Oberentfelden

Warum bot das Konkursamt gestohlene Bilder zum Kauf an?

Das Konkursamt verkaufte gestohlene Bilder. Symbolbild.

Das Konkursamt verkaufte gestohlene Bilder. Symbolbild.

Der Fall der auf der Barmelweid geklauten und von der Konkursbehörde im Internet angebotenen Gemälde wirft Fragen auf.

Es ist eine seltsame Geschichte: Zwei Bilder des Densbürer Künstlers Peter «Bo» Bolliger werden im November 2019 aus der Ausstellung der Galerie Barmelweid gestohlen und tauchen vier Monate später wieder auf – auf der Online-Verkaufsplattform Ricardo, angeboten vom Konkursamt Oberentfelden.

Das Konkursamt wiederum hat die Bilder im Nachlass eines im Dezember verstorbenen Barmelweid-Mitarbeiters entdeckt, mit dessen Liquidation es betraut war. Weshalb genau ist nicht bekannt. Laut Gesetz wird eine Erbschaft dann durch das Konkursamt liquidiert, wenn sie von den Erben ausgeschlagen wird oder wenn die Zahlungsunfähigkeit des Erblassers im Zeitpunkt des Todes amtlich festgestellt oder offenkundig ist.

Der Fall wirft mehrere Fragen auf. Etwa: Wieso verkauft das Konkursamt die Bilder, die laut Bolliger mehrere Tausend Franken wert sind, im Online-Bieterverfahren schon ab 15 Franken? Und: Muss das Konkursamt denn nicht zuerst prüfen, ob das Werk überhaupt rechtmässig im Besitz des Verstorbenen ist?

«Da es sich um ein laufendes Konkursverfahren handelt, ist es uns nicht möglich, zum konkreten Fall Auskunft zu geben», sagt Corina Trevisan, Sprecherin der Gerichte Kanton Aargau, wo die Konkursämter angegliedert sind. Sie könne deshalb nur den Ablauf einer konkursamtlichen Verwertung im Allgemeinen schildern: «Bei allen Konkursverfahren nimmt das Konkursamt von Gesetzes wegen ein Inventar mit allen Vermögensgegenständen auf, die zur Konkursmasse gehören.

Die gesetzliche Vermutung besagt, dass die Gegenstände, die sich in den Räumlichkeiten der betreffenden Person befinden, auch in deren Eigentum stehen und somit zur Konkursmasse gehören. Bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass der Schuldner nicht der rechtmässige Eigentümer der Gegenstände ist, drängen sich keine weiterführenden Abklärungen auf und die Gegenstände können verwertet werden.»

Bei der Verwertung werden die Vermögensgegenstände entweder in den Freihandverkauf gegeben oder versteigert, eben zum Beispiel auf Onlineplattformen wie Ricardo. Das Konkursamt des Kantons Aargau macht dies seit 2007. Trevisan: «Über eine solche Plattform kann ein grosser Kreis potenzieller Käufer erreicht werden. Dies erlaubt es, die Gegenstände im Interesse der Gläubiger an den Meistbietenden zu verkaufen.»

Mittlerweile ist die Aufsichtsbehörde – die Schuldbetreibungs- und Konkurskommission des Obergerichts – der Sache der gestohlenen Bilder nachgegangen. Die Kommission sei «nach Rückfrage beim Konkursamt zum Schluss gekommen, dass keine internen Massnahmen erforderlich sind», so Corina Trevisan.

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