Biberstein
Warum der Gasthof Juraweid wegen Google weniger Gäste hat

Der Gasthof Juraweid oberhalb von Biberstein ist gut angelaufen. Es gibt jedoch Tage und Abende, wo nicht viel läuft. Für diese Schwankungen gibt es eine ganz spezielle Erklärung: Google.

Pascal Meier
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Haben sich gut eingelebt, kämpfen aber mit falschen Öffnungszeiten: Juraweid-Pächter Peter Bernhard mit Ehefrau Carmen und Tochter Caroline.

Haben sich gut eingelebt, kämpfen aber mit falschen Öffnungszeiten: Juraweid-Pächter Peter Bernhard mit Ehefrau Carmen und Tochter Caroline.

ARCHIV/Chris Iseli

Seit Dezember brutzelt wieder Fleisch in der Küche der Juraweid. Nach dem überraschenden Abgang des ehemaligen Wirtes hat Peter Bernhard den geschlossenen Gasthof oberhalb von Biberstein übernommen. Er kehrte dafür mit Ehefrau Carmen und Tochter Caroline nach zehn Jahren aus Südafrika zurück, unter anderem wegen der Kriminalität und drohender Enteignungen.

Der Betrieb ist inzwischen gut angelaufen. Das sagt Christoph Flory, Verwalter des Restaurants, das der Gemeinde Biberstein und der Naturschutz-Organisation Pro Natura gehört. «Wir sind sehr zufrieden.» Es gebe zwar noch Tage und Abende, wo nicht viel läuft. «Das ist aber am Anfang normal.»

Für diese Schwankungen gibt es auch eine andere Erklärung: Google. Die Suchmaschine spuckt an prominenter Stelle die Öffnungszeiten aus, wenn man nach dem Restaurant Juraweid sucht. Das tut Google bei vielen Firmen. Nur: Die Öffnungszeiten sind in diesem Fall falsch. Laut Google schliesst die Juraweid um 18 Uhr. Tatsächlich ist das Restaurant bis 23 Uhr geöffnet. Christoph Flory und die Wirtefamilie Bernhard haben den Fehler erst bemerkt, als vergangene Woche zwei Gäste darüber sprachen.

Über dieses Ärgernis berichtete am Mittwoch das Konsumentenmagazin «Espresso» von Schweizer Radio SRF. Auf Nachfrage der az sagt Christoph Flory: «Google handelt unverantwortlich». Als er von den falschen Öffnungszeiten hörte, versuchte er diese sofort auf der Website von Google zu korrigieren. Dafür gibt es einen Link. Doch nichts passierte. Flory telefonierte sich bei Google durch und bekam nach mehreren Versuchen überraschend eine Mitarbeiterin ans Telefon, die deutsch spricht. Das sei in den USA oder sonstwo passiert, hiess es. Christoph Flory klagte, dass dies geschäftsschädigend sei. Er war verärgert. Die Frau entschuldigte sich, konnte aber nichts tun. Stunden später tauchten dann plötzlich die richtigen Öffnungszeiten auf. Das Restaurant Juraweid war nun auch auf Google abends offen.

Jeder kann Einträge ändern

Die Juraweid ist wohl kein Einzelfall. Google erstellt und publiziert eigenmächtig Brancheneinträge von Firmen, die sich nicht selber kostenlos bei der Suchmaschine registriert haben. Wer ein Google-Konto hat, kann diese Informationen ändern. Das ist einfach, wie die «Espresso»-Redaktion herausfand: Sie konnte bei einigen Restaurants die Einträge innert Minuten verändern. Erfolg hatte auch Christoph Flory: Mit dem Einverständnis eines befreundeten Wirtes änderte er versuchsweise die Öffnungszeiten dessen Restaurants. Es gelang ohne Probleme. «So etwas darf nicht möglich sein», ärgert sich Flory. «Das Leben mit neuen Technologien wird nicht einfacher, im Gegenteil.»

Auf Anfrage von «Espresso» teilte Google sinngemäss mit: Wer sich als Eigentümer eines Unternehmens bei Google registriert, kann den Firmeneintrag exklusiv selber bearbeiten. Im Umkehrschluss heisst dies: Tut eine Firma nichts, kann grundsätzlich jedermann mit einem Google-Konto nach Lust und Laune Firmeninformationen ändern und auch falsche Öffnungszeiten erfassen. Änderungen würden zwar «auf ihre Qualität» überprüft, schreibt Google auf Anfrage von «Espresso». Wie dies geschieht, liess der Internetkonzern offen.
Christoph Flory will sich mit diesen Antworten nicht zufrieden geben. Die Gastrobranche müsse sich wehren. «Google hat klar eine Bringschuld und muss solch wichtige Informationen überprüfen, bevor sie ins Internet gestellt werden.» Für ihn sei das Thema deshalb nicht erledigt.

Zu Recht: Heute Mittag waren die Öffnungszeiten der Juraweid bereits wieder falsch. Laut Google hatte das Restaurant bei Biberstein nur von 22 bis 23 Uhr geöffnet.

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