AKB-Anlage-Fokus

Warum man an einer Party nicht nur Kuchen essen sollte – und wie das Börsenjahr 2019 wird

Experten erklärten, was vom Börsenjahr 2019 zu erwarten ist. Zudem berichtete der CEO der Leonteq AG, wie er mit seinem Unternehmen zum Erfolg kam.

Als der Aarauer Lukas Ruflin sein Unternehmen gründete, war es zwar an der Bahnhofstrasse 16 in Zürich eingemietet – eine der teuersten Adressen der Schweiz – und erinnerte trotzdem an eine Garagenfirma. Auf kleinstem Raum sassen dicht an dicht 45 Mitarbeiter. «Ich hielt das für eine gute Idee, um Kosten zu sparen, musste aber bei der ersten Grippewelle feststellen, dass es auch Nachteile hat», erklärte Ruflin gestern beim AKB-Anlage-Fokus.

Sein Unternehmen, die Leonteq AG, nutzt komplexe Algorithmen, um für Kunden ein passendes Finanzprodukt zu finden, oder genauer: das optimale strukturierte Produkt.

Die ersten dieser Produkte verkaufte Ruflin kurz vor der Finanzkrise und stand nach dem Bankrott von Lehman Brothers vor neuen Herausforderungen: «Niemand wollte mehr etwas über Finanzprodukte hören, und schon gar nicht kaufen.» So machte das Jungunternehmen aus der Not eine Tugend und analysierte stattdessen diejenigen Produkte, die die Kunden schon hatten. So habe man zwar nicht das grosse Geld verdient, aber gute Beziehungen zu den Kunden aufgebaut.

Und was sind jetzt diese strukturierten Produkte, auf die sich die Firma spezialisiert hat? «Strukturierte Produkte sind wie Lego – sie können verschiedenfarbene Steine wählen und diese dann zusammensetzen.» Sprich: Es werden klassische Finanzanlagen (z. B. Aktien, Obligationen) mit Derivaten (z. B. Optionen) kombiniert. Sie sind besonders geeignet, wenn die Kurse nicht zu stark schwanken, weil es einen maximalen Verlust, aber auch einen maximalen Gewinn gibt. «Wenn Sie sicher sind, dass der Kurs einer Firma stark steigt, dann kaufen Sie Aktien. Erwarten Sie, dass er einbricht, dann lassen Sie Ihr Geld lieber auf dem Bankkonto. Bei einem nur leicht steigenden Kurs können die strukturierten Produkte eine gute Lösung sein.»

Allerdings solle man nicht sein ganzes Vermögen investieren. «Das ist, wie wenn Sie bei einer Party statt der Vor- und Hauptspeise ausschliesslich Kuchen essen.» Oder wie es Börsenexperte François Bloch später an diesem Abend ausdrückte: «Der gute Mix macht es aus.»

Titel mit Geschichte

Nach dem Referat diskutierten Finanzexperten vor über 400 Interessierten, was vom Börsenjahr 2019 zu erwarten ist. Verschiedene Brennpunkte, etwa der Handelsstreit zwischen den USA und China, wurden thematisiert. «Ein klassischer Kampf zwischen den beiden grössten Volkswirtschaften», analysierte Marcel Koller, Chefökonom der Aargauischen Kantonalbank. Trotzdem zeigte er sich optimistisch: «Beide Länder sind sich bewusst, dass sie sich gegenseitig brauchen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir noch positiv überrascht werden.»

Auch sonst waren die Experten nicht so negativ gestimmt, wie man hätte annehmen können. Brexit? «Wirtschaftlich gesehen wird das wohl keine Riesengeschichte. Die Probleme werden hauptsächlich logistischer Art sein», sagte René Chopard, stv. Direktionspräsident der Aargauischen Kantonalbank.

Und wenn das Rahmenabkommen zwischen der Schweiz und der EU nicht zustande kommt? «Ich erwarte keine grossen Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft. Die grossen Unternehmen sind global unterwegs und seit der Aufhebung der Euro-Untergrenze fit getrimmt», so Sascha Haudenschild, Leiter Portfolio Management bei der AKB.

Und wenn die EU die Bilateralen künden würde? «Dann erwarte ich einen kleinen Schock, einen Einbruch um fünf bis zehn Prozent, aber dann würde sich das Ganze wieder normalisieren», so Börsenexperte Bloch. Er empfahl den Anlegern, «Titel mit Geschichte» zu kaufen, also in solide Unternehmen zu investieren, und dafür die Gewinnaussichten etwas herunterzuschrauben.

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