Aarau

Was die Biber in der Telli treiben: Neue Ausstellung stellt den Nager vor

Einer der Telli-Biber: Jener, der am Sengelbach Handlungsbedarf auslöste. Archiv/uw

Einer der Telli-Biber: Jener, der am Sengelbach Handlungsbedarf auslöste. Archiv/uw

Der Biber ist im Aargau auf dem Vormarsch. Eine Ausstellung im Einkaufszentrum Telli stellt den nagenden Quartierbewohner vor.

Der Biber ist auf dem Vormarsch. Seit rund zwei Jahren ist der grösste europäische Nager vermehrt auch im Aarauer Telli-Quartier anzutreffen. Seither haben Peter Jean-Richard vom Aarauer Bachverein und Christoph Hörler von Natur- und Vogelschutz Aarau/BirdLife Aarau den Zuwanderer beobachtet. Im Rahmen einer vom 23. April bis zum 11. Mai dauernden Ausstellung in der Mall des Einkaufszentrums Telli lassen sie die Öffentlichkeit den teils geliebten, teils gehassten Mitbewohner näher kennenlernen. Geliebt, weil der Biber für eine Form der Landschafts-Rückeroberung durch die Natur steht. Gehasst, weil seine Lebensform naturgemäss zu Schäden am Baumbestand und, als Folge seiner Stautätigkeit, oft auch an Infrastrukturen führt.

«Siedlungsdruck»

Zwischen 1956 und 1977 wurden schweizweit 141 Biber neu angesiedelt. 2015 wurde die Population auf rund 2800 Tiere geschätzt. 275 Biber ergab die Schätzung für den Kanton Aargau. Während die Biber vor einem Jahrzehnt noch vorwiegend an den grösseren Flüssen siedelten, breiten sie sich mittlerweile unter dem wachsenden «Bevölkerungsdruck» vermehrt auch entlang der Zuflüsse und der kleineren Bäche aus.

An der Aare sind im Raum Aarau die Biber-Wohnplätze weitgehend besetzt. Das erklärt, weshalb ein Biber – anscheinend ein Einzelgänger – Anfang 2018 durch das Aufstauen des Sengelbachs beim Polizeikommando Handlungsbedarf auslöste. Zweimal sorgte dieser «Telli-Biber» für Schlagzeilen: Zunächst im Januar 2018, als die kantonale Jagdverwaltung die Beseitigung des Damms verfügte, um das Funktionieren von Drainagen zu gewährleisten.

Im Oktober erteilte dann das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (Abteilung Wald, Sektion Jagd und Fischerei) der Stadt Aarau und den betroffenen Immobilienfirmen die Erlaubnis, während fünf Jahren Biberdämme aus dem Sengelbach zu entfernen. Dies, weil sich der Biber, wie die Spezialisten erkannten, inzwischen dauerhaft und nicht bloss vorübergehend am Sengelbach eingenistet hatte. Nach der Beseitigung des Damms beim Polizeikommando nun einfach weiter unten am Bach. Mit dem Effekt, dass Holzbrücken und ein Hochwasserschutzdamm unter der Dauernässe zu leiden drohten.

Die gegenwärtige Ausstellung mit dem Titel «Biber in der Telli» widmet sich keineswegs einzig dem vorwitzigen Kerl am Sengelbach, sondern schwergewichtig seinen Artgenossen, welche die Plätze am Aareufer besetzt halten. Sieben von neun in der Telli entstandenen Fotografien, die an Stellwänden über das Leben des Bibers Auskunft geben, sind im «Summergrien» entstanden, im Auenwald nördlich der Telli-Wohnzeilen, an der Aare und am Frey-Kanal. Zu sehen ist darauf beispielsweise eine Biberrutsche (Ausstieg aus der Aare in den Wald und umgekehrt).

Zwei Fotos stammen vom Sengelbach. Auf dem einen ist der im Bach schwimmende Biber mit einem Ast zwischen den Zähnen zu erkennen. Auf dem andern die Röhre, mit deren Hilfe – erfolglos – versucht wurde, den Abfluss durch den Damm hinter dem Polizeikommando sicherzustellen, ohne radikalere Massnahmen ergreifen zu müssen.

Die Ausstellung ist nicht gross, fasst aber viel Wissenswertes zum Biber in einem überschaubaren Parcours zusammen. Wertvoll ist auch der Faltprospekt, der alles Wesentliche auf knappem Raum zusammenfasst. Besonders informativ ist die Tafel 3, welche die Verbreitung des Bibers in der Telli aufzeigt und angibt, wo genau welche Fotos aufgenommen wurden. Ein separates Blatt weist auf die Begleitveranstaltungen hin (Exkursionen, Bildervortrag, Basteln für Kinder).

Von der Videokamera ertappt

Es lohnt sich auch, sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen und die Filmaufnahmen auf dem Bildschirm beim Fust-Eingang zu betrachten. Zu sehen sind Biber in der Telli bei Tag und bei Nacht und bei den unterschiedlichsten Tätigkeiten: beim Schwimmen, beim Abbeissen von Ästen, beim exakten Abfressen der Rinde von diesen, beim Nagen an Bäumen, bei der Fellpflege (allein und gegenseitig). Wiederholt werden Nachtsequenzen eingerückt, auf denen – «Jöh-Effekt» garantiert – die Biber-Jungmannschaft beim Herumbalgen im Wasser zu erkennen ist.

Auch ein Graureiher stakst vor die Linse und nimmt beim Auftauchen des Bibers Reissaus. Ein Fuchs wiederum wendet sich nach kurzem Augenschein ab – so, als ob ihm dieser Winkel des Auenwalds doch ein wenig zu nass wäre. Anders als dem Biber, der sich im Wasser am wohlsten fühlt – selbst beim Fressen. Sogar den Zugang zu seinem Bau legt er unter Wasser an.

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Autor

Ueli Wild

Ueli Wild

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