Aarau/Buchs
Warum harzt es bei der neuen Schulorganisation zwischen Aarau und Buchs?

Zwei Organisationsformen stehen zur Diskussion: Gemeindeverband oder Gemeindevertrag. Alle warten auf den Entscheid. Der lässt jedoch auf sich warten. Die Gerüchteküche aber brodelt.

Heidi Hess
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Das Oberstufenschulhaus Aarau im Schachen gehört zur Schule Aarau.

Das Oberstufenschulhaus Aarau im Schachen gehört zur Schule Aarau.

Sandra Ardizzone

Wird die bisherige Schulorganisation der Kreisschule Buchs-Rohr bald aufgelöst oder rücken, im Gegenteil, die Gemeinden Aarau und Buchs im Schulbereich näher zusammen?

Seit Sommer 2011 stehen zwei Organisationsformen zur Diskussion: Gemeindevertrag oder Gemeindeverband. Für welche Form man sich entscheiden wird, ist noch unklar. Die Gerüchteküche aber brodelt.

Gemeindeverband

Entscheidet man sich für den Gemeindeverband, dann bilden die Gemeinden Aarau-Rohr und Buchs eine einzige Schule - die Kreisschule Aarau-Buchs. Diese Kreisschule entscheidet weitgehend autonom. Gesetzgebendes Organ oder Legislative ist ein von der Bevölkerung gewählter Kreisschulrat mit Finanzkompetenzen. Einwohnerräte könnten allenfalls anteilmässig im Kreisschulrat vertreten sein. (HHS)

In Buchser Schulhäusern diskutieren deswegen Lehrpersonen – ungewiss ist ihr Arbeitsplatz. Im Stadtteil Rohr sorgen sich deshalb Eltern – ungewiss sind Schulweg und Schulhaus ihrer Kinder.

Und sobald im Aarauer Einwohnerrat die Schule in irgendeiner Form traktandiert ist – seien es Musikschulreform oder Schulraumplanung –, stets folgt hartnäckig die Frage: «Wo steht man mit der Reorganisation der Schule?» Es sind vor allem die Einwohnerrätinnen und -räte aus dem Stadtteil Rohr, die diese Frage aufs Tapet bringen.

Seit der Fusion am 1. Januar 2010 gehört Rohr politisch zur Einwohnergemeinde Aarau. Die Rohrer Schulkinder aber besuchen weiterhin die seit 10 Jahren bestehende Kreisschule Buchs-Rohr.

Hört man sich um, so durchaus zur Zufriedenheit aller. Dennoch muss, wegen veränderter politischer Zugehörigkeit, die Frage der künftigen Schulorganisation geklärt werden. Das dauert. Manchen zu lange.

Fehlt ein klarer Wille?

Zu lange dauert es beispielsweise Hansruedi Faes, Schulleiter der Kreisschule Buchs-Rohr: «Heute fehlen Leute, die wissen, wohin es gehen soll.»

Gemeindevertrag

Fällt der Entscheid für den Gemeindevertrag, dann wird die bisherige Kreisschule Buchs-Rohr aufgelöst. Beide Gemeinden - Aarau und Buchs - führen künftig ihre eigenen Schulen. Die Schule Aarau wird um das Einzugsgebiet Rohr erweitert. Trotz Zuständigkeiten bei den politischen Gemeinden würden gewisse Themen auch künftig gemeinsam geregelt. Kleine Bereiche erfordern regelmässige Absprachen. (HHS)

Der Rohrer Thomas Merkofer, Administrator in der Kreisschule, sagt, vor gut zehn Jahren habe man die Fusion Kreisschule Buchs-Rohr gewollt und in eineinhalb Jahren umgesetzt. Zu den treibenden Kräften gehörte damals die heutige Stadträtin Regina Jäggi aus Rohr.

Sowohl Faes als auch Merkofer, arbeiteten in der Projektphase mit. Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre die Auflösung der Kreisschule Buchs-Rohr. Die Schule sähe gerne eine grosse Kreisschule Aarau-Buchs.

Buchs ohne Rohr indessen hätte Auswirkungen auf das Personal und wegen tieferer Schülerzahlen vermutlich auch auf den Betrieb der Oberstufe. Der Vertrag wiederum wäre kompliziert. Buchs müsste sich an Aarau anpassen, etwa bei Angeboten wie Mittagstisch oder Schulfächern.

Sympathien für Verbandslösung

«Manchmal verlor man sich in Details», sagt Ueli Frey, Präsident der Kreisschulpflege Buchs-Rohr, der ebenfalls in der Projektphase dabei war und eindeutig die Verbandslösung bevorzugt. Präzision sei zwar nötig. Dennoch hätte man auch zuerst die Organisationsform bestimmen und danach Detailfragen klären können.

Die Gemeinden Aarau-Rohr und Buchs brauchen eine neue Schulorganisation: Was bisher geschah

Muss gut Ding Weile haben? Fest steht, seit geraumer Zeit wird über die neue Schulorganisation der politischen Gemeinden Aarau und Buchs diskutiert. Spätestens seit dem Ja zur Fusion der Gemeinde Rohr mit der Stadt Aarau im Februar 2008 war bekannt, dass auch die Schulen neu organisiert werden müssen. Schon damals hiess es, längerfristig muss eine Bereinigung stattfinden, weil zwei Schulorganisationen in einer Gemeinde – Schule Aarau und Kreisschule Buchs-Rohr – auf Dauer nicht sinnvoll seien. Überstürzt wurde nichts. Die Exekutiven der beiden Gemeinden bildeten eine Arbeitsgruppe und zogen das Beratungsunternehmen BDO Visura bei. Im August 2011 lagen zwei mögliche Varianten der Schulorganisation vor. Weiterverfolgt werden sollten die Lösungen Gemeindeverband und Gemeindevertrag. Auf das BDO-Beratungsbüro folgte die Berner PuMa Consult. Das Projekt wurde in zwei Teilprojekte aufgeteilt: Schulraumplanung und Schulorganisation. Um die Schulorganisation kümmerte sich fortan ein Projektteam mit den Exekutivvertretern Lukas Pfisterer (Aarau) und Barbara Keusch (Buchs) sowie Aarauer und Buchser Vertreter von Schulpflege, Schulleitung und Behörden. Zusätzlich bearbeiteten Fachgruppen die Bereiche Schulangebote, Liegenschaften und Finanzen, politische Einflussnahme und Aufbau der neuen Organisation. Erstmals war ein öffentliches Mitwirkungsverfahren auf Ende Oktober 2011 angekündigt. Wiederholt wurde es verschoben. Mal, weil das Geschäft erhebliche Auswirkungen auf die Schule Aarau und die Kreisschule Buchs-Rohr habe. Dann wollte man, wegen der Schulraumplanung die Abstimmung über den Systemwechsel (5/4 auf 6/3) im März 2012 abwarten. War einst geplant, die neue Schulorganisation auf das Schuljahr 2013/14 einzuführen, so war dies längst unmöglich. Ende 2012 hiess es: «Der ehrgeizige Plan sieht eine öffentliche Mitwirkung im Sommer 2013 vor.» Der Sommer ist da, bald auch die Ferien. Von einem Mitwirkungsverfahren hörte man bislang nichts. Einführen will man die neue Schulorganisation auf das Schuljahr 2016/17.(HHS)

Ähnlich sieht es Lotty Fehlmann-Stark, die als Aarauer Einwohnerrätin in der Fachgruppe «politische Einflussnahme» mitwirkte. «Eine richtige Lösung gibt es nicht. Man muss einfach entscheiden.»

Sie selbst habe «grosse Sympathien» für die Verbandslösung. Eine Anstellungsbehörde, ein Lehrplan, ein Angebot – kurz: eine Schule. Auch wenn dabei der politische Einfluss geringer werde.

Ein schlechtes Signal wäre, die Zusammenarbeit zwischen Buchs und Rohr aufzulösen, so Fehlmann-Stark. Gerade im Hinblick auf die Zusammenarbeit der Stadt Aarau mit den umliegenden Gemeinden. «Das wäre ein Schritt zurück», sagt die Kandidatin für das Stadtpräsidium.

Wahltaktische Spielchen?

Hinter all den Verzögerungen vermutet Irene Bugmann Oelhafen, Einwohnerrätin (Pro Aarau) aus dem Stadtteil Rohr, wahltaktische Spielchen. Sie gelangte an den Stadtrat mit einer Anfrage zur Schulplanung (die az berichtete).

«Sind die Arbeiten soweit fortgeschritten», fragt sie, «dass das Mitwirkungsverfahren im Juni durchgeführt werden kann? Falls nein: Könnte die Verzögerung auch mit den kommenden Wahlen im Zusammenhang stehen?»

Dezidiert entgegnen die beiden zuständigen Exekutivmitglieder Barbara Keusch von Buchs und Lukas Pfisterer von Aarau, dem sei nicht so.

Barbara Keusch sagt, sie hätte die Schulorganisation «sehr gerne» abgeschlossen, so lange sie noch im Amt ist. Die Buchser Gemeinderätin wird bei den Erneuerungswahlen im Herbst nicht mehr antreten.

«Uns fehlen die aktuellsten demografischen Grundlagen», erklärt Lukas Pfisterer, Stadtrat in Aarau und Kandidat für das Stadtpräsidium. Zwar existierten Schülerzahlen für 2010. Nötig seien aber aktuellere Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung.

Besonders, weil im Torfeld Süd ein neues Quartier entsteht. Dieses Gebiet eignet sich bestens, um Synergien zwischen Buchs und Aarau zu nutzen. Das beeinflusst die Schulraumplanung und die Finanzen beider Gemeinden.

Es sei wichtig zu wissen, ob mit 5 oder 100 Schulkindern zu rechnen sei, sagen Keusch und Pfisterer. Je nach Organisationsform zieht das den Bau eines Schulhauses nach sich und damit Kosten in Millionenhöhe. Das Büro Metron aber, welches die Zahlen zur demografischen Entwicklung liefern soll, ist in Verzug.

Sobald die Zahlen vorliegen, wird der Schlussbericht verfasst, ein Termin für die öffentliche Mitwirkung wird bekannt gegeben und je nach Ergebnis ist eine Volksabstimmung nicht ausgeschlossen.

Gewiss, die Neuorganisation der Schule Aarau und der Kreisschule Buchs-Rohr ist komplex, es gilt an die Folgen zu denken. Trotzdem muss ein Entscheid getroffen werden, wenn die neue Schulorganisation auf Sommer 2016 eingeführt werden soll, wie sich das Gemeinderätin Barbara Keusch vorstellt.