Wohnungsmarkt

Warum es in der Region Aarau-Lenzburg über 1000 leere Wohnungen hat

Hunzenschwil hat kantonsweit die dritthöchste Leerwohnungsziffer.

Hunzenschwil hat kantonsweit die dritthöchste Leerwohnungsziffer.

Im Extremfall ist jede 10. Wohnung ungenutzt: 6687 standen am 1. Juni im Aargau leer. Am meisten Leerwohnungen hatte es in den Bezirken Baden (1134), Aarau (1010) und Zofingen (918). Die kantonsweit grösste Zunahme verzeichnete der Bezirk Lenzburg mit einem Plus von 262. Gefolgt von den Bezirken Zurzach (plus 147) und Aarau (plus 114).

Wohnungsnot? Wer nicht zwingend auf eine preisgünstige Wohnung angewiesen ist, kann zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder auswählen. Der Wohnungsmarkt entwickelt sich in Richtung Mieter- und Käufermarkt. Und dieser Trend dürfte anhalten: Denn es werden nach wie vor neue Mehrfamilienhäuser gebaut. Zum Beispiel von Pensionskassen, die, wie alle Anleger, unter den rekordtiefen Zinsen leiden. Es kann lukrativer sein, ein teilweise leerstehendes Objekt zu besitzen, als das Geld irgendwie sonst anzulegen.

Die Experten sind sich einig: Diese Entwicklung ist ungesund: Es besteht die Gefahr einer Immobilien-Blase, die irgendwann platzt. Und das Unbehagen in der Bevölkerung ist am Steigen, wie die Referendumsabstimmung vom Sonntag in Hunzenschwil zeigt (az vom 19. 10). Dort geht es um eine Änderung der Bau- und Nutzungsordnung, die höhere Bauten erlauben würde. Das wollen die Opponenten verhindern.

Platz für 2000 Personen

Die az hat aufgrund der amtlichen Statistik zusammengerechnet, wie viele Wohnungen in der Agglomeration Aarau-Lenzburg am 1. Juni leer standen. Zur Agglomeration wurden in erster Nähe die beiden Städte sowie die Gemeinden Buchs, Suhr, Küttigen, Biberstein, Rupperswil, Niederlenz, Hunzenschwil, Schafisheim und Staufen gezählt. In diesen elf Ortschaften standen insgesamt 1022 Wohnungen und Einfamilienhäuser leer – 171 mehr als vor einem Jahr.
Weitet man den Agglomerationsbegriff aus und zählen die Gemeinden Gränichen sowie Unter- und Oberentfelden dazu, so steigt die Leerwohnungszahl auf 1327 (Vorjahr 1086).

  • Hunzenschwil ist in mehrfacher Hinsicht aussergewöhnlich: So stieg die Zahl der leeren Wohnungen innerhalb eines Jahres von 60 auf 162. Die Leerwohnungsziffer beträgt 9,25. Das heisst, fast jede zehnte Wohnung war Anfang Juni ohne Mieter oder wartete auf einen Käufer. Das ist kantonsweit Rang 3. Eine noch höhere Leerwohnungsziffer haben einzig Mellingen (12,94) und das kleine Rümikon (9,58).
  • Gränichen ist auch bemerkenswert: Der Leerwohnungsbestand betrug 197 (Vorjahr 171). Zum Vergleich: In Aarau hatte es 144 freie Logis (Vorjahr 195). In Gränichen stand im Juni etwa jede 20. Wohnung leer.
  • Buchs war kantonsweit eine der wenigen Gemeinden, die sich innert Jahresfrist verbessern konnten: Der Leerwohnungsbestand sank von 328 auf 285. Die Leerwohnungsziffer beträgt neu 7,61. Also war jede 13. Wohnung unbenutzt.
  • Lenzburg scheint als Wohnort besonders attraktiv zu sein. Die Zahl der leeren Wohnungen stieg trotz intensivster Bautätigkeit innert eines Jahres nur von 122 auf 169. Die Leerwohnungsziffer ist mit 3,51 noch nicht wirklich besorgniserregend. Allerdings ist Aarau mit 1,27 deutlich tiefer.
  • Staufen gilt als Boom-Gemeinde schlechthin. Die Zahl der leeren Wohnungen und Einfamilienhäuser stieg zwischen Juni 2015 und Juni 2016 von 32 auf 52. Die Leerwohnungsziffer beträgt 3,61.

Würden auf einen Chlapf alle 1022 leerstehenden Wohnungen der Agglomeration Aarau-Lenzburg gefüllt, so hätte das ein Bevölkerungswachstum von ungefähr 2000 Personen zur Folge.

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