Aarau

Warum die Eniwa den beliebten Mitteldamm entfernen will

Letzte Woche kündigte die Eniwa an, dass der Mitteldamm im Rahmen des Kraftwerk-Neubaus ganz verschwinden soll. Dadurch werden Fliessverluste vermindert und die Nettofallhöhe beim Ausbaudurchfluss gesteigert.

Die Spaziergänger, vor allem die Hündeler, lieben ihn – auch im Winter. Die Freunde des sommerlichen Aarebads schätzen ihn – weil dank ihm das Wasser im kleinen Kanal angenehm langsam fliesst. Der Mitteldamm oberhalb des Kraftwerks hat viele Freunde. Und diese sind in Sorge, seit die Eniwa letzte Woche angekündigt hat, dass der Damm im Rahmen des Kraftwerk-Neubaus ganz verschwinden soll. Dank der hydraulischen Optimierung des Kanals kann die Stromproduktion des Kraftwerks um 2 Gigawattstunden (GWh) erhöht werden. Insgesamt soll dank des Kraftwerkneubaus die Stromproduktion um rund 20 Prozent auf 130 GWh steigen.

Ein Teil des Mitteldamms, 750 Meter, hätte schon mit dem zwischenzeitlich fallengelassenen «Projekt 2013» entfernt werden sollen. Neu soll er ganz verschwinden. «Durch die Entfernung des Mitteldamms über weitere rund 850 Meter wird der Fliessquerschnitt im Oberwasserkanal vergrössert, was zu einer Verminderung der Fliessverluste und zu einem Anstieg der Nettofallhöhe um bis zu 16 Zentimeter beim Ausbaudurchfluss führt», heisst es im Kurzbericht, der zurzeit im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens öffentlich aufliegt. «Weiter fallen rund 1.7 Kilometer unterhaltspflichtige Uferböschungen weg.»

Rechnet sich die Mitteldamm-Entfernung? Davon ist Eniwa-CEO Hans-Kaspar Scherrer überzeugt. Er beziffert den Wert der jährlich 2 GWh auf rund 120 000 Franken. Zudem entfalle die regelmässige Pflege der Vegetation und die schadhafte Böschung (Betonplatten) müsse nicht saniert werden. Wie teuer die Mitteldamm-Entfernung wird, wurde an der Präsentation der Kraftwerk-Pläne letzte Woche nicht ausgewiesen. Es wurde lediglich gesagt, dass die ganze Kanalsanierung auf 10 Millionen Franken veranschlagt ist. Ein Bauspezialist schätzt, dass der Abtransport des Mitteldamms sicher mehrere Millionen Franken kosten wird. Er sprach von 3 bis gegen 5.

Was passiert mit den bestehenden Brücken über die Aare? Die Eniwa hält fest: Es wird weiterhin vier Brücken über den Kraftwerkskanal geben (die Kraftwerksbrücke, die Häsibrücke, der Aufeldsteg und die Kanalbrücke beim Wehr Schönenwerd). Der Aufeldsteg wird wie die Häsibrücke unterfangen.

Der Spazierweg auf dem Mitteldamm verdankt seine Beliebtheit auch der Tatsache, dass er nicht asphaltiert ist. Als Kompensation sollen zwischen dem Kraftwerk und der Häsibrücke neben den Asphalt- auch Kieswege entstehen.

Und was ist mit den Fischen? Wegen der Entfernung des Mitteldamms gehen rund 1700 Meter Uferlinie als Fischlebensraum verloren. Dafür sind gemäss dem aktuellen Projekt Kompensationsmassnahmen geplant.

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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