Der az-Bericht über die stark gestiegenen Immobilienpreise in der Kantonshauptstadt sorgt für Wirbel. Auch wenn es in Aarau kaum noch Einfamilienhäuser für unter einer Million zu kaufen gibt: Stadtpräsidentin Jolanda Urech wehrt sich gegen die Darstellung, dass Aarau zu einer «Stadt der Reichen» geworden sei.

«Die Preissteigerung in den letzten Jahren ist das Resultat der niedrigen Hypothekarzinsen, des Bevölkerungswachstums und des aktuellen Wohntrends, zurück in die Kernstädte zu ziehen», sagt sie. Aarau sei aber trotz dem Umstand, dass die Einfamilienhausquartiere viel Platz einnähmen, eine gut durchmischte Stadt. «Aarau hat eine bunte Vielfalt an Wohnungen zu bieten. Das spiegelt sich darin, dass in der Stadt sämtliche Bevölkerungsschichten anzutreffen sind.»

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Grafik: Elia Diehl

CartoDB: So teuer ist der Eigenheim-Traum in Aarau

Ausweichen in die Agglo

Urech betont zudem, dass die gestiegenen Preise für Einfamilienhäuser kein Aarau-spezifisches Phänomen seien. «Eine Investition in ein Einfamilienhaus stellt überall im Mittelland eine sehr hohe Anforderung an das Budget einer Familie», sagt Urech.

Das bestätigt der Aarauer Immobilienexperte Roland Egger der Firma Immobilia 4 AG. «Aarau wird nicht zur Stadt der Reichen. Es gibt hier eine grosse Angebotsfülle an Miet- und Kaufangeboten», betont Egger. Dies werde umso deutlicher, wenn man die «Grossregion Aarau» in ihrer Gesamtheit betrachte. «Aarau ist eine Agglomeration von verschiedenen Gemeinden. Die politischen Grenzen sind in diesem Lebensraum nicht spürbar und im täglichen Leben nicht relevant», erklärt Roland Egger. «Die Grenzen existieren nur politisch und in den Köpfen mancher Kaufinteressenten.»

Dass sich bestimmte Regionen wie etwa das Zelgliquartier zu Hochpreisinseln innerhalb dieser «Grossregion Aarau» entwickelt hätten, das stimme zwar, sagt Egger. Der Immobilienexperte betont aber: «Auch in der Aarauer Agglomeration sind Wohnlagen mit hoher Lebensqualität vorhanden.» Wer das erkenne, dessen Chancen auf die Erfüllung des Einfamilienhaustraumes würden deutlich realistischer.
Dass junge Familien mit begrenztem Budget also in Zukunft ihren Einfamilienhaus-Traum in der Innenstadt aufgeben und ihre Suche auf die Agglo konzentrieren müssen, scheint unausweichlich. Denn die Preisentwicklung in den Trendquartieren beeinflussen oder gar aufhalten, das kann die Stadt nicht.

Stadtbaumeister Jan Hlavica erklärt: «Die Einflussmöglichkeiten der Stadt in Form von preissenkenden Massnahmen für den Bau von Einfamilienhäusern sind weder gegeben noch erwünscht.» Was die Stadt einzig tun könne, sei den gemeinnützigen Wohnungsbau zu unterstützen, in dem sie stadteigenes Land zu moderaten Preisen zur Verfügung stelle. Auch Stadtpräsidentin Jolanda Urech betont, dass der Handlungsspielraum der Behörden sehr begrenzt sei. «Es ist keine städtische Aufgabe, den Einfamilienhausbesitz zu erleichtern», sagt Urech. Sie verweist darauf, dass eine Erweiterung des Einfamilienhausangebots in Konflikt mit dem Erhalt der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen und des Naherholungsraumes stünde.
Letzterer ist mit ein Grund dafür, weshalb Aarau laut der Wirtschaftszeitschrift «Bilanz» 2016 eine der lebenswertesten Städte der Schweiz ist.

Im Städteranking verbesserte sich Aarau gegenüber dem Vorjahr um fünf Ränge und landete auf dem sechsten Platz, noch vor Basel (7), St. Gallen (8) und Kantonsrivalin Baden (12). Vorläufiges Fazit: Aarau ist keine Stadt der Reichen, aber eine Stadt reich an Lebensqualität. Und die hat nun einmal ihren Preis.