Kreisschule Aarau-Buchs

War die Blitz-Abschaffung der Einschulungsklassen illegal?

Kreisschule Aarau-Buchs: Die Schulpflege steht in der Kritik.

Kreisschule Aarau-Buchs: Die Schulpflege steht in der Kritik.

Intensive Diskussionen im Kreisschulrat der Kreisschule Aarau-Buchs. Jetzt sollen die zwei Einwohnerräte für Klarheit sorgen.

Die Entscheidung der Kreisschulpflege Aarau-Buchs, die Kleinklassen abzuschaffen, weil man «eine integrative Schule» sein wolle, kam insbesondere in Buchs und Rohr, wo diese Form der Sonderpädagogik bisher praktiziert wurde, nicht nur gut an. Die Buchser Stimmbürger seien «geblendet» worden, sagte etwa Einwohnerrat Reto Fischer (parteilos).

Auch im Kreisschulrat, dem Schulparlament, gab es intensive Diskussionen deswegen. Und diese sind wieder aufgeflammt, nachdem die Schulpflege gestützt auf ihren früheren strategischen Entscheid bekannt gegeben hatte, dass die drei Einschulungsklassen in den Schulhäusern Aare, Gysimatte und Stäpfli aufgehoben werden, und zwar bereits per Schuljahr 2020/21. In einer Einschulungsklasse können entwicklungsverzögerte Kinder das erste Schuljahr in zwei Jahren absolvieren.

In der Kreisschulratssitzung am Donnerstagabend hat nun Ratsmitglied Philippe Kühni (GLP, Aarau), einen möglicherweise entscheidenden Einwand vorgebracht: Er wollte wissen, ob die geplante Abschaffung der Einschulungsklassen überhaupt mit den Satzungen der Kreisschule kompatibel ist. Denn in den Satzungen, die der Verfassung der Schule gleichkommen, steht unter «Zweck» wörtlich: «Der Gemeindeverband betreibt für die Verbandsgemeinden die Volksschule, bestehend aus Kindergarten, Primarschule, Oberstufe (…) inkl. Einschulungsklassen und Sonderpädagogik.»

Eine befriedigende Antwort habe er direkt in der Sitzung nicht erhalten, sagt Kühni am Freitag zur AZ. Deshalb sind nun Anfragen sowohl im Einwohnerrat Aarau als auch in Buchs in Vorbereitung. «Wir wollen vom Gemeinde- und vom Stadtrat eine Stellungnahme in dieser Sache», erklärt der Grünliberale. Er zweifelt, wie Kreisschulrätin Nicole Burger (SVP, Aarau), daran, dass die Kreisschulpflege die Einschulungsklassen einfach so abschaffen darf. Sie ist zwar für die strategische Ausrichtung der Kreisschule – wozu auch der Beschluss, eine integrative Schule sein zu wollen, fällt – zuständig und hat diesen Umstand auch mehrfach betont.

Was aber in den Satzungen als eigentlicher Zweck der Kreisschule steht, kann nicht einfach geändert werden. Laut Kühni ist zurzeit noch unklar, ob für eine Änderung des Verbandszwecks in den Satzungen ein Beschluss der beiden Einwohnerräte oder sogar des Volks in Aarau und Buchs nötig wäre. Auch das soll mit den parlamentarischen Anfragen im Einwohnerrat geklärt werden. «Es ist unsere Pflicht, da den Finger drauf zu halten», sagt der Aarauer Kreisschulrat.

Kritik an Kreisschulpflege

Aus Kühnis Sicht ist bei der Aufgleisung der neuen Sonderpädagogik bisher viel schief gelaufen. Allgemein kritisiert er das Vorgehen der Kreisschulpflege: «Es ist schon ein paarmal passiert dass wir Kreisschulräte von der Kreisschulpflege bei Fragen abgeklemmt oder von Beschlüssen ferngehalten wurden.» Er habe sich zum Beispiel selber bei der Schule Telli erkundigen wollen, wie dort die Erfahrungen mit der bereits früher vollzogenen Abschaffung der Einschulungsklassen sind. Die Schulpflege habe das nicht zulassen wollen und darauf bestanden, selber einen Bericht über dieses «Pilotprojekt» zu verfassen. Er liegt mittlerweile vor. Philippe Kühni hält ihn jedoch für ungenügend, er habe «zu wenig Substanz».

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