Grossaufmarsch in Muhen: Die Kirche war übervoll, nicht zuletzt dank Gästen wie einigen Junioren des FC Muhen, die eine gut dreistündige Lektion Gemeindedemokratie erlebten (von 2709 Stimmberechtigten waren 431 anwesend).

Der Kredit von 3,9 Millionen Franken für Vergrösserung und Erneuerung des Fussballplatzes, die Verlegung der Färbergasse samt Werkleitungen und die Sanierung des Nebenplatzes war letztlich eine klare Sache. Nach 1,5 Stunden Diskussion allerdings. Bodennaher Aufbau des Platzes oder Kunstrasen? Ist die Eigenleistung des Fussballclubs, 100'000 Franken, nicht zu mager? Ungerecht gegenüber anderen Vereinen?

Kunstrasen statt Naturrasen

Schliesslich obsiegte der Vorschlag des Gemeinderates, unterstützt von den Ortsparteien SVP, FDP und SP, auch weil die Argumente überzeugten: Ein Dorf lebt dank seinen Vereinen. Und der neue Platz komme nicht nur den 250 Aktiven und 120 Junioren des FC Muhen zu Gute, wie auch eine Turnhalle vielen Vereinen diene.

Der Antrag, aus ökologischer Sicht (Entsorgung) statt eines Kunstrasens auf einen «bodennahen Aufbau» des Platzes, wie er aktuell besteht, zu setzen, hatte keine Chance, obwohl der Kunstrasen eine Million mehr kostet. Bezogen auf die Anzahl Spielstunden pro Jahr, sprechen die Kosten für Kunstrasen, da er auch bei Regen und Schnee benutzt werden kann: 1450 Stunden statt bloss 700.

«Waldeck» zu teuer

Gemeindeammann Andreas Urech sagte es mehrfach: Er wolle später keine Vorwürfe hören, die Gemeinde hätte doch die Liegenschaft Waldeck kaufen sollen. Darum stellte der Gemeinderat den Kauf der 1724 Quadratmeter grossen Liegenschaft zur Diskussion. Sein Hauptargument für den Kauf ist die zentrale Lage, gerade wenn es um die Zentrumsgestaltung geht, zu der man sich im Kirchgemeindehaus informieren konnte.

Dagegen – auch Gemeindeammann Urech sagte das – spricht der Preis von 2,5 Millionen Franken, zumal das ehemalige Restaurant, das jetzt Schulräume und Wohnungen (bis Ende 2019 von der Gemeinde gemietet) beinhaltet, wohl abgerissen werden müsste. Spekulieren darauf, dass der Besitzer den Preis senkt? Die SVP wäre bereit gewesen, 2 Millionen zu bezahlen, die FDP lehnte den Kauf ab, die SP befürwortete ihn. Das Resultat der Abstimmung: 213 zu 116 Stimmen gegen den Kauf. Es besteht zwar eine Gestaltungsplanpflicht, doch sei der Einfluss der Gemeinde darauf, was bei einem Verkauf mit der Liegenschaft passiert, nun beschränkt.

Gegen Steuererhöhung

Obwohl der Gemeinderat sagte, die vorgeschlagene Erhöhung des Steuerfusses von 112 auf 117 Prozent habe vor allem mit einem Wegbrechen der Steuereinnahmen zu tun, weniger mit den Investitionen, folgte eine klare Mehrheit dem Antrag von SVP und FDP auf Beibehaltung von 112 Prozent. Man glaubt an eine Erholung der Steuereinnahmen. Ein Kompromissvorschlag von 115 Prozent fand bloss 34 Anhänger. Das Budget 2019 – ohne Waldeck-Kauf – war bei der Schlussabstimmung ebenso unbestritten wie die Einbürgerung einer Deutschen.