Ende September hat der Aarauer Einwohnerrat zulasten der Investitionsrechnung einen Investitionskredit von 393'000 Franken für Hochwasserschutzmassnahmen am Stadtbach beschlossen. Das Projekt betrifft einzig den Abschnitt Vordere Vorstadt. Weitere Projekte werden in den nächsten Jahren aber folgen. In Aussicht gestellt hat der Stadtrat Hochwasserschutzmassnahmen mit einem gesamten Investitionsvolumen von rund 2,5 Mio. Franken. Aus der Botschaft des Stadtrates zum Kreditantrag für das Projekt Vordere Vorstadt ging hervor, dass nach diesem zehn weitere Massnahmen unterschiedlicher Priorität realisiert werden sollen – sieben auf Aarauer und drei auf Suhrer Boden.

Erste Grundlage der Hochwasserschutzmassnahmen am Stadtbach ist die Gefahrenkarte Aare für den Raum Aarau-Brugg aus dem Jahr 2011. Das Ingenieurbüro Hunziker, Zarn & Partner AG erhielt dann aber den Auftrag, die Gefahrenkarte zu überprüfen und den Hochwasserschutz am Aarauer Stadtbach zu vertiefen. Die Verfasser des Berichts bestätigten insgesamt die Gefahrenkarte. Sie kamen aber zum Schluss, dass das Schutzdefizit grösser, vor allem grossflächiger sei, als auf der Gefahrenkarte angenommen. Daher schlugen sie die erwähnten elf Massnahmen vor, die über jene hinausgehen, die schon die Gefahrenkarte zur Umsetzung empfahl.

Wichtig zu wissen: Seit dem Ende der Berner Herrschaft 1798 gehört der Stadtbach der Stadt Aarau – auch auf Suhrer Gemeindegebiet. Damit hat sich erst 1863 auch der Aargauer Regierungsrat abgefunden. Nur: Würde bringt Bürde. Gemäss Aargauer Baugesetz von 1993 haben die Eigentümer die notwendigen baulichen Massnahmen an den Gewässern zu treffen und diese zu unterhalten. Die Gemeinden tragen also, wie Rolf Strebel von der Sektion Tiefbau im Aarauer Stadtbauamt und dort zuständig für den Stadtbach klar macht, die Kosten der baulichen Massnahmen und des Unterhalts. Das erklärt, weshalb Hochwasserschutzmassnahmen am Stadtbach auch in Suhr zulasten der Stadt Aarau gehen.

Automatisch regulierbar

Wie steht es nun um diese Massnahmen in Suhr? Der technische Bericht zur Gefahrenkarte von 2011 ortete die grössten Probleme bei der Regulierung der Einlaufschütze, der Kapazität der Suhre im Einlaufbereich des Stadtbachs und in lokalen Starkregen in den Seitenbächen. Empfohlen wurde in erster Linie, die manuell regulierbare Einlaufschütze durch eine automatisch regulierbare zu ersetzen, die sich entsprechend dem Wasserstand der Suhre schliesst und öffnet. Diese Massnahme ist umgesetzt. «2015», erklärt Rolf Strebel, «konnte die neue und elektrifizierte Schaltenanlage am Stadtbach in Suhr in Betrieb genommen werden». Aufgrund der Besitzverhältnisse hätten sich weder der Kanton noch die Gemeinde Suhr an den Kosten beteiligt.

Das Stadtbach-Einlaufwuhr am linken Ufer der Suhre ist verhältnismässig jung: Der Stadtbach wird seit 1943 durch einen 500 Meter langen Verbindungskanal aus Betonelementen von der Suhre mit Wasser versorgt. Die Suhrenmatten, die das Quellgebiet des Stadtbachs bildeten, wurden nämlich während des Zweiten Weltkriegs trockengelegt. Dadurch senkte sich der Grundwasserspiegel und die Stadtbach-Quellen versiegten.

In Bezug auf die Nebenbäche wurde im technischen Bericht zur Gefahrenkarte vorgeschlagen, das Chaibehölzli-Gerinne auszudolen und zu verlegen. Ebenso wurde im Anhang empfohlen, die Eindolung des Schwirrenmattbachs zu vergrössern. Diese Massnahmen sind bisher offenbar unterblieben. Bei beiden Bächen, so Rolf Strebel, handle es sich um kantonale Gewässer auf dem Territorium des Gemeinde Suhr. Sprich: Die sie betreffende Massnahmenplanung der Gewässerkarte betrifft die Stadt Aarau nicht. Verantwortlich ist mit andern Worten der Kanton. Sebastian Hackl, der zuständige Projektleiter in der Sektion Wasserbau, weist auf Anfrage der AZ darauf hin, dass seit der Fertigstellung der Gefahrenkarte bereits eine grosse Zahl von Hochwassergefährdungen im ganzen Kantonsgebiet beseitigt worden seien. Am Chaibehölzli- und am Schwirrenmattbach seien indessen seit 2011 «keine grösseren baulichen Massnahmen durchgeführt» worden.

Zusätzliche Gerinneausbauten

Die Untersuchung des Büros Hunziker, Zarn & Partner hat gemäss Stadtratsbotschaft gezeigt, dass die Rückhaltemöglichkeiten an den Seitenbächen generell «begrenzt und kaum wirksam für den Stadtbach» sind. Es müssten daher zusätzliche Gerinneausbauten am Stadtbach erfolgen, damit die Hochwassergefahr beseitigt werden könne. Auf Suhrer Boden werden Schwellenaufhebungen und Gerinneverbreiterungen im Abschnitt Salamanderweg–Gönhardweg empfohlen. Dazu kommen Ufererhöhungen zwischen dem Gönhardweg und dem Sagiweg sowie im Bereich des Panamawegs. Die Kosten der drei Massnahmen werden auf rund 365'000 Franken veranschlagt. Gemessen an den total 2,5 Mio. Franken, die der Stadtbach-Hochwasserschutz die Stadt kosten soll, ist diese Summe relativ bescheiden. Zudem handelt es sich in Suhr nur um Massnahmen zweiter und dritter Priorität. Es dauert also noch 10 bis 20 Jahre, bis diese Massnahmen realisiert werden.