Aarau

Warum nicht Baufeld 8?

Im Vordergrund liegt das Baufeld 8; dahinter, vor der Wohnsiedlung auf Baufeld 4, schliesst das Baufeld 6 an.

Im Vordergrund liegt das Baufeld 8; dahinter, vor der Wohnsiedlung auf Baufeld 4, schliesst das Baufeld 6 an.

Der Stadtrat soll auf die fallengelassenen Wohnbau-Pläne der Einwohnergemeinde in der Aarenau zurückzukommen. Das fordern die Mitglieder von Pro Aarau im Einwohnerrat.

Ueli Hertig, Esther Belser Gisi, Vera Hertig und Ulrich Fischer haben eine Motion eingereicht, mit der sie den Stadtrat in die Pflicht nehmen wollen: Dieser soll den Auftrag erhalten, «dem Einwohnerrat einen Kredit zu beantragen, mit welchem eine Investition ins Baufeld 8 detailliert geprüft werden kann».

Die Einwohnergemeinde Aarau hatte sich für eine Investition in der Aarenau interessiert – und zwar schwebte ihr die Übernahme eines der beiden noch offenen Baufelder im Süden, direkt an der Aare, vor. Das war aber nicht im Sinne der Grundeigentümerin, der Aarauer Ortsbürgergemeinde. Diese beschloss, die Bebauung der beiden verbliebenen südlichen Baufelder 5 und 7 auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Die Ortsbürger boten der Einwohnergemeinde dafür das im Nordosten gelegene Baufeld 8 an – im Baurecht und für 620 Franken pro Quadratmeter. Nun winkte freilich der Stadtrat ab.

Im September letzten Jahres beschloss er, das Angebot der Ortsbürgergemeinde abzulehnen. Dies mit der Absicht, zuzuwarten, bis dereinst die «Filetstücke» am Aareufer zur Überbauung freigegeben werden. Da die Einwohnergemeinde auf dem Baufeld 8 nicht investieren will, soll dieses Grundstück «mit einem geeigneten Vermarktungsinstrument» zum bestmöglichen Preis am Markt platziert werden, beispielsweise mit einem Bietverfahren. In diesem Sinne sprach die Winter-Gmeind der Ortsbürger einen Kredit von 65 000 Franken für die Vermarktung von Baufeld 8.

«Wirtschaftlich überbaubar»

Die Motionäre schreiben, der von der Ortbürgergemeinde in Auftrag gegebene Studienauftrag habe – entgegen der Beurteilung durch den Stadtrat – aufgezeigt, «dass eine wirtschaftliche Überbauung (des Baufeldes 8) möglich ist». Das gehe klar aus dem Jurybericht hervor, sagt Ueli Hertig. Das Projekt des Büro B Architekten aus Bern sieht 40 Wohnungen vor. Im Schlussbericht der Jury steht: «Das Projekt überzeugt durch seine klare städtebauliche Haltung wie auch mit den räumlich interessanten, vielfältigen Wohnungstypen».

Er sei immer davon ausgegangen, dass die Einwohnergemeinde auf irgendeinem Baufeld in der Aarenau investieren werde, sagt Hertig. Also nicht zwingend auf einem der sogenannten «Filetstücke» an der Aare. Zumindest über das Projekt der Madrider Architekten von «temperaturas extremas» auf Baufeld 7, einem dem «Filetstücke», sagt Hertig, dieses werde nie die angestrebte Wirtschaftlichkeit erreichen. Das Projekt sieht «drei eigenwillig gestaltete Hausgruppen als Villen» an der Aare vor.

Noch nicht «investorentauglich»

In seinem Bericht an die Ortsbürgergemeindeversammlung schrieb der Stadtrat im November letzten Jahres, dass das Baufeld 8 beste Voraussetzungen für ein attraktives Investment biete. Für eine erfolgreiche Rentabilität müsse die Architekturstudie zu Baufeld 8 jedoch überarbeitet und damit «investorentauglich» gemacht werden. Aus diesem Grund hätten die Immobilienfachleute der Ortsbürgergemeinde empfohlen, «für die eigene Vermögensanlage das Baufeld 6 zu wählen und das Baufeld 8 im Baurecht – und zwar prioritär zu 620 Franken pro Quadratmeter an die Einwohnergemeinde – abzugeben».

Dass diese das Angebot ausschlug, lag nach Angaben von Stadtpräsidentin Jolanda Urech daran, dass ein Engagement auf Baufeld 8 nach Meinung des Stadtrats «mit zu hohen Risiken verbunden» war.

Damit sich die Einwohnergemeinde auf das Projekt hätte einlassen können, so Urech, hätte noch einiges geschehen müssen: «Man hätte die Studienaufträge vertieft bearbeiten müssen, aber wir waren im Stadtrat der Meinung, das sei nicht Sache der Einwohnergemeinde.»
Eine solche vertiefte Bearbeitung ist das Ziel der Motionäre. Was es bedeuten würde, wenn die Einwohnergemeinde in der Folge doch noch auf den bereits losgefahrenen Zug aufspringen möchte, sei offen, lässt Jolanda Urech durchblicken. Das Bietverfahren für die Vermarktung des Baufelds 8 sei inzwischen in die Wege geleitet worden. Das bestätigt auch Margrit Röthlisberger, Leiterin Sektion Liegenschaften der Ortsbürgergemeinde.

Dass Pro Aarau die Motion erst im März 2016 einreichte, erklärt Ueli Hertig so: «Wir wollten zuwarten, bis das Budget unter Dach war.» Wäre dieses schon im November durchgekommen, lässt Hertig durchblicken, wäre der Vorstoss wohl noch letztes Jahr erfolgt.

Bruttorendite 4 Prozent und mehr

Die Angst des Stadtrates, dass die Rendite zu niedrig ausfallen würde, teilen die Einwohnerratsmitglieder von Pro Aarau nicht. Der Anlagefonds, schreiben sie in der Begründung ihres Vorstosses, habe zwischen 2002 und 2014 eine durchschnittliche Rendite von 3,29 Prozent und 2015 noch eine solche von 1,1 Prozent erbracht. Eine Immobilie dagegen, zeigen sich die Motionäre überzeugt, «bringt eine langfristig konstante Bruttorendite von mindestens 4 Prozent.» Und weiter: «So ist eine Investition in der Aarenau finanziell eine lohnende Anlage, dazu mit sehr geringem Risiko.» Und schliesslich, heisst es weiter in der Begründung der Motion, könne die Einwohnergemeinde, wenn sie selber investiere, auf eine gute Durchmischung des Wohnungsangebotes achten. Sie könne beeinflussen, dass «eine altersmässig und sozial gut durchmischte Mieterschaft» die Aarenau bewohne.

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