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Warum sich die Erlinsbacher über ihre Migros-Filiale im Keller ärgern

Im Keller einkaufen? In Erlinsbach ist das Realität. Im Untergeschoss des Zentrums Rössli befindet sich die Migros-Filiale der Gemeinde. Das gefällt aber nicht allen. Eine Reportage.

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Migros-Filiale

Migros-Filiale

Aargauer Zeitung

Die Erlinsbacher frönen wie Wühlmäuse ihrem Einkaufserlebnis, schreibt eine Einwohnerin in einem Flugblatt, das in sämtliche Haushaltungen flatterte. Sie stört sich daran, dass die Migros im Rahmen der neuen Überbauung beim Zentrum Rössli unterirdisch gebaut worden ist. Seit letzten August ist die Migros im Zentrum Rössli integriert. Vorher gab es im aargauischen und solothurnischen Erlinsbach je eine kleine Migros.

Der Grund, wieso die Erlinsbacher Einwohnerin überhaupt ein Flugblatt verfasste, ist jedoch ein anderer: Statt einer anonymen Überbauung hätte sie sich ein Dorf- und Begegnungszentrum gewünscht.

Heute stelle man neue Einkaufszentren an der Peripherie von Agglomerationen auf», schreibt die Einwohnerin weiter. «Wir pflanzen es mitten in ein Wohnquartier, erfreuen uns der Lastwagen, die sich um das Restaurant Ochsen würgen und der PW-Kolonnen, die an unseren Häusern und direkt am Schulhausplatz vorbeifahren. «Wegen der paar alten Leute und jungen Mütter, die zu Fuss unterwegs sind, und der wenigen unverbesserlichen (grünen) Velofahrer muss die Migros nicht ebenerdig sein.»

Treppensteigen ist Fitness

Die Sommerreporterin wollte wissen, wie es wirklich ist, unter der Erdoberfläche einzukaufen und vor allem wie die Migros-Kunden dies empfinden. Gemüse, Früchte, Milchprodukte und viele andere Artikel präsentieren sich auf 998 Quadratmetern. Tageslicht gibt es keines, dafür viel Neonlicht und einen direkten Zugang zu den Parkplätzen. Fussgänger müssen die Treppe oder den Lift benutzen, um in den Untergrund zu kommen.

«Es ist ein komisches Gefühl hier einzukaufen», beschreibt es eine Kundin, die so schnell wie möglich wieder ans Tageslicht möchte und nur herkommt, wenn sie knapp an Zeit ist. «Es gibt nur Parkplätze im Untergeschoss und die Treppe ist für ältere Leute viel zu steil. Den Lift benutzen sie ungern.» Das sei doch Fitness, meint eine ältere Kundin, die neu in Erlinsbach wohnt. «Die Treppe laufe ich mit meinen Einkaufstaschen hoch. Mit der Migros bin ich happy.»

Warum Migros im Keller?

Das sind viele andere Kunden auch. Ein älteres Ehepaar, das in der Tiefgarage soeben aus dem Auto steigt, meint: «Bequemer gehts nicht. Wir haben alles auf einem Stockwerk und für das Parken brauchen wir nicht einmal ein Ticket.» Und das fehlende Tageslicht? «In welchem Einkaufszentrum gibt es das schon?», fragt ein Kunde. «Die werden nur mit Kunstlicht erleuchtet. Sonnenlicht schadet dem Gemüse und Obst doch nur.»

Zum Schluss noch eine kritische Stimme einer Erlinsbacher Einwohnerin. Im Migros fühle sie sich unwohl, obwohl das Sortiment vielfältig sei. Man hätte die Migros ja im Erdgeschoss bauen können, da wo sich jetzt die Gemeindeverwaltung befinde. Diese wiederum hätte das erste und zweite Obergeschoss belegen können. Auch vermisst sie ein Café, in dem sich die Einwohner begegnen können. «Jetzt kauft man schnell ein und geht wieder nach Hause.»

Unmöglich im Erdgeschoss

Kurz hält sich die Migros in ihrer Stellungnahme: Bei der Überbauung habe es keine andere Möglichkeit gegeben, als die Fläche im Untergeschoss zu platzieren, sagt Thomas Bornhauser, Leiter Kommunikation und Kulturelles der Migros Aare. Allein schon die Grundfläche des Hochbaus hätte dies im Erdgeschoss verunmöglicht. «Die Frequenz und der Erfolg belegen aber, dass die Migros vielen Erlinsbachern gefällt.»

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