Super League
Warum bei Aaraus Powermann Fussball nur die zweite Geige spielt

Der 26-jährige Aarauer Verteidiger Igor Nganga wirbelt auf und neben dem Spielfeld. Im letzten Spiel gegen St. Gallen gelang dem Kongolesen eine Premiere: Er schoss sein erstes Tor in der Super League. Gegen Basel würde er gern nachdoppeln.

Ruedi Kuhn
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Igor Nganga liebt seine drei Frauen: Sofia und die Zwillinge Kelaia (links) und Anaia.

Igor Nganga liebt seine drei Frauen: Sofia und die Zwillinge Kelaia (links) und Anaia.

Annika Bütschi

Igor Nganga holt die Zwillinge Anaia und Kelaia vom Kindergarten in Buchs ab. Die Begrüssung ist herzlich und stürmisch zugleich. Die zwei Vierjährigen gleichen sich wie ein Ei dem andern. Würde Anaia nicht einen roten und Kelaia einen grünen Pullover tragen, könnte man sie nicht unterscheiden. Zu Hause am Zollweg in Suhr gehts ab ins Kinderzimmer. Der Vater und die beiden Töchter balgen herum und necken sich. Das Trio strahlt um die Wette. «Meine Frau Sofia und die beiden Mädchen sind mein grosser Stolz», sagt Nganga während des Fototermins mit der Familie. «Mit ihnen verbringe ich momentan wohl die glücklichste Zeit meines Lebens. Da spielt sogar der Fussball nur die zweite Geige.»

Fussball? Fussball spielt Nganga auch. Und wie. Am Tag nach dem Interview erzielt der kongolesische Internationale im Brügglifeld gegen den FC St. Gallen seinen ersten Treffer in der Super League. Das Tor zum zwischenzeitlichen 1:0 ist typisch für den Verteidiger mit Offensivdrang. Nach einem Corner von Sven Lüscher bugsiert die Nummer 22 des FC Aarau den Ball in der Hitze des Gefechts und aus kurzer Distanz hinter die Linie. Am Schluss schafft der Aufsteiger gegen den Europa-League-Teilnehmer ein 2:2. Nganga ist mit dem Punktgewinn mehr als zufrieden, freut sich nun auf das zweite Heimspiel innert vier Tagen, heute gegen den FC Basel, und verspricht den Fans ein Spektakel: «Das Duell David gegen Goliath ist immer reizvoll. Wir werden alles geben, um die beste Mannschaft der Schweiz fordern zu können. Es wird mit Sicherheit eine tolle Partie vor hoffentlich Tausenden von Zuschauern.»

Igor Nganga: 7 Tore in 66 Spielen

Igor Nganga ist am 14. April 1987 in Kinshasa, der Hauptstadt des Kongo, geboren. Zwei Jahre später wanderte seine Familie in die Schweiz aus. Die Eltern Simon und Annie leben seit mehr als 20 Jahren in Aigle. Nganga lernte das Fussball-Abc bei Aigle und spielte dann der Reihe nach für Lausanne, Basel, YB, Chiasso und Schaffhausen. Im Sommer 2011 holte ihn Trainer René Weiler zum FC Aarau. Sein Debüt für Aarau gab er am 23. Juli 2011 beim 2:1-Sieg in Winterthur. Danach erzielte er in 66 Meisterschaftsspielen sieben Tore. In acht Cuppartien gelang ihm ein Treffer. Ngangas Vertrag mit dem FC Aarau läuft noch bis Ende Saison. Der Kongolese würde nach eigener Aussage gerne beim Super-League-Aufsteiger bleiben und wartet auf ein Zeichen der Führungscrew. Diese will sich allerdings noch Zeit lassen. (ruku)

Auf dem grünen Rasen lässt der 1,86 Meter grosse und 83 Kilogramm schwere Nganga die Muskeln spielen, spult an der Seitenlinie Kilometer um Kilometer ab und rennt sich beinahe die Lunge aus dem Leib. Neben dem Spielfeld ist er die Sanftmut in Person und kann keiner Fliege etwas zuleide tun. Der Afrikaner ist ein gläubiger Mensch. Lässt es der Spielplan der Super League zu, geht er mit seiner Frau und den Töchtern am Sonntag in die Kirche. Während einer knapp dreistündigen Messe wird gebetet, gegessen, getrunken und getanzt. Man spricht über Gott, die Welt, kleine und grosse Sorgen.

Nganga bezeichnet sich als glücklichen Menschen. Für ihn sind aller guten Dinge tatsächlich drei: Er lebt für die Familie, die Religion und den Fussball. Fehlende Technik macht er mit Kämpferherz, Wille, Einsatz und Charakterstärke wett. Sein Karriereziel ist ein Klub in der deutschen Bundesliga. Der Karlsruher SC und Ingolstadt zeigten Interesse am nimmermüden Verteidiger. Nganga denkt stets positiv. Eine Enttäuschung musste er zuletzt allerdings wegstecken. Mit der Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien wurde es nichts. Nach einem 2:2 gegen Niger verpassten die Kongolesen den Gruppensieg. Burkina Faso hatte am Schluss die Nase vorn. Igor Nganga aber backt im Brügglifeld kleinere Brötchen und nimmt sich heute im Brügglifeld den FC Basel zur Brust.