Die SVP Erlinsbach AG tritt mit zwei Kandidaten zu den Gemeinderatswahlen an. Der seit 2008 amtierende Gemeinderat Roberto Heller stellt sich erneut zur Wahl. Ausserdem kandidiert Eduard Bircher – er wäre seit langem der erste Bauer, der im Speuzer Gemeinderat sitzt. Mit diesem Zweier-Ticket will die SVP ihre beiden Sitze verteidigen, nachdem Gemeindepräsident Markus Lüthy bekannt gegeben hatte, dass er nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung steht.

Edy Bircher ist keiner, der mit dem Parteibüechli unter dem Kopfkissen schläft, sondern ein bürgerlicher Pragmatiker, der die Sachpolitik über die Ideologie stellt. Im Gespräch am heimischen Küchentisch wird deutlich: Da blickt einer über den Horizont hinaus.

Bircher ist Wachtmeister in der Feuerwehr und zweifacher Familienvater. Marius geht in den Kindergarten, die kleine Ronja (1) räumt gerade in der Küche ein Regal aus, während Mutter Cornelia das Zmittag vorbereitet. Seit 2009 ist Edy Bircher mit der Pflegefachfrau verheiratet. Sie wuchs ebenfalls im Dorf auf, ist aber «eine Zugezogene wie ich», sagt Edy Bircher. Wobei er gerade mal zwei Jahre alt war, als die Familie 1978 von Obbürgen (Stansstad) ins Laurenzenbad zog, wo der Vater den Hof neben dem damaligen Pflegeheim pachten konnte.

Der Sohn wusste immer, dass auch er Bauer werden wollte, und hat es durchgezogen, «obwohl man mir davon abgeraten hat», sagt er heute nicht ohne Stolz. Nach der Sek lernte er Landwirt, seine praktische Ausbildung erhielt er in Stüsslingen und auf dem Suva-Pachtbetrieb bei der Reha-Klinik Bellikon.

Zwischendurch Lastwagenfahrer

Weil der Hof im Laurenzenbad für zwei Bauern zu klein gewesen wäre, arbeitete Edy Bircher nach der Lehre mehrere Jahre als Chauffeur beim Aarauer Transportunternehmen Hangartner, fuhr Touren im ganzen Land, von Frauenfeld bis Lausanne. Sehr oft war er nachts unterwegs. «Ich bin froh, dass das vorbei ist», sagt er rückblickend. 2011 konnte Familie Bircher den bis dahin gepachteten Betrieb kaufen und ausbauen – ein neuer Laufstall, ein Schopf, ein Eigenheim für Edy Bircher gleich neben dem Elternhaus. 2012 übernahm er den Hof ganz. Es ist heute ein Grünlandbetrieb mit Milchwirtschaft, Bircher setzt auf einen möglichst geschlossenen Kreislauf. Zwischen 40 und 50 Milchkühe hat er zurzeit, ausserdem 25 Stück Jungvieh, etwa 30 Kälber, ein paar Hühner und Schafe als Rasenmäher für steile Hänge.

Es ist schön und beschaulich im Laurenzenbad hinten, unterhalb der Barmelweid und der Saalhöhe. Die Grillen übertönen den Motorenlärm von der Passstrasse, der kaum bis in die Senke mit der kleinen Siedlung dringt. Das Pflegeheim ist längst umgesiedelt, Pläne für eine Asylunterkunft an seiner Stelle verworfen, heute leben die Clara-Schwestern und mehrere Wohngemeinschaften in den paar Häusern. Edy Bircher ist es wohl hier. Und das soll es auch den Erlinsbachern sein, dafür will er sich einsetzen. Obwohl die Lebensqualität im Dorf schon hoch sei, betont er: «Der Gemeinderat hat vieles richtig gemacht und eine Strategie mit Weitblick verfolgt. Erlinsbach ist in den letzten Jahren zwar gewachsen – wir durften Anfang Jahr den 4000. Einwohner begrüssen –, aber ich habe den Eindruck, es ist ein massvolles, nachhaltiges Wachstum.»

Trotzdem – Edy Bircher ist keiner, der den Wandel scheut. «Man muss nicht immer alles verändern wollen, aber wenn es der Sache dient, bin ich für rasches Handeln.» Dass er jetzt überhaupt als Gemeinderat kandidiert, hat ebenfalls mit seinem Willen zur Veränderung zu tun. Denn angefragt wurde er von der Partei zwar schon ein paar Mal, doch fehlte ihm immer die Zeit. Seit Anfang Jahr melkt nun ein Roboter seine Kühe. Selbstständig. Das hat Birchers Tagesablauf radikal verändert: Viel zu tun gibt es immer noch, aber er muss nun nicht mehr zu fixen Zeiten im Stall stehen. Die Kühe haben sich rasch daran gewöhnt – und der Bauer ist nun so flexibel, dass ein Gemeinderatsamt drinliegt. Insofern kam die erneute Anfrage der SVP-Ortspartei gerade zum richtigen Zeitpunkt. «Erlinsbach liegt mir am Herzen», betont Bircher. «Jetzt kann ich mich für die Gemeinde einsetzen. Ich betrachte mich nicht in erster Linie als Bauer, sondern als Unternehmer, der sein Unternehmen in die Zukunft führen will, damit es der nächsten Generation übergeben werden kann. Der Gemeinderat hat eine sehr ähnliche Aufgabe.»