es im gleichen – orientalischen – Stil weiter? Oder rückt plötzlich eine ganz andere Weltgegend ins Blickfeld? – Die Zukunft, sagt Gabi Kopp, sei noch völlig offen. «Für mein letztes Buch habe ich drei Jahre gebraucht und möchte es noch ein wenig ‹pflegen›.» Dazu gehört, dass die Autorin Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem Buch durchführt. Ausserdem organisiert sie immer wieder kulturelle und kulinarische Reisen zu den Quellen ihrer Rezepte, namentlich in den Iran.

Gabi Kopp signalisiert aber, dass ihre kulinarischen Interessen nicht auf den Orient beschränkt sind. Das beweist auch das Engagement in Suhr. Die ursprüngliche Schweizer Küche zum Beispiel – häufig fleischlose Gerichte – verrät Kopp, die 1981 die Luzerner Genossenschaftsbeiz «Widder» mitbegründet und vier Jahre lang dort gekocht hat, finde sie sehr spannend.