Mit der Schliessung der «Kettenbrücke» vor zwei Wochen hat Aarau seinen bedeutendsten Club verloren. Alex Crivaro, Betreiber des «3. Stock» sagt: «Für uns läuft es so gut wie immer.» Er habe aber beobachtet, dass die Leute länger als sonst in ihrem Club geblieben seien. «Zudem gibt es weniger Laufkundschaft.» Das KBA habe auch viele Auswärtige nach Aarau gezogen. Und Boiler-Club-Besitzer Michael Ganz sagt. «Für ein Urteil ist es noch zu früh, aber wir befürchten, dass wir nun eher weniger Gäste haben.» Es sei wie bei kleinen Lebensmittelläden, die von einer grossen Migros in der Nähe profitieren würden. «Wenn im KBA Party war, lief auch bei uns viel.» So sei der Boiler an der Abschiedsparty der «Kettenbrücke» besonders gut gefüllt gewesen.

Der Club Zoo hingegen, der nicht in der Altstadt, sondern im Torfeld Süd liegt, verspürte am vergangenen Wochenende einen Andrang von neuen Gästen. Aber Organisator Dominic Zimmerli sagt: «Wir sind kein Auffangbecken für gestrandete Ex-KBA-Gäste und behalten uns vor, den Eintritt zu verweigern.» Der Zutritt in den Club Zoo ist mit Mitgliederkarten eingeschränkt.

Die ehemaligen KBA-Gäste anziehen will dagegen das Glashaus in Reinach. «Es ist kein Zufall, dass wir seit dieser Woche mit Plakaten um die Aarauer Partygänger werben», sagt Clubmanager Pascal Bergmann. «Wir erhoffen uns durch die Schliessung mehr Besucher.»

Gleis 7 sei Dank

Wie zu erwarten war, machen die jungen Aarauer nun mehr Party in Zürich. Ein junger Aarauer Partyorganisator, Stefan Felder, findet schon jetzt: «Das Aarauer Nachtleben ist weniger lebhaft geworden. Zum Trinken geht man in eine Aarauer Bar, zum Feiern mehr als vorher nach Zürich», sagt er. Der Trend habe sich verstärkt. Der einzige Ort, an dem man in Aarau richtig habe feiern können, sei die «Kettenbrücke» und für kurze Zeit das Atelier Bleifrei gewesen, sagt der 24-Jährige, der gerne etwas in der Region lancieren würde. «Ich kann mir vorstellen, dass wir in einiger Zeit ein Partylabel gründen und mit diesem in der Region Lenzburg starten». Abklärungen dazu würden bereits laufen. Mehr will er jedoch nicht verraten.

Felder ging noch vor wenigen Jahren selbst jedes Wochenende in Aarau in den Ausgang. Jetzt gehört er ebenfalls zu jenen, die allwöchentlich nach Zürich pendeln. «Die Clubs dort sind ja in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. Mit einem GA oder Gleis 7 gibt es nichts, das einer Partynacht in Zürich im Weg steht.»

Weniger pessimistisch als Felder sieht es Alex Crivaro: «Die Menschen haben einen Bezug zu ihrer Stadt. Meine Erfahrung besagt, dass man wichtige Events wie Geburtstage gerne in Aarau feiert. Man fühlt sich hier zu Hause.» Es stimme zwar, dass das Angebot an Clubs in Aarau kleiner sei als die Nachfrage, aber das sei schon lange so.

Auch die Aarauer DJane und Party-Veranstalterin Silvia Dell’Aquila teilt Felders Ansicht nicht: «In Aarau finden weniger Veranstaltungen statt als auch schon. Aber Aarau ist keine Schlafstadt; wer feiern will, kann das.»