Aarau
Warum der grosse Kundenmagnet in der Altstadt immer fehlen wird

Altstadt im Fokus: Wer als Gewerbler in einer Gasse der Aarauer Altstadt überleben will, braucht viel Durchhaltewillen. Ein Geschäft mit grosser Anziehungskraft in die Altstadt zu holen, wird sich auch in Zukunft schwierig gestalten.

Katja Schlegel
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Die Rathausgasse ist die am besten besuchte Altstadtgasse. Hier sind auch viele Gewerbler seit Jahrzehnten erfolgreich.Emanuel Freudiger

Die Rathausgasse ist die am besten besuchte Altstadtgasse. Hier sind auch viele Gewerbler seit Jahrzehnten erfolgreich.Emanuel Freudiger

Die Altstadt im Fokus

Aarau hat mit seiner Altstadt ein Luxusproblem: Keine andere im Kanton ist so belebt wie sie. Trotzdem gibt es Problemfelder. Ihnen und natürlich auch den schönen Seiten der Altstadt widmet sich die az in einer losen Serie.

Der Grund für die vielen Wechsel scheint auf der Hand zu liegen: die fehlende Kundschaft. Fakt ist, dass die Altstadt (dazu zählt der Stadtkern bis zum Graben) der Neustadt in Sachen Frequenz deutlich hinterherhinkt, das wurde auch in einer Analyse so belegt. Nachts sind die Beizli und Restaurants gut besucht, tagsüber aber fehlt es den Läden an Kundschaft.

Altstadt krankt woanders

Doch die Kundenströme alleine für die vielen Wechsel verantwortlich zu machen oder gar von einer serbelnden Altstadt zu reden, stösst Marcel Suter, Präsident der Aarauer Detailhandels-Vereinigung Zentrum, sauer auf: «Die Frequenz in der Altstadt ist sicher nicht der Hauptgrund für die Wechsel.»

Dazu gebe es zu viele Beispiele von Ladenbesitzern, die sich seit Jahrzehnten in der Altstadt behaupten, ohne am Hungertuch zu nagen. Ausserdem seien viele der Wechsel blosse Standortwechsel oder altersbedingt. «Die Altstadt zum Damoklesschwert für Ladenbesitzer zu machen, ist falsch. Wer Durchhaltevermögen hat, schafft es auch.»

Die Geschäfte in der Aarauer Altstadt

Die Geschäfte in der Aarauer Altstadt

Aargauer Zeitung

Laut Suter krankt die Altstadt aber durchaus, wenn auch an anderen Orten. So zum Beispiel an den kleinen Ladenflächen: «In den schmalen Altstadthäusern ist eine Ladenfläche selten grösser als 100 Quadratmeter. Mit einem so kleinen Laden kann man nicht das grosse Geld verdienen.»

Dazu kommt, dass mit den kleinen Ladenflächen auch kein Kundenmagnet wie beispielsweise ein H&M in die Altstadt geholt werden kann. Mehrere solcher grossen Ketten hätten schon Interesse an einem Laden in der Altstadt angemeldet, aber es fehlt an Platz. Genau diese Magnete seien es denn, die der Altstadt fehlten.

Ganz abgesehen davon sind wegen des Denkmalschutzes oder anderer Vorschriften selbst die Umsetzung kleinster baulicher Veränderungen – beispielsweise die Vergrösserung der Schaufenster – nicht möglich. Veränderungen, die in der Neustadt ohne Probleme umgesetzt werden können, wie die eben gemachten grossen Umbauten bei «Clochard» an der Vorderen Vorstadt oder bei «Maggs» am Graben zeigen. Durch solche Ladenneugestaltungen werde die Neustadt immer attraktiver, während in der Altstadt alles beim Alten bleibt.

Bezug zu Aarau fehlt

Ein weiterer, für Suter entscheidender Punkt, sind die Hauseigentümer: «Heute gehören viele Häuser Leuten ohne Bezug zu Aarau. Die vermieten ihre Liegenschaften an den, der am meisten zahlt, und nicht an den, der mit seinem Laden am besten in die Stadt passt.» So regiere kein Konzept, das die Frequenzen stärken könnte, sondern das Zufallsprinzip.

Für Suter ist klar, was es braucht: eine Stelle, die Hauseigentümer und Ladenbesitzer vernetzt, die grenzüberschreitend plant. Dieser Wunsch ist nicht neu. Doch es geschieht laut Suter noch zu wenig. «Die Stadt muss sich viel mehr dafür interessieren, was in der Altstadt passiert. Sie darf sich nicht einmischen, aber sie müsste vermitteln.»

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