Aarauer Schulpflege

Warum die Schulpflege vor der Bewährungsprobe steht

Rücktritt: Vizepräsidentin Barbara Urech.  zvg

Rücktritt: Vizepräsidentin Barbara Urech. zvg

Die erste Runde der Ersatzwahlen für die Schulpflege steht vor der Tür. Dabei werden neue Mitglieder gewählt. Die Frage ist aber: Bringen die Neuen Konstanz und Ruhe?

Nachdem Anfang Sommerferien Präsidentin Véronique Persson das Handtuch geworfen hatte, weil sie sich nicht durchsetzen konnte, kündigte vor wenigen Tagen auch Vizepräsidentin Barbara Urech ihren Rücktritt aus der Schulpflege «aufgrund unterschiedlicher interner Auffassungen» an. Im Mai hatte bereits Christian Kälin aus beruflichen Gründen demissioniert und im April Schulpfleger Bernhard Reimann seinen baldigen Wegzug aus Aarau bekannt gegeben (az Aargauer Zeitung vom 20. 9.).

«Die Art und Weise, wie die Schulpflege arbeitet und Entscheidungen trifft, ist mir oft fremd», hatte Véronique Persson gegenüber der az Aargauer Zeitung Anfang Juli erklärt. Dies habe dazu geführt, dass sie viele Entscheidungen nicht mehr habe mittragen können. Als ehemalige Projektmanagerin bei der UBS wollte sie Methoden aus der Privatwirtschaft anwenden, was aber offenbar nicht gut ankam. Persson vor drei Monaten: «Ich war wohl zu direkt.»

Zwei Termine für Ersatzwahlen

Die Termine der Ersatzwahlen stehen fest: Am 23. Oktober werden zwei neue Schulpflegemitglieder gewählt, erst am 11. März 2012 kann die Ersatzwahl für Barbara Urech stattfinden. Erst im nächsten Jahr, damit die Anmeldefristen eingehalten werden können. Für die Ersatzwahlen im Oktober sind vier Anmeldungen fristgerecht erfolgt: Daniel Fondado (Pro Aarau), Ortrud Gysi (parteilos), Nicola Müller (parteilos) und Rolf Schwyter (Grüne).

Aktuell ist die Schulpflege wie folgt besetzt: Véronique Persson (Präsidentin), Barbara Urech (Vizepräsidentin), Max Becker, Ruedi Birchler, Heinrich Hochuli, Ivo Speck. Die Unruhe in der Schulpflege beschäftigte am Montag auch den Einwohnerrat. Eine entsprechende Anfrage hatte Reto Leiser (FDP) gestellt.

Keine Besserung in Sicht?

Substanziell konnte der zuständige Stadtrat Lukas Pfisterer nicht viel zur Klärung beitragen: «Die Schulpflege ist als vom Volk gewähltes Organ selbstständig und gegenüber dem Stadtrat nicht zur Rechenschaft verpflichtet.» Deshalb seien die vielen personellen Abgänge und Wechsel eine innere Angelegenheit der Schulpflege, auf die der Stadtrat keinen Einfluss habe. «Trotzdem», so Pfisterer, «bereitet die Entwicklung dem Stadtrat Sorgen.» An der externen Evaluation der Schule kassierte die Schulpflege eine «rote Ampel», und zwar in Bezug auf die Schulführung.

Reto Leiser befürchtet, dass die Nachevaluation – diese findet Mitte Januar 2012 statt – kein besseres Bild zeitigen werde. Pfisterer wies im Einwohnerrat darauf hin, dass es bisher im Kanton Aargau noch nicht vorgekommen sei, dass eine Schule ein zweites Mal eine «rote Ampel» erhalten habe. Im Fall eines neuerlichen Scheiterns, wäre die Schulpflege verpflichtet, die Ergebnisse der Nachevaluation zu veröffentlichen. Über allfällige Konsequenzen müsste laut Pfisterer das Departement Bildung, Kultur, Sport entscheiden.

Systemwechsel ist nicht geplant

Das Schulgesetz verpflichtet die Gemeinden, eine Schulpflege einzusetzen. Der Stadtrat macht sich deshalb keine Gedanken, ob das Führungsmodell an der Schule geändert werden sollte. Denkbar wäre ein Modell ohne Schulpflege, jedoch mit einer Schulkommission, die den Stadtrat berät. In diesem Fall läge die operative Führung beim Stadtrat. Solange die Schulpflege handlungsfähig sei, bestehe kein Anlass, beim BKS einen Systemwechsel zu beantragen, sagte Stadtrat Pfisterer.

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